Mutterschafts-Richtlinien: Keine routinemäßige Urinuntersuchung auf Bakterien mehr

Mit der Veröffentlichung im Bundesanzeiger trat am 28. Mai eine Änderung der Mutterschafts-Richtlinien (Mu-RL) in Kraft, wonach eine prinzipielle Urinuntersuchung auf asymptomatische Bakteriurie bei allen Schwangeren nicht mehr empfohlen und daher auch nicht mehr durchgeführt wird. Der Hinweis auf eventuell notwendige bakteriologische Untersuchungen wird zudem konkretisiert.

Zu der Entscheidung kam der Gemeinsame Bundesausschuss in seiner Beratung zum „Screening auf asymptomatische Bakteriurie im Rahmen der Mu-RL unter besonderer Berücksichtigung der Testmethode“. In die Beschlussfassung einbezogen wurden einerseits aktuelle Empfehlungen einer deutschen S3-Richtlinie sowie der Bericht des Institutes für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Demnach wurde kein Nutzen eines Screenings auf asymptomatische Bakteriurie nachgewiesen. Auch ein Nutzen der antibiotischen Therapie einer asymptomatischen Bakteriurie in der Schwangerschaft ist aus heutiger Sicht nicht nachgewiesen.

Der Anspruch auf bakteriologische Urinuntersuchungen in besonderen Fällen, z. B. bei auffälligen Symptomen, rezidivierenden Harnwegsentzündungen, einem erhöhten Risiko für Infektionen der ableitenden Harnwege und Zustand nach Frühgeburt, bleibt dagegen weiterhin bestehen.

Zum Hintergrund der routinemäßigen Urinuntersuchung in der Mutterschaftsvorsorge
Aufgrund der Empfehlung der internationalen Richtlinien waren die einmalige Untersuchung eines Urinsedimentes bei Schwangeren zum Ausschluss einer pathologischen Besiedelung der Harnwege seit 1972 Bestandteil der Mu-RL, um bei Auffälligkeiten weitere bakteriologische Untersuchungen zu veranlassen.

(Quelle: KV Berlin)

Autor: KV Berlin | Erstellt am: 05.06.2019

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