KV-Gesundheitsratgeber: Zapplige Traumtänzer - Wie ADHS-Kindern geholfen werden kann

Teil 1: Ursachen von ADHS

Die Ursachen für eine Aufmerksamkeitsstörung und eine daraus resultierende Hyperaktivität sind trotz einiger vielversprechender Forschungsansätze bis heute nicht eindeutig geklärt. Es gibt verschiedene unbewiesene Theorien, wonach Umweltgifte und Nahrungsmittelallergien für die Erkrankung verantwortlich sein sollen. Der früher häufig vermutete „Sauerstoffmangel bei der Geburt“ scheint – wenn überhaupt – nur selten die Ursache zu sein.

Man geht zurzeit davon aus, dass die Aufmerksamkeitsstörung auf eine biologisch bedingte, fehlerhafte Informationsverarbeitung zwischen einzelnen Gehirnbereichen zurückgeführt werden kann. Die betroffenen Kinder sind nur eingeschränkt in der Lage, ihre Aufmerksamkeit auf eine Sache zu konzentrieren.

Sie können wichtige von unwichtigen Wahrnehmungen kaum unterscheiden. Da alle Eindrücke ungefiltert auf sie einstürzen, stehen sie ständig unter einer großen Anspannung. Sie springen innerlich förmlich zwischen diesen Informationen und Bildern hilflos hin und her.

Daran beteiligt ist eine veränderte chemische Umsetzung der Botenstoffe im Gehirn (Neurotransmitter). Mit modernen bildgebenden Untersuchungsmethoden wie der Positronenemissionstomografie (PET), die eine Darstellung von Stoffwechselvorgängen des Gehirns ermöglicht, und der Single-Photon-Emissions-Computertomografie (SPECT) wurden Funktionsstörungen in einzelnen Hirnabschnitten (Stammganglien und Frontalhirn) sichtbar gemacht. Einzelne Neurotransmitter werden in diesen Bereichen des Gehirns weniger gut durch Stoffwechsel verändert als dies beim Durchschnitt der Menschen der Fall ist. Dadurch wird das Auftreten neuer Gedanken nicht gehemmt, mit der Folge, dass begonnene Gedanken nicht zu Ende gedacht werden können.

Eine genetische Veranlagung scheint wahrscheinlich, da in vielen Fällen Eltern, Geschwister (besonders eineiige Zwillinge) oder andere Verwandte ebenfalls betroffen sind. Wissenschaftler in Amerika konnten bisher Veränderungen an zwei Genen mit der Erkrankung an ADHS in Zusammenhang bringen. Leidet ein Elternteil unter ADHS, beträgt das Risiko seiner Kinder, ebenfalls an ADHS zu erkranken, 20 bis 30 Prozent. Allerdings wissen viele der heutigen Erwachsenen nichts von ihrer Erkrankung, sie haben mehr oder weniger gut gelernt mit ihren Problemen zu leben.

„Schlechte Erziehung“ oder „negative Kindheitserfahrungen“ können als eigentliche Ursachen praktisch ausgeschlossen werden. Ungünstige Familienverhältnisse können die betroffenen Kinder in ihrer Persönlichkeitsentwicklung jedoch zusätzlich belasten. Der Leidensdruck der Betroffenen hängt jedoch – wie internationale Studien gezeigt haben – stark von der kulturellen Akzeptanz bestimmter Verhaltensauffälligkeiten ab.

Quelle: Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e. V. (BVKJ)

 

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(Quelle: KV Berlin)

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Ursachen von ADHS
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Krankheitsbild ADHS
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Therapie von ADHS
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