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06.07.2021

Kryokonservierung von Ei- und Samenzellen ab 1. Juli abrechenbar

Neu im EBM

Der Text gibt den Sachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Über ggf. weitere Neuigkeiten zum Thema wird an anderer Stelle informiert.


Maßnahmen zur Kryokonservierung von Ei- und Samenzellen sind unter bestimmten Voraussetzungen ab dem 1. Juli 2021 über den EBM abrechenbar. Für Patient:innen sind die Leistungen zuzahlungsfrei.

Ist aufgrund einer Erkrankung eine keimzellschädigende Therapie erforderlich, kann die Kryokonservierung von Ei- bzw. Samenzellen oder Keimzellgewebe sinnvoll sein, damit betroffene Personen sich trotzdem später einen Kinderwunsch erfüllen können. Die ärztlichen Leistungen sind in der seit dem Februar 2021 geltenden „Richtlinie zur Kryokonservierung von Ei- oder Samenzellen oder Keimzellgewebe sowie entsprechende medizinische Maßnahmen wegen keimzellschädigender Therapie“ (Kryo-Richtlinie) konkretisiert.

Abrechnung und Vergütung

Für die Abrechnung der mit der Kryokonservierung verbundenen Leistungen wird zum 1. Juli 2021 der Abschnitt 8.6 neu in den EBM aufgenommen. Dazu zählen die Beratung sowie die Vorbereitung, Entnahme, Aufbereitung, das Einfrieren und das spätere Auftauen der Zellen/des Gewebes. Zudem bilden neue Kostenpauschalen im Abschnitt 40.12 EBM die Sachkosten für die Lagerung des Materials ab. Die erforderlichen Laborleistungen sind nach den bestehenden GOP 32575, 32614, 32618, 32660, 32781 im Kapitel 32 EBM berechnungsfähig. 

Die umfassende Beratung und entsprechende medizinische Maßnahmen übernimmt bei Frauen die Fachärzt:innen für Frauenheilkunde und Geburtshilfe mit Schwerpunkt Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin. Bei Männern sind Fachärzt:innen mit der Zusatzweiterbildung Andrologie berechtigt, wenn diese sämtliche in der Kryo-Richtlinie für Männer genannten Maßnahmen anbieten. 

Die Vergütung der Leistungen erfolgt dauerhaft extrabudgetär. Bitte beachten: Die im Zusammenhang mit der Kryokonservierung stehenden Laborleistungen und Begleitleistungen müssen mit einem „K“ gekennzeichnet werden: GOP 01510K bis 01512K, 02100K, 02341K, 05310K, 05340K, 05341K, 05350K, 08575K, 31272K, 31503K, 31600K, 31608K, 31609K, 31822K, 32575K, 32614K, 32618K, 32660K, 32781K, 33043K, 33044K, 33064K, 33090K, 36272K, 36503K und 36822K. 

Eine Übersicht aller GOP und deren Vergütung gibt die KBV in einer PraxisNachricht.

Versichertenanspruch

Einen gesetzlichen Anspruch auf Entnahme und Kryokonservierung von Ei- oder Samenzellen oder Keimzellgewebe haben weibliche Versicherte bis zur Vollendung des 40. Lebensjahres und männliche Versicherte bis zur Vollendung des 50. Lebensjahres, die sich einer keimzellschädigenden Therapie unterziehen müssen. Ob eine Therapie keimzellschädigend ist, entscheidet die Fachärztin/der Facharzt, die/der die Grunderkrankung diagnostiziert und behandelt. Die Leistungen sind, anders als bei der künstlichen Befruchtung, zuzahlungsfrei.

Für Versicherte, die bereits auf eigene Kosten Zellen oder Gewebe haben kryokonservieren lassen oder mit entsprechenden Maßnahmen begonnen haben, wird im Bundesmantelvertrag eine Übergangsregelung vereinbart: Der gesetzliche Anspruch besteht seit Inkrafttreten der Kryo-Richtlinie. Die Leistungen werden auf Antrag den Versicherten gewährt.