Ruppert: Bewährte Strukturen dürfen nicht in Frage gestellt werden

KV Berlin kritisiert Inhalte der geplanten Notfallreform

Berlin, 23.07.2019. Das aktuelle Arbeitspapier des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) zur Reform der Notfallversorgung enthält viele nachvollziehbare Ansätze, lässt aber gleichzeitig viele Fragen offen. Zu diesem Schluss kommt die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Berlin. „Grundsätzlich sind wir uns hier in Berlin alle einig, dass die Notfallversorgung verbessert werden muss, aber nicht auf dem Rücken der Vertragsärzte, die im Zusammenspiel mit den Krankenkassen und Krankenhäusern seit zwei Jahren eine umfangreiche Reform der ambulanten Notfallversorgung umsetzen“, äußert sich der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der KV Berlin, Dr. Burkhard Ruppert, zu den aktuellen Plänen des BMG. In Berlin funktioniere das Zusammenspiel zwischen der 112, der Notrufnummer der Berliner Feuerwehr, und der 116117, der Rufnummer des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes (ÄBD), sehr gut. Es sei bereits heute gelebter Alltag, dass Patienten, die die 116117 anrufen und dringende medizinische Hilfe benötigen, umgehend an die Leitstelle der Feuerwehr weitergeleitet werden. Und umgekehrt erhält die Leitstelle des ÄBD Anrufer von der 112, wenn es sich um Patienten handelt, die in der ambulanten Notfallversorgung besser aufgehoben sind.

„Es gibt in Berlin also bereits eine gemeinsame Leitstelle, die, auch wenn örtlich getrennt, die Patienten in die richtige Versorgung steuert“, so Ruppert, der die Gefahr sieht, dass durch die BMG-Pläne die bisherigen Bemühungen der KV Berlin konterkariert werden. Seit 2017 sei mit umfangreicher Unterstützung der Krankenkassen viel Geld und Personal in den Aufbau einer intelligenten ÄBD-Leitstelle mit moderner Technik und medizinischer Ersteinschätzung, in den fahrenden Hausbesuchsdienst und in die Weiterentwicklung der KV-Notdienstpraxen gesteckt worden. „Die nächsten Projekte wie der Ausbau der Leitstelle und die Eröffnung weiterer Notdienstpraxen – Entscheidungen, die im Übrigen in enger Abstimmung mit den Kliniken getroffen werden – stehen bereits in den Startlöchern“, so Ruppert.

Ebenso kritisch sieht die KV Berlin die Pläne, dass künftig der Berliner Senat den Sicherstellungsauftrag für die ambulante Versorgung in den sprechstundenfreien Zeiten übernehmen und entscheiden soll, an welchen Krankenhausstandorten die sogenannten Integrierten Notfallzentren (INZ) entstehen sollen. „Wir sehen es kritisch, dass diese Entscheidung der Politik überlassen werden soll. Wir glauben, dass medizinische Fragen von Medizinern beantwortet werden müssen und nicht vom Senat, der sich mit Blick auf die Krankenhäuser im Übrigen in dem einen oder anderen Interessenskonflikt befindet“, so Ruppert, der es für dringend erforderlich hält, dass die KV Berlin gerade auch deshalb bei der Standortfindung und Festlegung der Anzahl von INZ’s die Federführung behält – im engen Kontakt mit allen wichtigen Playern der Notfallversorgung.

„Wir leben bereits vor, wie eine solche Zusammenarbeit aussehen kann, denn die Standorte unserer Notdienstpraxen an den Krankenhäusern wurden in einem transparenten Auswahlprozess ausgesucht. In diesen Notdienstpraxen arbeiten Mitarbeiter der Notaufnahmen und der KV an einem gemeinsamen Tresen und entscheiden gemeinsam, welcher Patient vom Krankenhaus und welcher in der ambulanten Notfallversorgung behandelt werden muss“, verweist Ruppert auf die erfolgreiche Arbeit der aktuell sechs von insgesamt 12 geplanten Notdienstpraxen. „Was gut ist, soll gut bleiben. Deshalb plädieren wir dafür, dass bewährte Strukturen zwischen den Krankenhäusern und der KV Berlin nicht in Frage gestellt werden, sondern gemeinsam nach Lösungen gesucht wird, auch im konstruktiven Dialog mit dem Senat“, so Ruppert abschließend.

Hinweis an die Medien

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Hinter der Rufnummer 116117 verbirgt sich nicht nur, wie im BMG-Arbeitspapier erwähnt und von einzelnen Medien aufgenommen, die Terminservicestelle, sondern bereits seit vielen Jahren der Ärztliche Bereitschaftsdienst der Kassenärztlichen Vereinigungen. Laut TSVG sind die KVen ab Anfang 2020 verpflichtet, unter der 116117 den Ärztlichen Bereitschaftsdienst und die Terminservicestelle anzubieten. Hier ist die KV Berlin bereits in Vorleistung gegangen und hat ihr Serviceangebot für Patienten optimiert. Ab sofort erreichen die Berliner unter der bekannten Telefonnummer 116117 die Leitstelle des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes und die Terminservicestelle.

Kontakt:

Kassenärztliche Vereinigung Berlin
Dörthe Arnold, Pressesprecherin / Leiterin Kommunikationsabteilung
Tel. (030) 31003-681
Fax: (030) 31003-50 210
Masurenallee 6 A
14057 Berlin
E-Mail: presse@kvberlin.de

(Quelle: KV Berlin)

Autor: KV Berlin, Öffentlichkeitsarbeit | Erstellt am: 23.07.2019

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