Drei Monate Terminservicestelle der KV Berlin:

Außer Spesen (fast) nichts gewesen

Berlin, 04.05.2016. "Gerade mal ein knappes Drittel der Anrufer in der Terminservicestelle erfüllen die Voraussetzungen für die Inanspruchnahme des Angebots", erklärte der Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Berlin als Bilanz der ersten 100 Tage der Terminservicestelle. Ihnen allen konnte ein Termin bei einem entsprechenden Facharzt vermittelt werden. Die übrigen Anrufer seien in der Terminservicestelle jedoch 'falsch verbunden': ein Drittel habe allgemeine Anfragen zu Ärzten und der Terminservicestelle, anderen fehle die Voraussetzung, den Dienst in Anspruch zu nehmen – etwa, weil gar keine Überweisung oder keine codierte Überweisung zu einem angefragten Facharzt vorliege. Demgegenüber stehe ein breites Terminkontingent, das die Ärzte zur Vermittlung an die zentrale Stelle meldeten – und das zur Vergabe an Patienten in der Praxis fehle.

Anruferzahlen und Anspruchsberechtigungen
Von 1.548 Anrufern im Februar hatten lediglich 412 einen Überweisungscode für die Dringlichkeit, im März 408 von insgesamt 1.330 Anrufern, im April bei 1.663 Anrufern nur 562. Insgesamt verzeichnete die Terminservicestelle somit seit Beginn 4.541 Anrufe, anspruchsberechtigt mit Überweisungscode waren 1.382.

TOP 5 der nachgefragten Fachgruppen
Die 'Top 5' der gefragten Fachgruppen sind Neurologie, Kardiologie, Radiologie, Gastroenterologie und Psychiatrie. Anfragen zu Arztgruppen, die von der Codierungsregelung per Gesetz ausgenommen und direkt zu vermitteln sind, finden sich 'unter ferner liefen': 46 (Februar), 24 (März) beziehungsweise 28 (April) Anrufer benötigten die Vermittlung eines Augenarzttermins über die Terminservicestelle, 22 (Februar), 5 (März) beziehungsweise 7 (April) Anrufer die eines Termins beim Gynäkologen. Alle konnten erfolgreich vermittelt werden.

Schlusslichter beim Terminbedarf
Gerade einmal 28 Anrufer insgesamt – etwa 0,6 Prozent aller Anrufer – hatten in den ersten 100 Tagen über die Zentrale einen Vermittlungsbedarf für folgende zehn Fachgruppen: HNO, Hämatologie, Onkologie, Innere Medizin ohne Spezialisierung, Diabetologie, Nephrologie, Proktologie, Urologie, Schmerztherapie und Nuklearmedizin.

Wirklichkeitsfernes Bürokratiemonster statt echtem Service für Patienten
"... und das in einer Millionenmetropole wie Berlin", ordnete der KV-Vorstand die Zahlen im Vergleich ein und folgerte aus den Zahlen der Terminservicestelle: „Der Bedarf ist überschaubar und steht in keinem Verhältnis zum Aufwand in den Praxen.“ Er wies auf die alternative Möglichkeit hin, selbst direkt in den Praxen online einen Termin anfragen oder buchen zu können – entweder über ein Kontaktformular oder in einigen Fällen sogar gleich über eine Kalenderfunktion. "Die KV hat den Internet-Check bei den Berliner Kassenärzten der gefragten Fachgruppen gemacht: Zum Beispiel hätten wir beim Neurologen nach acht Tagen einen Termin bekommen, beim Gastroenterologen nach zwei Tagen und beim Radiologen am nächsten Tag." Bedingung sei bei dieser nicht repräsentativen Eigenrecherche, dass man als Patient nicht an einem bestimmten Bezirk oder Arzt in Berlin oder einem bestimmten Datum festhalte – "also wie bei der Inanspruchnahme der Terminservicestelle auch", bei der es ebenfalls keinen Wunscharzt und -termin gäbe.

Fazit des KV-Vorstands zu dieser ersten Bilanz: "Außer Spesen nichts gewesen – fast nichts: 'nur' ein Bürokratiemonster. Aber kein echter Service für die Patienten. Den leisten nämlich die Kassenärzte und –psychotherapeuten jeden Tag in ihren Praxen aufs Neue – ganz unbürokratisch und nah dran an den Menschen. Und ganz ohne ein Gesetz à la Gröhe, das an der Wirklichkeit vorbeigeht." Gemessen an der regulären Versorgung, ist der Bedarf für die Terminservicestelle kaum wahrnehmbar. Im selben Zeitraum (1. Quartal 2016) wurden im Zuständigkeitsbereich der KV Berlin insgesamt fast acht Millionen 'Fälle' versorgt.


 

Hintergrund zur KV Berlin:
Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Berlin ist die Dachorganisation der mehr als 9.000 ambulant tätigen Ärzte und Psychotherapeuten in Berlin. Sie sorgt unter anderem dafür, dass die ambulante medizinische Versorgung von gesetzlich krankenversicherten Patienten auf hohem Qualitätsniveau stattfindet und dass diese den Arzt ihrer Wahl aufsuchen können, ganz gleich, in welcher Krankenkasse sie versichert sind. Die Berliner Kassenärzte versorgen täglich 160.000 Patienten.

 

(Quelle: KV Berlin)

Autor: KV Berlin, Öffentlichkeitsarbeit | Erstellt am: 04.05.2016

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