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15.12.2020

Inkrafttreten der DeQS-Richtlinienänderungen zum 01. Januar 2021

Sektorenübergreifende Qualitätssicherung

Der Text gibt den Sachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Über ggf. weitere Neuigkeiten zum Thema wird an anderer Stelle informiert.


Die vom G-BA beschlossenen Änderungen für das Erfassungsjahr 2021 betreffen die Rahmenrichtlinie und die Verfahren 1 (QS PCI), 2 (QS WI) und 4 (QS NET). 

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hatte am 16. Juli 2020 die Änderung zur datengestützten einrichtungsübergreifenden Qualitätssicherung (DeQS-RL) zum Erfassungsjahr 2021 beschlossen. Die Änderungen betreffen die Rahmenrichtlinie und die Verfahren 1 (QS PCI), 2 (QS WI) und 4 (QS NET). Da vom Bundesgesundheitsministerium (BMG) die Richtlinienänderungen nicht beanstandet wurden, treten beide Richtlinienänderungen zum 1. Januar 2021 in Kraft. 

Wichtige Änderungen von Teil 1 der Richtlinie ab dem Erfassungsjahr 2021

Einheitliche Vorgaben zu Rechenregeln und Referenzbereichen
Die Festlegungen zu den Rechenregeln werden einheitlich und übergreifend in der Rahmenrichtlinie unter § 14a „Qualitätsindikatoren, Rechenregeln und Referenzbereiche“ festgelegt. 

Zusätzlich werden die Fristen zur Veröffentlichung der prospektiven Rechenregeln an die identischen Zeitfristen zur Veröffentlichung der Spezifikation und der Richtlinie gekoppelt. Die zeitgleiche Beratung sowie der gemeinsame Beschluss beziehungsweise die Veröffentlichung von Richtlinienanpassung, Spezifikation und prospektiven Rechenregeln soll dazu beitragen, das Verfahren für alle Beteiligten normensicher und transparent zu gestalten. 
Abweichungen zwischen Exportdatenfeldern und Indikatorlisten der Richtlinie und den Spezifikationen oder den prospektiven Rechenregeln sollen dadurch vermieden werden. 

Da laut Aussage des Instituts für Qualität und Transparenz (IQTIG) die Veränderung der Fristen zur Beschlussfassung der prospektiven Rechenregeln große organisatorische Umstellungsaufwände hervorruft, erfolgt die Umsetzung dieser neuen Fristen erst zum Erfassungsjahr 2022.

Neue Regelungen zu den Fachkommissionen 
Die Regelungen zu den Fachkommissionen werden vereinheitlicht und in dem neuen § 8a der Rahmenrichtlinie zusammengeführt. Neu ist, dass Fachkommissionen zu einer einvernehmlichen Empfehlung angehalten sind. Sollte diese einvernehmliche Empfehlung nicht erreicht werden können, wird die Empfehlung auf Basis eines Mehrheitsentscheides der ärztlichen Fachkommissionsvertreter gebildet. Die abweichenden Einschätzungen aller Fachkommissionsvertreter, auch die der Vertreter ohne Stimmrechte, werden der Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) oder dem IQTIG gemeinsam mit der Empfehlung übermittelt.

Streichung der Verschlüsselung von QS-Daten
Die Verschlüsselung der QS-Daten durch die Leistungserbringerin bzw. den Leistungserbringer entfällt, weil durch die Transportverschlüsselung beim Versand an die jeweilige Datenannahmestelle auf eine zusätzliche Verschlüsselung verzichtet werden kann. Dies geschieht auf Empfehlung des Fachausschusses QS-IT des G-BA, der eine Transportverschlüsselung dort für ausreichend erachtet, wo kein Dritter in den Datenfluss eingebunden ist.
Die Transportverschlüsselung wird in § 1 Absatz 3 der Anlage zu Teil 1 der DeQS-RL festgeschrieben.

 

Wichtige Änderungen von Teil 2 der Richtlinie ab dem Erfassungsjahr 2021
Die Änderungen in Teil 2 der DeQS-Richtlinie betreffen:

  • Verfahren 1: „Perkutane Koronarintervention und Koronarangiographie“ (QS PCI)
  • Verfahren 2: „Vermeidung nosokomialer Infektionen – postoperative Wundinfektionen“ (QS WI)
  • Verfahren 4: „Nierenersatztherapie bei chronischem Nierenversagen einschließlich Pankreastransplantationen“ (QS NET)

Zeitfrist zur Veröffentlichung der Spezifikationen und prospektiven Rechenregeln (QS PCI, QS WI, QS NET)
Die Festlegung der zeitlichen Fristen für die Veröffentlichung der Spezifikation erfolgte zum Erfassungsjahr 2021 für alle DeQs-Verfahren einheitlich. Alle Spezifikationen werden im Sommer jeden Jahres beschlossen und veröffentlicht. 

Ausnahme bildet die einrichtungsbezogene Spezifikation (QS WI), die im letzten Plenum des Jahres beschlossen wird. Aufgrund dessen werden zukünftig auch die Rechenregeln und Indikatoren zur Einrichtungsbefragung (QS WI) im letzten Plenum jedes Jahres nochmals beschlossen. 

Inhalt der Zwischenberichte/Quartalsberichte (QS PCI, QS WI, QS NET)
Die Zwischenberichte in allen QS-Verfahren basieren ab dem Erfassungsjahr 2021 auf Qualitätssicherungsdaten aus der fallbezogenen QS-Dokumentation. Ärztinnen und Ärzte haben dadurch ausreichend Zeit, um ihre Daten zu prüfen (z. B. auf Datenvollzähligkeit). Es soll ihnen außerdem möglich sein, frühzeitig Hinweise auf etwaige rechnerische Auffälligkeiten zu erhalten. 

Ausnahme bildet das Verfahren 2 (QS WI). Die Zwischenberichte dafür werden abgeschafft. 
Für die Berechnung der Wundinfektionsrate müssen im Verfahren QS WI die fallbezogenen Dokumentationen mit Sozialdaten verknüpft werden. Sie können aufgrund der langen Datenlieferfristen der Sozialdaten frühestens nach einem Jahr an die Ärztinnen und Ärzte zurückgespiegelt werden. So ist keine zeitnahe Rückmeldung durch Zwischenberichte an die Ärztinnen und Ärzte möglich. Eine kontinuierliche Rückspiegelung der Wundinfektionsrate erhalten die Ärztinnen und Ärzte in diesem Verfahren ausschließlich durch ihren jährlichen Rückmeldebericht zum 30. Juni.

Keine Vergütungsabschläge für Nicht-Dokumentation (QS PCI, QS WI, QS NET) 
Für das Erfassungsjahr 2020 werden weiterhin für fehlende Dokumentationen keine Vergütungsabschläge erhoben. Der G-BA hat die bestehende Frist ausgeweitet - mit der Absicht, noch bis zum 31. Dezember 2020 eine Regelung zur fehlenden Dokumentation von Datensätzen zu beschließen.

Datenlieferung Erfassungsjahre 2020 und 2021 - bis zum 15. März des Folgejahres (QS PCI, QS NET) 
Der G-BA hat beschlossen, dass aufgrund der COVID-19-Pandemie die quartalsweisen Datenlieferungen für die sQS Verfahren QS PCI und QS NET zum 28. Februar, 15. Mai, 15. August und 15. November (Erfassungsjahre 4. Quartal 2020 und 1. bis 3. Quartal 2021) ausgesetzt werden.

Bestehen bleibt weiterhin für alle Ärztinnen und Ärzte die verpflichtende endgültige Datenlieferung für das gesamte Erfassungsjahr 2020 und 2021 zum Ablauf der Korrekturfrist bis zum 15. März auf das Erfassungsjahr folgenden Jahres, auch wenn es in den einzelnen QS-Verfahren keine Vergütungsabschläge bei nicht gelieferten Datensätzen geben wird. 

Für die interventionellen Kardiologen stellt die QS-Dokumentation einen fakultativen Leistungsinhalt dar. Um hier nicht im Folgejahr mit einer Forderung zur Absenkung der Vergütung seitens des GKV-Spitzenverbands konfrontiert zu werden, wird allen Kardiologen geraten, die vom QS-Verfahren PCI betroffen sind und die in der Regel sowieso unmittelbar mit der Leistung dokumentieren, weiterhin so zu verfahren.

Kulant wird hierbei mit den Nephrologen umgegangen, von denen trotz beibehaltener Dokumentationspflicht seitens des G-BA keine Nachdokumentation bis zum 15. März 2021 erwartet wird. Gewürdigt wurde die Tatsache, dass es seit Beginn des Verfahrens QS NET massive Softwareprobleme gibt. Erst seit Herbst 2020 steht den meisten Dialysepraxen eine funktionierende Software zur Verfügung. Jedoch können ohne QS NET-Dokumentation keine Vergütungszuschläge (GOP 04567 und OP 13603) geltend gemacht werden. 

Nicht betroffen ist ausschließlich das Verfahren QS WI, das aktuell für ein Jahr ausgesetzt wird.

Streichung des QI „Messung der Nierenfunktion vor einer elektiven oder dringlichen Koronarangiographie oder PCI“ (QS PCI) 
Der Qualitätsindikator (QI-ID 56002) wird zum Erfassungsjahr 2021 ausgesetzt., da die Messung der Nierenfunktion mittlerweile zum medizinischen Standard gehört und die bisherigen Indikatorergebnisse auf einen Deckeneffekt hinweisen. 

Streichung von Exportfeldern (QS NET)
Bei fünf Exportfeldern des Verfahrens QS NET sind methodische und fachliche Probleme bekannt. Folgende Felder sind betroffen:

  • 27 (renale Grunderkrankung)
  • 30 (mechanische Komplikation, Infektion, sonstige Komplikation)
  • 54 (Nachtdialyse)
  • 71 (HIV-Infektion) 
  • 101 (Todesursache).

Da es dem IQTIG seither nicht möglich war, diese Felder zu überarbeiten, werden sie bis zu einer erfolgreichen Überarbeitung gestrichen. Die Spezifikation wird durch das IQTIG angepasst werden.

Einrichtung eines Übergang-Expertengremiums (QS NET) 
Mit Wirkung vom 16. Juli 2020 ist das IQTIG darüber hinaus beauftragt worden, gemäß § 19 Absatz 3 des Verfahrens QS NET der DeQS-RL übergangsweise ein Expertengremium einzurichten, um zeitnah fachliche Unterstützung bei der Überarbeitung der gestrichenen Exportfelder sowie bei der Weiterentwicklung des Verfahrens zu erhalten. 


Die Beschlüsse sind auf der Webseite des G-BA veröffentlicht.