Ein Jahr Terminservicestelle der KV Berlin:
Viel Lärm um nichts

Berlin, 17.01.2017. Am 25. Januar 2016 gingen die gesetzlich vorgeschriebenen Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) an den Start, so auch die Terminservicestelle der KV Berlin. Unter der Rufnummer 030 / 31003-383 werden dort montags bis freitags von 10.00 Uhr bis 15.00 Uhr Facharzttermine vermittelt, wenn alle anderen Möglichkeiten der Patienten, einen Termin zu erhalten, erschöpft sind. Die Bilanz zum einjährigen Bestehen der Terminservicestelle fasst der Vorstand der KV Berlin mit "viel Lärm um nichts" zusammen – nur dass es sich hierbei leider nicht um eine Komödie von William Shakespeare handle, sondern um „ein Bürokratiemonster, das zulasten von Ärzten und Patienten“ und an gelebter Praxis vorbei gehe.

Hauptproblem Nummer eins seit Beginn der Arbeit der Servicestelle: Zwei Drittel der Anrufer sind „falsch“ verbunden, sprich haben keinen Anspruch auf Vermittlung oder nur allgemeine Fragen. Lediglich ein Drittel kommt für die Vermittlung auf Grundlage der gesetzlich vorgegebenen Anforderungen, etwa eine codierte Überweisung, überhaupt infrage. Diese Anrufer konnte die Terminservicestelle der KV Berlin im vergangenen Jahr zu Hundert Prozent und somit rundum erfolgreich vermitteln.

Hauptproblem Nummer zwei: Der Bedarf von Patienten an zentral zu vergebenden Facharztterminen ist bei Weitem nicht so hoch, wie von der Politik behauptet, und in Berlin auch alles andere als notwendig. Das belegte zuletzt wieder eine Patientenbefragung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), die auch regionale Auswertungen vornahm: Jeder vierte Berliner Krankenversicherte wurde sofort vom Facharzt gesehen, zwei Drittel der Versicherten innerhalb von drei Wochen (vgl. dazu Pressemitteilung der KV Berlin Nr. 17/2016 vom 17.08.2016).

In Zahlen sieht die Jahresbilanz der Terminservicestelle in Berlin aus wie folgt:

Es wurden 5.799 Vermittlungen in Facharztpraxen durchgeführt. Davon entfallen 5.512 Vermittlungen auf eine Überweisung mit Dringlichkeitscode, 287 erfolgten ohne Überweisung. Letztere sieht der Gesetzgeber als Ausnahme von der Regel für die Fachgruppe der Augenärzte und die der Gynäkologen vor. Insgesamt verzeichnete die Terminservicestelle 16.347 Nachfragen.

Die "TOP 5" der gefragten Facharztgruppen für Termine sind Neurologen (1.135 Vermittlungen), Kardiologen (801 Vermittlungen), Gastroenterologen (780 Vermittlungen), Psychiater (740 Vermittlungen) und Radiologen (512 Vermittlungen).

Als Schlusslichter beim Terminbedarf kristallisierten sich in den vergangenen zwölf Monaten folgende zehn Fachgruppen heraus: Gynäkologie, Nuklearmedizin, HNO-Heilkunde, Schmerztherapie, Urologie, Innere Medizin ohne Schwerpunkt, Hämatologie, Nephrologie, Diabetologie und Anästhesie. Sie kommen zusammen auf 215 Anrufer, die eine Vermittlung zu Fachärzten dieser Arztgruppen in Anspruch nehmen konnten und wollten, und entsprechen gerade einmal 3,7 Prozent der Gesamtvermittlungen.

Beide Skalen stellen einen Trend dar, der sich das ganze Jahr über verfestigt hat (vgl. dazu auch Pressemitteilung der KV Berlin Nr. 12/2016 vom 04.05.2016 zur 100-Tage-Bilanz der Terminservicestelle).

Für den Vorstand der KV Berlin bleibt es auch nach einem Jahr dabei: „Gemessen an der regulären Versorgung, ist der Bedarf für die Terminservicestelle kaum wahrnehmbar. Mehr als 9.000 Ärzte in über 6.000 Praxen versorgen in Berlin 160.000 Patienten – täglich.“

Informationen für Patienten zur Terminservicestelle finden sich im Internet unter www.kvberlin.de > Für Patienten > Terminservice.

(Quelle: KV Berlin)

Autor: KV Berlin, Öffentlichkeitsarbeit | Erstellt am: 17.01.2017

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