In Ausnahmefällen: Psychotherapeutische Sprechstunden und probatorische Sitzungen per Video

Um die psychotherapeutische Versorgung während der Corona-Pandemie zu erleichtern, gelten bis zum 30. Juni 2020 Sonderregelungen: Psychotherapeutische Sprechstunden und probatorische Sitzungen dürfen in Ausnahmefällen per Video abgehalten werden, Gruppentherapien lassen sich unbürokratisch in Einzeltherapien umwandeln.

Die Psychotherapeutische Sprechstunde erfordert weiterhin grundsätzlich die Anwesenheit der Patientin oder des Patienten, da insbesondere für Eingangsdiagnostik, Indikationsstellung und Aufklärung der unmittelbare persönliche Kontakt im Regelfall notwendig ist. Aber vor dem Hintergrund der COVID-19-Pandemie kann es im Einzelfall sinnvoll sein, Patientinnen und Patienten den Weg in die Praxis nicht zuzumuten.

Somit werden Psychotherapeutische Sprechstunden sowie probatorische Sitzung bis zum 30. Juni im Rahmen der Videosprechstunde ermöglicht und eine Psychotherapie kann in Ausnahmefällen auch ohne physischen Kontakt zum Patienten begonnen werden.

Abrechnung der Leistungen

Darauf haben sich KBV und GKV-Spitzenverband geeinigt: Um die Sonderregelungen im Einheitlichen Bewertungsmaßstab umzusetzen, dürfen folgende Gebührenordnungspositionen (GOP) bis zum 30. Juni auch abgerechnet werden, wenn die Leistungen in einer Videosprechstunde durchgeführt wurden:

  • GOP 30931 (Probatorische Sitzung in der neuropsychologischen Therapie),
  • GOP 35150 (Probatorische Sitzung in der Richtlinien-Psychotherapie) und
  • GOP 35151 (Psychotherapeutische Sprechstunde).
  • Für die genannten GOP wird zusätzlich der Technikzuschlag (GOP 01450) gezahlt.

Ein persönlicher Arzt-Patienten-Kontakt gemäß 4.3.1 der Allgemeinen Bestimmungen muss nicht vorausgegangen sein. Des Weiteren sind die neuropsychologischen und psychotherapeutischen Leistungen der Abschnitte 30.11, 35.1 und 35.2, die bereits vorher per Videosprechstunde durchgeführt und abgerechnet werden konnten, auch ohne vorausgegangenen persönlichen Arzt-Patienten-Kontakt berechnungsfähig.

Umwandlung von Gruppentherapie

Gruppentherapien dürfen weiterhin gemäß Psychotherapie-Vereinbarung nicht per Video durchgeführt werden. Stattdessen können, um Infektionsrisiken zu minimieren, genehmigte Leistungen einer Gruppenpsychotherapie übergangsweise in Einzelpsychotherapie umgewandelt werden. Für je eine Therapieeinheit genehmigte Gruppentherapie (entspricht einer Sitzung mit 100 Minuten) kann bei Bedarf maximal je Patient der Gruppe eine Einzeltherapie (entspricht einer Sitzung mit 50 Minuten) durchgeführt und abgerechnet werden.

Auch diese Regelung gilt bis 30. Juni. Die Umwandlung erfolgt über die „Therapieeinheit“. Die Umwandlung muss der Krankenkasse lediglich formlos mitgeteilt werden. Diese Einzelsitzungen können bei Bedarf – anders als Gruppensitzungen – per Video durchgeführt werden. Die Psychotherapie-Vereinbarung schließt die Durchführung von Gruppentherapie per Video aus.

Weitere Informationen in der Praxisnachricht der KBV.

(Quelle: KV Berlin)

Autor: KV Berlin | Erstellt am: 25.03.2020

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