Corona-Pandemie: SARS-CoV2-Arzneimittelversorgungsverordnung in Kraft

Erweiterte Austauschmöglichkeiten von Arzneimitteln für Apotheker sowie Erleichterungen in der Substitutionstherapie - das regelt die SARS-CoV2-Arzneimittelversorgungsverordnung, die am 22. April in Kraft getreten ist.

Ein aktuell häufiges Problem: Das vom Arzt verordnete Arzneimittel ist nicht vorrätig oder nicht lieferbar. Während der Corona-Pandemie soll verhindert werden, dass Patienten nur deshalb mehrmals eine Apotheke oder einen Arzt aufsuchen. Daher sind die Austauschmöglichkeiten für Apotheker erweitert worden:

Nach Rücksprache mit dem Arzt
Wenn wirkstoffgleiche Arzneimittel nicht vorrätig und auch nicht lieferfähig sind, dann ist nach Rücksprache mit dem verordnenden Arzt auch die Abgabe eines pharmakologisch-therapeutisch vergleichbaren Arzneimittels möglich. Dies gilt auch, wenn der verordnende Arzt den Austausch des Arzneimittels mit dem aut-idem-Kreuz ausgeschlossen hat. Der Arzt muss kein neues Rezept ausstellen. Der Apotheker muss die Rücksprache auf dem Rezept dokumentieren.

Ohne Rücksprache mit dem Arzt
Apotheker dürfen ohne Rücksprache mit dem verordnenden Arzt bei der Packungsgröße, der Packungsanzahl, der Entnahme von Teilmengen aus Fertigarzneimittelpackungen und der Wirkstärke von der ärztlichen Verordnung abweichen, sofern dadurch die verordnete Gesamtmenge des Wirkstoffs nicht überschritten wird.

Bei Betäubungsmitteln zur Substitution darf nicht von Packungsgröße, Packungszahl und Wirkstärke abgewichen werden.

Hinweisen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung zu den für Ärzte entstehenden erhöhten Verordnungskosten und zur Wirkstärke bezogenen Arzneimitteltherapiesicherheit und der notwendigen Rückmeldung an den Arzt ist der Gesetzgeber nicht gefolgt.

Die Arzneimittelversorgungsverordnung führt auch zu Änderungen bei der Verschreibung von Betäubungsmitteln gemäß Betäubungsmittelverschreibungsverordnung (BtMVV):

BtM-Rezeptformulare dürfen nun auch außerhalb von Vertretungsfällen anderen Ärzten übertragen werden (z.B. an andere Ärzte in einer Praxisgemeinschaft).

Erleichterungen bei der Substitutionstherapie

Es kann eine Versorgungsmenge für bis zu sieben aufeinanderfolgende Tage verordnet werden. Es dürfen bis zu vier Verschreibungen innerhalb einer Kalenderwoche ausgehändigt werden – jedoch nicht mehr als eine Verschreibung/Tag. Die Rezepte können ohne persönliche Konsultation ausgestellt werden. Ein suchtmedizinisch nicht qualifizierter Arzt darf mehr als 10 Patienten mit Substitutionsmitteln behandeln. Es darf über längere Zeiträume als bisher von einem suchtmedizinisch nicht qualifizierten Arzt vertreten werden. Das Überlassen von Substitutionsmitteln zum unmittelbaren Verbrauch kann erforderlichenfalls auch anderem als dem bisher in der BtMVV genannten Personal übertragen werden (Achtung: Vereinbarung gemäß §5 Abs. 10 BtMVV notwendig).

Alle in der Arzneimittelversorgungsverordnung getroffenen Regelungen treten spätestens mit Ablauf des 31. März 2021 wieder außer Kraft.

Weitere Informationen:
SARS-CoV-2-Arzneimittelversorgungsverordnung

(Quelle: KV Berlin)

Autor: KV Berlin
Achtung: Der Text gibt den Sachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Über ggf. weitere Neuigkeiten zum Thema wird an anderer Stelle informiert. | Erstellt am: 28.04.2020

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