GKV-VSG bringt eine Ausdünnung der ambulanten Versorgung

In dieser Woche wird der Entwurf des GKV-Versorgungsstärkungs- gesetzes in erster Lesung im Bundestag in Berlin diskutiert. Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Berlin befürchtet eine erhebliche Ausdünnung der ambulanten Versorgung von Patienten in den Berliner Stadtbezirken.

Berlin, 04.03.2015. Wenn die Abgeordneten im Plenum des Deutschen Bundestages am Donnerstag zum ersten Mal über das GKV-Versorgungsstärkungsgesetz diskutieren, geht es auch um die Tragweite eines einzigen Wortes. Wenn aus einem "kann" ein "soll" wird, hat das in Zukunft spürbare Folgen für die ambulante ärztliche Versorgung der Berliner: Es geht um die Verschärfung der Aufkaufpflicht frei werdender Arztsitze. Bisher steht es den Zulassungsgremien frei, einen Praxissitz vom Markt wegzukaufen.

Der Gesetzentwurf sieht bislang vor, dass ein Arztsitz nicht mehr nachbesetzt werden darf, wenn eine Region statistisch gesehen einen Versorgungsgrad von mehr 110 % aufweist. Dann gilt sie als überversorgt, und der Arztsitz soll von den Kassenärztlichen Vereinigungen aus der Versorgung herausgenommen werden. Nach derzeit geltendem Recht ist dies noch eine Kann-Regelung. Eine "Soll"-Regelung bedeutet hingegen, dass von der Aufkaufpflicht nur in Einzelfällen abgewichen werden darf.

Die Frage ist jedoch, was sich hinter dem Begriff Überversorgung verbirgt. Ganz Berlin gilt als einheitlicher Planungsbezirk und insgesamt als überversorgt. Der Versorgungsgrad (seit 1990 nicht mehr angepasst) drückt das Verhältnis der Anzahl von Ärzten einer Arztgruppe zu der Zahl zu versorgender Einwohner aus. Die Berliner Praxen versorgen jedoch nicht nur Anwohner, sondern zudem auch zahlreiche Patienten aus dem brandenburgischen Umland. Fallen diese Berliner Praxen mit einem großen Patientenstamm aus der Versorgung heraus, werden Wege und Wartezeiten für viele deutlich länger. Auch Praxen mit weniger Patienten, aber einem spezialisierten Behandlungsangebot für bestimmte Krankheitsbilder dürfen nicht mehr nachbesetzt werden. Den Angaben des ZI (Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung) zufolge müssten in Berlin z. B. die Sitze von mehr als 200 Hausärzten, mehr als 75 Kinderärzten, mehr als 56 Orthopäden und mehr als 940 Psychotherapeuten wegfallen – insgesamt 2.180. Der stellvertretende KV-Vorstandsvorsitzende, Dr. Uwe Kraffel, sagte: "Bereits heute zeichnet sich ab, dass in den kommenden Jahren insbesondere in den östlichen Stadtbezirken Berlins zahlreiche Arztpraxen aus Altersgründen aufgegeben werden. Auch hier hat die KV Berlin kaum eine Möglichkeit, die Praxen an junge niederlassungswillige Ärzte neu zu vergeben".

Die Folge wäre nach Kraffels Angaben eine "beträchtliche Ausdünnung" und somit im Gegensatz zum Titel des Gesetzes keine Stärkung, sondern eine Verschlechterung der Versorgung. Aus Sicht der niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten in Berlin stellt die Politik mit dem Versorgungsstärkungsgesetz die wohnortnahe, ambulante Versorgung durch freiberuflich tätige Ärzte infrage.


Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Berlin ist die Dachorganisation der mehr als 9.000 ambulant tätigen Ärzte und Psychotherapeuten in Berlin. Sie sorgt unter anderem dafür, dass die ambulante medizinische Versorgung von gesetzlich krankenversicherten Patienten auf hohem Qualitätsniveau stattfindet und dass diese den Arzt ihrer Wahl aufsuchen können, egal in welcher Krankenkasse sie versichert sind.

(Quelle: KV Berlin)

Autor: KV Berlin, Öffentlichkeitsarbeit | Erstellt am: 04.03.2015

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