Corona-Pandemie: Telefonkonsultationen im 2. Quartal 2020 für alle Arztgruppen möglich

Der Bewertungsausschuss schafft rückwirkend ab dem 1. April und befristet bis zum 30. Juni 2020 bundeseinheitliche Abrechnungsmöglichkeiten für die telefonische Betreuung und Beratung von Patienten per Telefon. Dazu wurden zwei neue Zuschlags-GOP in den EBM aufgenommen (01433 und 01434).

  1. Die Vergütung der GOP 01433 und 01434 erfolgt im Rahmen der Morbiditätsbedingten Gesamtvergütung, also aus den RLV/BVV der jeweiligen Arztgruppen.
  2. Voraussetzung für die Berechnung ist, dass es sich um einen bekannten Patienten handelt (im laufenden oder in den zurückliegenden sechs Quartalen (2018-4 bis 2020-1) wenigstens einmal persönlich in der Praxis). Das Einlesen der eGK ist in diesem Fall nicht erforderlich, die Patientendaten können aus der Akte oder dem PVS übernommen werden.
  3. Die bundeseinheitliche Regelung gilt für alle Arztgruppen des EBM. Dabei ergeben sich je nach Arztgruppenzugehörigkeit unterschiedliche Abrechnungsvorgaben und Gesprächskontingente. Dabei ist zu unterscheiden in
    • Arztgruppen der psychiatrischen, nervenärztlichen, neurologischen, psychosomatischen bzw. psychotherapeutischen Versorgung, sie rechnen Gesprächsleistungen via Telefon über die GOP 01433 (vgl. A)ab und
    • alle übrigen Arztgruppen, die diese Telefonkonsultationen über die GOP 01434 (vgl. B) abrechen, wobei hier noch zwischen den Arztgruppen unterschieden wird
    • Darüber hinaus hat der Vorstand der KV Berlin eine Sonderregelung (vgl. C) beschlossen

Abrechnungsvorgaben und Gesprächskontingente

Bitte beachten: Alle Regelungen zur Abrechnung von Gesprächsleistungen via Telefon, sowohl die bundeseinheitliche EBM-Änderung als auch die Sonderregelung der KV Berlin erfolgen vor dem Hintergrund der Ausnahmesituation der Coronavirus-Pandemie und sind deshalb nur befristet gültig vom 1. April bis 30. Juni 2020.

A GOP 01433 (154 Punkte / 16,92 Euro)

Gilt für die folgenden Arztgruppen:

  • Ärztliche und psychologische Psychotherapeuten
  • Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten
  • FÄ für Neurologie, FÄ für Nervenheilkunde
  • FÄ für Neurologie und Psychiatrie
  • FÄ für Psychiatrie und Psychotherapie
  • FÄ für Neurochirurgie
  • FÄ für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie
  • FÄ für Kinder- und Jugendpsychiatrie bzw. Kinder- und Jugendpsychiatrie und –psychotherapie

Regelungen im Einzelnen:

Die GOP 01433 wird als Zuschlag zur GOP 01435 EBM für die telefonische Beratung durch den Arzt/Psychotherapeuten oder zur Grundpauschale zum Ansatz gebracht. Dabei kann die GOP 01433 EBM taggleich mit der GOP 01435 EBM abgerechnet werden. Die GOP 01433 EBM ist im Arztfall auch neben den Grundpauschalen berechnungsfähig, wenn bereits im Voraus ein persönlicher Kontakt erfolgte oder nachgelagert erfolgt. Die Berechnungsfähigkeit der GOP 01435 EBM entfällt bei Ansatz der Grundpauschalen. Es ist möglich, den Patienten sowohl telefonisch als auch persönlich oder per Videosprechstunde zu betreuen. Die GOP 01433 kann bis zu 20 mal im Arztfall für ein telefonisches Gespräch von mindestens 10 Minuten Dauer (aufgrund einer Erkrankung) mit dem Patienten oder einer Bezugsperson abgerechnet werden.

Bei Berechnung der GOP 01433 im Arztfall wird für die GOP 01433 und die fachgruppenspezifischen Einzelgesprächsleistungen (z. B. GOP 23220) ein Punktzahlvolumen je Arztfall gebildet, aus dem alle nach diesen GOP abgerechneten Leistungen im Arztfall zu vergüten sind. Der Höchstwert für das Punktzahlvolumen je Arztfall beträgt 3.080 Punkte.

B GOP 01434 (65 Punkte / 7,14 Euro)

Gilt für Arztgruppen mit Gesprächsleistungen im Fachgruppenkapitel des EBM:

  • Hausärzte,
  • Kinder- und Jugendärzte, und
  • Schmerztherapeuten

Regelungen im Einzelnen:

Die GOP 01434 EBM wird als Zuschlag zur GOP 01435 EBM für die telefonische Beratung durch den Arzt oder zur Versichertenpauschale 0300/04000 bzw. zur Grundpauschale 30700 zum Ansatz gebracht. Dabei kann die GOP 01434 taggleich mit der GOP 01435 abgerechnet werden. Die GOP 01434 ist im Arztfall auch neben den Versichertenpauschalen 03000/04000 bzw. der Grundpauschale 30700 berechnungsfähig, wenn bereits im Voraus ein persönlicher Kontakt erfolgte oder nachgelagert erfolgt. Die Berechnungsfähigkeit der GOP 01435 EBM entfällt bei Ansatz der Versicherten- oder Grundpauschale.

Die GOP 01434 kann bis zu 6-mal im Arztfall für ein telefonisches Gespräch von mindestens 5 Minuten Dauer (aufgrund einer Erkrankung) mit dem Patienten oder einer Bezugsperson abgerechnet werden. Bei Ansatz der Versichertenpauschalen 03000/04000 wird die GOP 01434 bei Haus- und Kinderärzten im Budget für die Gesprächsleistungen (GOP 03230, 04230, 04231) berücksichtigt.

Gilt für Arztgruppen ohne Gesprächsleistungen im Fachgruppenkapitel des EBM:

Gruppe 1 Gruppe 2
  • Gynäkologen
  • HNO-Ärzte
  • Dermatologen
  • fachärztliche Internisten
  • Orthopäden
  • FÄ für Sprach-, Stimm-, und
    kindliche Hörstörungen
  • Urologen
  • Anästhesisten
  • Augenärzte
  • Chirurgen
  • Humangenetiker
  • Laborärzte
  • Mund-Kiefer-Gesichtschirurgen
  • Nuklearmediziner
  • Pathologen
  • Radiologen
  • Strahlentherapeuten
  • Physikalische und Rehabilitative Medizin

Regelungen im Einzelnen:

Die GOP 01434 EBM wird für diese Arztgruppen als Zuschlag zur GOP 01435 EBM für die telefonische Beratung durch den Arzt zum Ansatz gebracht. Die Berechnungsfähigkeit der GOP 01434 und 01435 EBM entfällt bei Ansatz der Grundpauschale.

Die GOP 01434 kann für Ärzte der Gruppe 1 bis zu 5-mal und für Ärzte der Gruppe 2 bis zu 2-mal im Arztfall für ein telefonisches Gespräch von mindestens 5 Minuten Dauer (aufgrund einer Erkrankung) mit dem Patienten oder einer Bezugsperson abgerechnet werden.

C Sonderregelung der KV Berlin

Unabhängig von der nun rückwirkend geschaffenen bundeseinheitlichen Regelung zur Abrechnung von Gesprächsleistungen via Telefon, hatte der Vorstand der KV Berlin bereits eine Sonderregelung zur Abrechnung von Gesprächsleistungen beschlossen. Teile diese Regelung, die bereits in der PID-Sonderausgabe Nr. 17 veröffentlicht wurde, sind mit dieser bundeseinheitlichen Regelung nunmehr obsolet. Vor dem Hintergrund, dass in zunehmende Maße die notwendige technische Infrastruktur, auf Grund der situationsbedingten hohen Ausnutzung der Netzkapazitäten fragil ist, Verbindungen abbrechen und damit ein ordnungsgemäßer Ende-zu-Ende-verschlüsselter Verbindungsaufbau und eine angemessene Kommunikation mit dem Patienten nicht immer gewährleistet werden kann, hält der Vorstand jedoch daran fest, dass einzelne Leistungen, die in der Videosprechstunde abrechnungsfähig sind, auch via Telefon abrechnungsfähig sein sollen.

Es handelt sich um die nachfolgenden psychotherapeutischen Leistungen des Kapitels 35 EBM, die gesondert zur telefonischen Betreuung von Patienten berechnungsfähig sind:

  • GOP 35110 (Verbale Intervention bei psychosomatischen Krankheitszuständen)
  • GOP 35111 (Übende Intervention als Einzelbehandlung)
  • GOP 35112 (Übende Interventionen als Gruppenbehandlung bei Erwachsenen)
  • GOP 35113 (Übende Interventionen als Gruppenbehandlung bei Kindern und Jugendlichen)
  • GOP 35141 (Vertiefte Exploration)
  • GOP 35142 (Zuschlag Erhebung neurologischer und psychiatrischer Befunde)
  • GOP 35600 (Anwendung und Auswertung standardisierter Testverfahren)
  • GOP 35601 (Anwendung und Auswertung psychometrischer Testverfahren › nur bei Erwachsenen)

(Quelle: KV Berlin)

Autor: KV Berlin | Erstellt am: 08.04.2020

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