Verordnungen ohne Patientenkontakt: Postalischer Versand möglich

Der Bedarf an nicht persönlichen Arzt-Patienten-Kontakten ist aufgrund der derzeitigen außergewöhnlichen Situation stark gestiegen. Dies wirkt sich insbesondere auf das Ausstellen von Verordnungen aus. Wenn aktuell kein persönlicher Arzt-Patienten-Kontakt erfolgen soll, kann unter bestimmten Voraussetzungen auch ein postalischer Versand der Verordnung erfolgen.

Der Patient muss möglichst aus der laufenden Behandlung bekannt sein, d. h. Diagnosen und Therapie sind bekannt. Es dürfen keine medizinischen Gründe gegen eine weitere Einnahme sprechen. Die Dosierung und Dauer der Einnahme kann auf dem Rezept vermerkt werden. Die Menge der Arzneimittel soll nicht der Bevorratung dienen. Falls zum Zeitpunkt der Verordnung die Versichertenkarte nicht eingelesen werden kann, weil diese nicht vorliegt, übernehmen Sie bitte die bekannten Patientendaten aus Ihrem System und achten Sie auf die Gültigkeit der (zu einem früheren Zeitpunkt eingelesenen) eGK.

Der Bewertungsausschuss hat zwischenzeitlich eine befristete Übergangsregelung für die Abrechnung des postalischen Versands von Verordnungen bis zum 30. Juni 2020 ermöglicht. Dadurch können Verordnungen bei medizinischer Notwendigkeit auch nach einem Telefonat oder einer Videosprechstunde zwischen Arzt und Patient ausgestellt und postalisch versandt werden. Auf Wunsch des Patienten kann der Versand auch an eine abweichende Adresse, z. B. eine vom Patienten gewählte Apotheke, erfolgen. Zusätzlich kann vorab ein Fax an den Patienten bzw. an eine vom Patienten gewählte Faxnummer erfolgen. Die Übermittlung der Verordnung per Fax an die Apotheke ersetzt nicht das Vorliegen des Rezeptes vor der Übergabe des Arzneimittels an Patienten. Die Fax-Mitteilung dient lediglich der Information der Apotheke, damit diese das Arzneimittel zur Abholung bereitstellen oder, wenn es nicht vorrätig ist, beschaffen kann.

Einige Apotheken beliefern ihre Kunden und übernehmen hierfür auch eine Rezeptabholung in der Praxis. Bitte dokumentieren Sie hierfür das Einverständnis des Patienten. Für Rezeptwünsche, für die Sie aus medizinischen Gründen bzw. ohne direkten Patientenkontakt keine Indikation feststellen können, gelten die oben genannten Möglichkeiten nicht. Dies ist unter anderem in § 8 der Arzneimittel-Richtlinie geregelt: „Eine Verordnung von Arzneimitteln ist - von Ausnahmefällen abgesehen - nur zulässig, wenn sich die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt von dem Zustand der oder des Versicherten überzeugt hat oder wenn ihnen der Zustand aus der laufenden Behandlung bekannt ist.“

Die vorübergehende Möglichkeit des postalischen Versands gilt für Folgeverordnungen von Arzneimitteln (auch BtM-Rezepte) sowie von Verband- und Hilfsmitteln (mit Ausnahme von Sehhilfen und Hörhilfen), für Krankenbeförderung (Muster 4), Überweisungen (Muster 6 und 10), Folgeverordnungen für häusliche Krankenpflege (Muster 12) sowie Folgeverordnungen für Heilmittel (Muster 13, 14 und 18). Voraussetzung für alle Verordnungen ist, dass der Patient im laufenden Quartal oder im Vorquartal in der Arztpraxis persönlich vorstellig war.

Wichtig: Die Abrechnung des postalischen Versands der Verordnungen erfolgt über die GOP 40122 (Transport von Briefen bis 50 g (Kompaktbrief)). Die Regelung in den allgemeinen Bestimmungen (7.1) des EBMs, dass die Versand- und Transportkosten grundsätzlich in den GOPs enthalten sind, ist somit vorrübergehend außer Kraft gesetzt.

(Quelle: KV Berlin)

Autor: KV Berlin | Erstellt am: 30.03.2020

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