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21.06.2021

Umsetzung des digitalen Impfpasses geht zu Lasten der Praxen

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Dörthe Arnold
Pressesprecherin / Leiterin Kommunikationsabteilung KV Berlin

Ärzteschaft fühlt sich von Politik im Stich gelassen

Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Berlin begrüßt grundsätzlich die Einführung eines digitalen Impfpasses, kritisiert aber gleichzeitig die aktuell geplante Umsetzung zu Lasten der Ärztinnen und Ärzte. „Die Praxisverwaltungssysteme erfüllen in den meisten Arztpraxen noch nicht die erforderlichen technischen Voraussetzungen für die Ausstellung der digitalen Impfpässe und es besteht noch keine Klarheit über händelbare Abläufe in den Praxen“, kritisiert KV-Vorstandsmitglied Dr. Bettina Gaber. 

Für eine flächendeckende Einführung des digitalen Impfpasses müsse es technische Lösungen geben, die eine unkomplizierte Anbindung an die jeweilige Praxissoftware ermöglichen und den allgemeinen Praxisbetrieb nicht unnötig aufhalten. Neben den technischen Schwierigkeiten sei außerdem die finanzielle Bewertung der in den Apotheken vorgenommenen Erstellung der QR-Codes gegenüber der Bewertung der in den Praxen vorgenommenen Impfungen für die Ärztinnen und Ärzten ein Hohn. Während diese für eine Impfung inklusive Beratung 20 Euro und für die Ausstellung des digitalen Impfpasses mit ihrem Praxissystem zwei Euro erhalten, bekommen die Apotheker für die „reine“ Ausstellung des digitalen Impfpasses derzeit 18 Euro. 

„Wenngleich der Bundesgesundheitsminister nach heftiger Kritik der Ärzteschaft diese Summe ab dem 1. Juli auf sechs Euro absenken will, bleibt die Missachtung unserer ärztlichen Leistung. Gemeinsam mit meinen Kolleginnen und Kollegen tragen wir die Verantwortung und stellen die Logistik bereit, wir halten neben den Impfungen den normalen Praxisbetrieb aufrecht und schaffen es trotz der Pandemie, an Werktagen zwei bis dreimal so viele Patientinnen und Patienten zu impfen wie in den Impfzentren. Und das Ganze zu etwa einem Zehntel der Kosten, die eine Impfung in einem Impfzentrum kostet“, so die Vorsitzende der Vertreterversammlung (VV) der KV Berlin, Dr. Christiane Wessel. 

Es dürfe einen somit nicht verwundern, wenn viele Ärztinnen und Ärzte, die eine der Hauptlasten in der Corona-Krise schultern, diese finanzielle Benachteiligung gegenüber den Apotheken als Nichtachtung ihres Berufsstandes ansehen. Dazu passe dann leider auch ins Bild, dass die Softwarehäuser für die einmalige Programmierung der Schnittstelle für die Ausstellung des Impfpasses 105 Euro pro Anwender erhalten und damit allein der größte Anbieter mehrere Millionen Euro mit einer Schnittstelle verdienen kann.

„Während die Ärztinnen und Ärzte mit zwei Euro abgespeist werden, wird an anderer Stelle das Geld mit vollen Händen ausgegeben. Die Forderung an die Politik kann deshalb nur lauten, die ärztlichen Leistungen adäquat zu vergüten. Das wäre ein wichtiges Zeichen von Wertschätzung gegenüber der gesamten Ärzteschaft“, so Wessel abschließend.