KV-Gesundheitsratgeber: Potenzprobleme bei Diabetes mellitus

Potenzprobleme zählen mit zu den häufigsten Folgeerkrankungen des Diabetes mellitus. Innerhalb von zehn Jahren nach Ausbruch der Krankheit leiden etwa 50 Prozent der männlichen Diabetiker an einer erektilen Dysfunktion. Diabetiker sind zwei- bis dreimal häufiger von Erektionsstörungen betroffen als Männer ohne Diabetes.

Ursachen

Die Ursachen können sehr vielschichtig sein. Oft bestehen die Beschwerden schon längere Zeit und haben sich schleichend manifestiert. Durch die Diagnose Diabetes und das Bewusstsein über eine bestehende chronische Erkrankung können auch die psychischen Belastungen so groß sein, dass Erektionsstörungen auftreten.

Ebenso die sich jetzt verändernden Lebensumstände – vielleicht ist eine Insulintherapie notwendig, der Patient muss lernen, sich selbst zu spritzen – diese neuen Umstände können zu Potenzstörungen führen.

Und über einen langen Zeitraum nicht erkannte hohe Blutzuckerwerte können Nerven und Gefäße auch schon geschädigt haben. Ein schlecht eingestellter Blutdruck tut sein Übriges.

Was können Sie jetzt selbst tun? Achten Sie auf sich selbst: 

  • reduzieren Sie mögliches Übergewicht,
  • achten Sie auf eine gesunde, ausgewogene Ernährung,
  • sorgen Sie für ausreichend Bewegung,
  • vermeiden Sie Stress,
  • verzichten Sie auf Alkohol und Nikotin.

Nachdem sich durch Therapiebeginn die Blutzucker- und Blutfettwerte normalisiert haben, vielleicht auch nur durch eine Ernährungsumstellung und mehr Bewegung im Alltag, können die Erektionsstörungen mitunter wieder von selbst verschwinden.

Arztgespräch und Diagnose

Der erste Schritt zur Abklärung einer Potenzstörung ist jedoch immer der Weg zum Arzt. Sie können sich an Ihren Hausarzt, Diabetologen oder Urologen wenden, suchen Sie sich den Arzt aus, bei dem Sie sich am wohlsten fühlen. Denken Sie daran, Sie sind, vor dem Hintergrund des Diabetes, mit Ihrer Problematik nicht allein und tragen auch keine Schuld.

Als erstes wird Ihr Arzt mit Ihnen im Gespräch die möglichen Ursachen suchen. Sprechen Sie offen über Ihre Probleme, weichen Sie keinen Fragen aus, denn für eine gute Therapie ist eine genaue Beschreibung außerordentlich wichtig.

Mit einer Blutuntersuchung wird anschließend geklärt, ob Sie zu wenig Testosteron haben, es werden Schilddrüsenwerte abgeklärt und eine eventuelle Fettstoffwechselstörung ausgeschlossen, die ebenfalls als Ursache für Erektionsstörungen in Frage kommen kann.

Sollte der Arzt spezielle Untersuchungen für notwendig erachten, wird er Sie Ihnen erklären.

Er entscheidet, ob es sich um eine Spätfolge des Diabetes oder nur um eine vorübergehende Störung handelt und welche Therapieform für Sie in Frage kommt.

Medikamente können sich bemerkbar machen

Einige Medikamente, zum Beispiel gegen Bluthochdruck oder erhöhte Blutfettwerte, können sich negativ auf die Erektionsfähigkeit auswirken. Wenn Sie Bedenken haben, dass sich durch die „neuen Tabletten“ negative Nebenwirkungen bemerkbar machen – sprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt jede Form der Medikamentenumstellung ab. Häufig gibt es Alternativen, bei denen Nebenwirkungen eine geringere Rolle spielen.

Setzen Sie nicht eigenmächtig Ihre Medikamente ab! Der Arzt hat gute Gründe sie Ihnen zu verordnen. Schlecht eingestellte Blutzucker-, Bluthochdruck- und Blutfettwerte würden Ihnen auf Dauer viele weitere Probleme bereiten. Kontrollieren Sie Ihre Blutzuckerwerte und halten Sie diese stabil.

Hormone

Durch den Diabetes produzieren viele Männer weniger Testosteron, das wichtigste männliche Geschlechtshormon. Dieser Mangel kann auch ein Grund für Erektionsprobleme sein und lässt sich in den meisten Fällen mit einer Hormontherapie beheben.

Auch hier gilt wieder: Sprechen Sie Ihren Arzt an. Er wird mit Ihnen gemeinsam entscheiden, welche Therapie für Sie die richtige ist. Gehen Sie nicht selbst auf die Suche nach frei verkäuflichen Präparaten. Ihre gesamte Medikation muss abgestimmt sein!

Die Psyche

Ein vermindertes Selbstwertgefühl, Versagensängste und Leistungsdruck, einhergehend mit der chronischen Erkrankung Diabetes können ebenso zur erektilen Dysfunktion führen wie alle schon erwähnten Faktoren. Lassen Sie sich durch einen Psychotherapeuten oder auch nur durch ein Gespäch in einer Beratungsstelle helfen. Suchen Sie das Gespräch – Erektionsstörungen sind kein Grund zur Scham.

Potenzproblemen vorbeugen

Achten Sie langfristig auf optimale Blutzuckerwerte, halten Sie diese dauerhaft stabil. Denken Sie daran, dass durch Nachlässigkeiten die Nervenbahnen und Blutgefäße irreparabel geschädigt werden können. Vermeiden Sie unbedingt Alkohol und Nikotin – dies schädigt Nerven und Gefäße zusätzlich.

Bei der Suche nach einem Arzt oder Psychologischen Psychotherapeuten in Ihrer Nähe hilft Ihnen auch die Kassenärztliche Vereinigung Berlin weiter: Unter der Telefonnummer 030 / 31 00 3 - 222 erreichen Sie unseren Gesundheitslotsendienst.

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Potenzprobleme bei Diabetes mellitus
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Wichtige Adressen
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