KV Berlin: Hälfte der Anrufer sind keine Notfälle, das System hinter der 116117 funktioniert bereits heute

Erste Erhebung zur medizinischen Ersteinschätzung

Berlin, 11.12.2019. Jeder zweite Patient, der in Berlin die 116117 anruft, ist kein medizinischer Notfall. Das ergeben erste Erhebungen der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Berlin zum medizinischen Ersteinschätzungsverfahren SmED, mit dessen Unterstützung seit April in der Leitstelle der KV Berlin Beschwerden abgefragt und Patienten in die richtige Versorgung gelenkt werden. „Wir erproben seit mehr als acht Monaten das ab 2020 gesetzlich verpflichtende System und gehen nach Sichtung der ersten Zahlen davon aus, dass wir die Berliner Notaufnahmen bereits wirksam entlasten konnten und dies auch künftig tun werden“, sagte Dr. Burkhard Ruppert, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KV Berlin, heute anlässlich der Eröffnung der neuen Leitstelle.

Bei rund 33 Prozent der Anrufer wurde eine „ärztliche Versorgung heute“ festgestellt. Sofern die Patienten immobil waren, wurden sie vom fahrenden Dienst der KV Berlin aufgesucht bzw. telefonierten mit einem Beratungsarzt der Leitstelle. Bei rund 17 Prozent der Anrufer kamen die Mitarbeiter der Leitstelle mit Hilfe von SmED zu dem Ergebnis, dass die „ärztliche Versorgung nicht eilt“. Diese Patienten erhielten mehrheitlich ein Gespräch mit den Beratungsärzten der Leitstelle oder wurden auf geöffnete Praxen verwiesen. Bei jedem zweiten Anrufer wurde eine „schnellstmögliche ärztliche Versorgung“ festgestellt; diesen Patienten wurde empfohlen, umgehend eine geöffnete Praxis aufzusuchen. Außerhalb der Sprechzeiten wurden die Anrufer auf eine KV-Notdienstpraxis und sofern diese geschlossen war auf eine Notaufnahme verwiesen. Für immobile Patienten wurde ein Hausbesuch durchgeführt. Nur rund drei Prozent der Anrufer mussten umgehend an die Leitstelle der Feuerwehr weitergeleitet werden. Die häufigsten Beschwerden der Anrufer waren Rücken- und Bauchschmerzen, Erbrechen/Übelkeit und Fieber. Von den rund 21.000 Patienten, die zwischen April und Oktober mithilfe der Software SmED medizinisch ersteingeschätzt wurden, waren zwei Drittel Frauen.

„Nach unserer derzeitigen Einschätzung konnten wir mithilfe von SmED die Qualität unserer Leitstellenarbeit weiter verbessern. Die Software ist für uns ein wichtiger Bestandteil, um den Patienten die richtige medizinische Versorgung empfehlen zu können“, so Ruppert, der darauf verwies, dass SmED ab dem 1. Januar 2020 in Berlin bei allen Anrufern mit akuten medizinischen Beschwerden angewendet wird. Zwar erst ab Januar vorgeschrieben, erreichen die Berliner Patienten unter der Servicenummer 116117 bereits seit Juli zusätzlich die Terminservicestelle (TSS). „Auch wenn wir erst zum 1. Januar dazu verpflichtet sind, war es uns wichtig, den Patienten möglichst frühzeitig nur eine Rufnummer für ihre Anfragen anzubieten. Dank der Umstellung zum Juli konnten wir die Patienten behutsam an die neuen Dienstleistungen heranführen und unsere Strukturen effizienter gestalten“, so Ruppert weiter. So konnten zum Beispiel die Wartezeiten am Telefon spürbar verringert werden. Aktuell müssen sich die Anrufer durchschnittlich 3,5 Minuten gedulden, bis sie einen Mitarbeiter der Leitstelle oder TSS sprechen.

Bei der Leitstelle könnten sich die Wartezeiten möglicherweise wieder verlängern, wenn ab dem 1. Januar 2020 alle Patienten mit akuten Beschwerden medizinisch ersteingeschätzt werden. Um dies aufzufangen, wurden die Kapazitäten in der neuen Leitstelle aufgestockt. Insgesamt 38 Mitarbeiter werden an 23 anstatt bisher 13 Arbeitsplätzen im Drei-Schicht-System die Anrufe beantworten und diese in eine adäquate Versorgung lenken, weitere sieben Mitarbeiter sollen in 2020 folgen. Ruppert: „Nehmen wir noch unsere aktuell acht und 2020 geplanten weiteren drei KV-Notdienstpraxen hinzu, können wir bereits auf ein gut funktionierendes System verweisen. Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht. Deshalb hoffen wir, dass der Gesetzgeber seine kürzlich gemachten Zusagen, bestehende Strukturen im Rahmen der Reform der Notfallversorgung nicht in Frage zu stellen, einhält.“

Weitere Fakten zur 116117 in Berlin:

  • der ärztliche Bereitschaftsdienst ist 24/7 erreichbar
  • 200.720 Anrufe in 2019 (zum: 31.10.2019) bearbeitet; ca. 4.500 pro Woche
  • ca. 51.000 der Anrufer wurden an die Beratungsärzte in der KV-Leitstelle und ca. 4.000 Anrufer an die Leitstelle der Feuerwehr weitergeleitet
  • Anrufer erhalten Informationen zu Praxen, die außerhalb regulärer Sprechzeiten geöffnet haben, und KV-Notdienstpraxen (inkl. aktuelle Wartzeiten)
  • bei immobilen Patienten kommt der fahrende Dienst nach Hause
  • seit Juli ist unter der 116117 auch die Terminservicestelle zu erreichen: Montag bis Freitag von 9 bis 15 Uhr; ab 1.1.2020 ebenfalls rund um die Uhr
  • Patienten können seit dem 1. November 2019 für viele Fachgruppen Termine selbst buchen: www.eterminservice.de
  • Beispiel für Resonanz: für November 2019 wurden 2.924 Termine über die TSS vermittelt, davon über 50 Prozent für Psychotherapeuten (1.641); stark nachgefragt sind auch Internisten (605) und Nervenärzte (338)

Fotos von der Eröffnung der neuen Leitstelle und dem Besuch der Elfen der bundesweiten Kampagne 116117 erhalten Sie nach telefonischer Anfrage unter der Telefonnummer (030) 31003-681.

Kontakt:

Für die Kassenärztliche Vereinigung Berlin:
Dörthe Arnold, Pressesprecherin / Leiterin Kommunikationsabteilung
Tel. (030) 31003-681
E-Mail: presse@kvberlin.de

(Quelle: KV Berlin)

Autor: KV Berlin, Öffentlichkeitsarbeit | Erstellt am: 11.12.2019

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