KV-Gesundheitsratgeber: Schizophrenie - der Verlust der Realität

Die Schizophrenie ist nicht selten. Jeder Hundertste erkrankt daran. Schizophrenie ist eine unverstandene psychische Störung, die Angst macht.

Sie ist vielfältig in ihren Erscheinungsformen, kann leicht oder schwer, akut oder schleichend verlaufen. Schizophrenie kann einmalig auftreten oder in längeren und kürzeren Abständen wiederkehren. Sie kann ausheilen oder zur Invalidität führen. Schizophrenie wird fälschlicherweise oft mit Persönlichkeitsspaltung in Verbindung gebracht. Dem ist keinesfalls so. Schizophrenie hat auch nichts mit verminderter Intelligenz zu tun. Zwar mag sich ein akut Erkrankter für einen Außenstehenden scheinbar unsinnig verhalten, die schwer verstehbaren Handlungen entspringen jedoch keinem Verlust der Intelligenz, sondern sind das Produkt von Fehlwahrnehmungen und Fehlinterpretationen der Umwelt.

Schizophrenie ist eine ernste, aber in der Regel gut behandelbare Krankheit.

Ursachen

Die Ursachen für die Entstehung einer Schizophrenie sind bis heute nicht abschließend geklärt. Vermutlich spielen verschiedene Faktoren zusammen. Menschen, die an Schizophrenie erkranken, sind anscheinend empfindsamer gegenüber Innen- und Außenreizen. Schon vor Ausbruch der Krankheit besteht bei ihnen eine geringere Toleranz gegenüber seelischen, körperlichen und biografischen Belastungen. Diese besondere Verletzlichkeit spielt bei der Auslösung und Aufrechterhaltung der schizophrenen Störung eine Rolle.

Zu den möglichen weiteren Risikofaktoren und Ursachen gehören:

  • Genetische Vorbelastung
  • Biochemische Ursachen, veränderte Gehirnstruktur
  • Familiäre, soziale Faktoren, Einfluss belastender Lebensereignisse

Frühe Warnzeichen und Symptome

Bereits Monate und Jahre vor einer akuten Schizophrenie zeigen sich oft erste Warnzeichen. Diese sind jedoch oft so un-spezifisch, dass sie weder vom Betroffenen noch von seiner Umgebung mit Frühsymptomen einer Psychose in Verbindung gebracht werden.

Die Betroffenen leiden mitunter an Lustlosigkeit, Schlaf- oder Antriebsstörungen und einer gedrückten Stimmung. Sie sind angespannt und nervös oder können sich schlecht konzentrieren.

Bei anderen geraten die Gedanken durcheinander. Erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Licht und Geräuschen sowie eine leichtere Reizbarkeit können ebenfalls auf eine beginnende Schizophrenie hinweisen. Häufig sind die Betroffenen zunehmend misstrauisch, beziehen alles auf sich oder leiden an Trugwahrnehmungen. Viele ziehen sich immer mehr aus ihrem sozialen Umfeld zurück, vernachlässigen ihr Äußeres und wirken launisch und desinteressiert.

Diese Frühwarnzeichen können bei Schizophrenie-Patienten auch vor einem Rückfall, also einer neuen psychotischen Episode, auftreten.

Quellen:

Bundesverband der Angehörigen psychisch Kranker (Hg.):
Mit psychisch Kranken leben. Rat und Hilfe für Angehörige, Psychiatrie-Verlag,
2. Auflage, Bonn 2002.

Berufsverband Deutscher Neurologen, e.V. im Internet unter:
http://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.de

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Gesundheitsratgeber für Patienten zu den Themen der KV-Sprechstunde. Weitere Informationen bekommen Sie unter www.kvberlin.de/patienten/gesundheitsratgeber.

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