Schwangere mit Gestationsdiabetes in Berlin wieder gut versorgt
Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Berlin hat gemeinsam mit mehreren Krankenkassen und ihren Verbänden einen neuen Versorgungsvertrag geschlossen. Schwangere Frauen mit Gestationsdiabetes können in Berlin damit auch in Zukunft auf eine gesicherte ambulante Behandlung zählen. Infolge ausgelaufener Verträge zur spezialisierten Versorgung von Schwangeren mit Gestationsdiabetes waren Ende 2024 Patientinnen zeitweise ohne geregelte Leistungsansprüche.
Der neue Vertrag ist am 15. Februar 2026 in Kraft getreten und richtet sich an schwangere Versicherte der beteiligten Krankenkassen mit ärztlich festgestellter Schwangerschaft und bestätigtem Gestationsdiabetes bis zu zwölf Wochen nach der Entbindung. „Nach langen und zähen Verhandlungen ist es uns gelungen, gemeinsam mit den Krankenkassen eine tragfähige Grundlage für eine wohnortnahe, strukturierte Versorgung von Schwangeren mit Gestationsdiabetes zu schaffen“, erklärt Günter Scherer, Mitglied des Vorstands der KV Berlin.
Dr. Christiane Wessel, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der KV Berlin und Gynäkologin, betont: „Schwangere mit Gestationsdiabetes sind eine besonders vulnerable Patientinnengruppe. Dass wir als KV Berlin nun eine verlässliche, qualitativ hochwertige Versorgung für sie sichern konnten, ist ein wichtiges Signal für Berlin.“
Rebecca Zeljar, Leiterin der Landesvertretung Berlin/Brandenburg des vdek, hebt die Perspektive der Krankenkassen hervor: „Mit der Gestationsdiabetes-Vereinbarung nach § 140a SGB V ist eine belastbare Grundlage für die Versorgung von Schwangeren mit Gestationsdiabetes in Berlin entstanden. Ziel war es, eine wohnortnahe, qualitätsgesicherte Betreuung sicherzustellen und zugleich wirtschaftlich tragfähige Rahmenbedingungen zu vereinbaren.“ Sie unterstreicht, dass die Verhandlungen komplex und anspruchsvoll gewesen seien, „doch dank der konstruktiven Zusammenarbeit mit der KV Berlin und dem Berufsverband Niedergelassener Diabetologen e. V. konnten robuste und faire Lösungen im Sinne der Versicherten erreicht werden. Das zeigt, dass enge Kooperation und klare gemeinsame Ziele zu nachhaltigen Lösungen führen.“
Dr. Iris Dötsch, stellvertretende Vorsitzende des Berufsverbandes der niedergelassenen Diabetologie Berlin (BVND), ergänzt: „Der BVND freut sich, dass die hochqualifizierte Expertise bei der Versorgung von Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes in Berlin sowohl wertgeschätzt als auch finanziell gesichert wird.“
Gestationsdiabetes ist eine Form des Diabetes, die während der Schwangerschaft auftritt und etwa fünf bis zehn Prozent der Schwangeren betrifft. Wird sie nicht oder unzureichend behandelt, kann das zu Komplikationen führen – etwa zu einem sehr großen Kind, einem erhöhten Risiko für Frühgeburten, Problemen bei der Geburt oder langfristigen Stoffwechselerkrankungen bei Mutter und Kind. Umso wichtiger ist, eine frühzeitige Diagnose und engmaschige Betreuung in spezialisierten Praxen.
Der neue Vertrag stellt sicher, dass schwangere Frauen mit Gestationsdiabetes in Berlin gezielt in diabetologischen Schwerpunktpraxen und spezialisierten Zentren betreut werden. Diese Praxen bieten unter anderem:
- ein ausführliches ärztliches Beratungsgespräch zu allen Fragen rund um Gestationsdiabetes
- individuelle Ernährungsberatung und Schulung zur Blutzuckerselbstkontrolle
- Empfehlungen zu Bewegung und gesunder Lebensführung
- bei Bedarf die Einleitung und Begleitung einer Insulintherapie in enger Abstimmung mit der Frauenärztin oder dem Frauenarzt
- eine Nachsorge nach der Geburt, inklusive eines Blutzucker-Belastungstests (75‑g‑oGTT), um Folgerisiken früh zu erkennen
Für Patientinnen bedeutet das: Wenn sie bei einer der beteiligten Krankenkassen versichert sind, können sie sich in entsprechenden Schwerpunktpraxen behandeln lassen, ohne die Leistungen vorfinanzieren zu müssen. Die Teilnahme ist freiwillig und die Abrechnung erfolgt direkt über die jeweilige Krankenkasse.
Die KV Berlin und die beteiligten Krankenkassen betonen, dass mit dem Vertrag eine qualitativ hochwertige und koordinierte Betreuung ermöglicht wird, bei der spezialisierte Diabetolog:innen und Gynäkolog:innen eng zusammenarbeiten. Schwangere, bei denen ein Gestationsdiabetes festgestellt wurde oder vermutet wird, sollten sich an ihre Frauenarztpraxis wenden und nach diabetologischen Schwerpunktpraxen oder Zentren in Berlin fragen. Weitere Informationen stellt die KV Berlin auf ihrer Website zur Verfügung.


