Zentrale Impfstelle für Asylsuchende am LAGeSo gekündigt:

Schlechtes Flüchtlingsmanagement: KV Berlin kritisiert Senator Czajas Gesundheitsverwaltung

Berlin, 17.03.2016. Das Landesamt für Gesundheit und Soziales (LAGeSo) in Berlin hat der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Berlin mit Schreiben vom 14. März 2016 die Kündigung der Vereinbarung zum Betrieb der Zentralen Impfstelle für Asylsuchende am LAGeSo ausgesprochen. Die Vereinbarung trat am 08. September 2015 in Kraft und endet nun zum 30. Juni diesen Jahres. „Unlogisch und unverantwortlich“, wie die KV-Vorsitzende Dr. Angelika Prehn findet. Bis zu 300 Patienten kamen bis vor Kurzem noch am Tag, die Ärzte arbeiteten ganztags in drei Schichten.

„Dann hat das LAGeSo aufgehört, entgegen der Vereinbarung Flüchtlinge zu uns zu schicken, und es darüber hinaus auch nicht geschafft oder nicht gewollt, Impflücken bei bereits anwesenden Asylsuchenden durch eine zielgerichtete Steuerung hin zur Zentralen Impfstelle zu schließen“, erklärt Prehn. Die Schuld für das Scheitern dieses „hervorragenden Angebots für Menschen, denen fluchtbedingt oft ein dringend benötigter Mindestimpfschutz vor ansteckenden Krankheiten fehlt“, gibt die KV-Vorsitzende Gesundheitssenator Mario Czaja und dem Missmanagement seiner Verwaltung in Flüchtlingsfragen.

Auch für Verhandlungen über weitere Nutzungsvarianten der Einrichtung, etwa für die aus Sicht der KV Berlin ebenfalls sinnvolle Erstuntersuchung von Asylsuchenden, war der Senator nicht offen, wie sich gerade erst Anfang 2016 gezeigt hatte. „Dabei waren wir bei diesem Thema fast vertragsfertig – dann die kurzfristige Absage des Senators. Wer macht die Erstuntersuchung jetzt?“, fragt Prehn.

Weshalb ein so gut laufendes und mit viel Engagement betriebenes Hilfsprojekt wie die Zentrale Impfstelle aufgegeben wird „ohne Not und ohne weitere Verhandlungen mit der KV Berlin, das von Senator Czaja zusammen mit der KV Berlin noch im Oktober 2015 presse- und öffentlichkeitswirksam eröffnet worden ist, das erschließt sich mir nicht“, so Prehn. Zumal funktionierende Alternativen fehlen: Wo, von wem und wie viele Asylsuchende gegen was künftig durch das Land Berlin geimpft werden sollen, um den bestmöglichen Schutz für die Flüchtlinge selbst, aber auch für die Berliner Bevölkerung zu gewährleisten, „darüber bleiben das LAGeSo und der Gesundheitssenator Einzelheiten schuldig.“

Das unkooperative Verhalten der Berliner Gesundheitsverwaltung sei umso unverständlicher, da die KV Berlin auch gesprächsbereit gewesen wäre, was etwa einen Wechsel des Standorts der Impfstelle im Zuge einer örtlich verlagerten Erstregistrierung von Asylsuchenden beträfe. „Aber mit uns wurde kein Gespräch gesucht“, kritisiert die KV-Vorsitzende abschließend.

Mehr zur Zentralen Impfstelle:

„Gesundheitssenator Czaja stellt neue Zentrale Impfstelle im LAGeSo vor“, Bericht auf www.berlin.de > Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales:
https://www.berlin.de/sen/gessoz/ueber-uns/leitung/die-leitung-unterwegs/archiv/2015/september-oktober/artikel.397292.php

„KV Berlin und LAGeSo kooperieren bei der medizinischen Versorgung von Flüchtlingen: Zentrale Impfstelle für Asylsuchende am LAGeSo gestartet“, Pressemitteilung der KV Berlin vom 01.10.2015 unter www.kvberlin.de > Presse > Pressemitteilungen > 2015: https://www.kvberlin.de/40presse/10pressemitteilung/10_2015/pe151001.html

 

Hintergrund zur KV Berlin:
Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Berlin ist die Dachorganisation der mehr als 9.000 ambulant tätigen Ärzte und Psychotherapeuten in Berlin. Sie sorgt unter anderem dafür, dass die ambulante medizinische Versorgung von gesetzlich krankenversicherten Patienten auf hohem Qualitätsniveau stattfindet und dass diese den Arzt ihrer Wahl aufsuchen können, ganz gleich, in welcher Krankenkasse sie versichert sind. Die Berliner Kassenärzte versorgen täglich 160.000 Patienten.

(Quelle: KV Berlin)

Autor: KV Berlin, Öffentlichkeitsarbeit | Erstellt am: 17.03.2016

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