Vivy und Co.: Das sollten Sie über elektronische Gesundheitsaktenten wissen

Krankenkassen werben im Moment intensiv für die Vivy-App - eine elektronische Gesundheitsakte. Was Ärzte im Umgang mit dem Produkt beachten sollten und wie sich elektronische Gesundheitsakten von der elektronischen Patientenakte unterscheiden, hat die KV Berlin zusammengestellt.

Seit September können Patienten die Vivy-App nutzen und darin gesundheitsrelevante Informationen wie Arztbriefe, Befunde, Laborwerte, Medikationsdaten oder Notfalldaten speichern. Da zahlreiche Krankenkassen an „Vivy“ beteiligt sind, wird im Moment intensiv für das Angebot geworben. Auch andere Krankenkassen bieten ihren Versicherten elektronische Gesundheitsakten (eGA) an. Bei all diesen Angeboten handelt es sich nicht um elektronische Patientenakten (ePA), die Krankenkassen gemäß E-Health-Gesetz (§ 291a Abs. 3 Nr. 4 SGB V) in Zukunft ihren Versicherten zur Verfügung stellen müssen. Diese unterliegen hohen Sicherheitsanforderungen und haben die Telematikinfrastruktur zur Voraussetzung. Die wichtigsten Informationen rund um elektronische Gesundheits- und Patientenakten haben wir Ihnen auf einer neuen Themenseite zusammengestellt.

Keine Verpflichtung für Ärzte
Da es sich bei „Vivy“ um keine ePAs handelt, ist für Ärzte und Psychotherapeuten der Umgang nicht verpflichtend und kann auch nicht über den EBM abgerechnet werden. Es gilt: Auch, wenn Patienten einen rechtlichen Anspruch auf Kopien ihrer Patientenakte haben, bestimmt die Art der Zurverfügungstellung der behandelnde Arzt oder Psychotherapeut.

Ärzte und Psychotherapeuten, die sich für Vivy entscheiden, sollten folgendes beachten:

  • Sie benötigen von ihren Patienten eine Einverständniserklärung/Schweigepflichtentbindung, dass sie angeforderte Dokumente per Web-Upload an Vivy senden dürfen.
  • Der Patient wendet sich mit seinem Wunsch nach Befunddaten nicht direkt an den Arzt, sondern an einen Customer Service von Vivy. Dieser nimmt telefonisch Kontakt mit der Praxis auf und informiert diese über die Anfrage des Patienten. Dabei werden dem Arzt zwei Möglichkeiten für die Bereitstellung der Dokumente angeboten: Entweder kommt der Patient in die Praxis und übergibt dem Arzt den temporär gültigen Web-Link – oder Vivy schickt die Anfrage mit dem Web-Link per E-Mail an die Praxis sowie die Einverständniserklärung/Schweigepflichtentbindung des Patienten.
  • Nach Aussage von Vivy besteht ein hohes Sicherheitsniveau. Auch wenn die Praxis vorab telefonisch konsultiert wird, sollte der Arzt bei E-Mail-Anfragen wegen möglicher Phishing-Versuche vorsichtig sein. Im Zweifel sollten vom Patienten angeforderte Daten über einen Vivy-Link beziehungsweise QR-Code, den der Patient persönlich dem Arzt übergibt, vom Arzt versendet werden.
  • Das Bereitstellen von Kopien oder elektronischen Ausdrucken von Arztbriefen, Befunden oder Labordaten ist keine Leistung der vertragsärztlichen Versorgung. Das heißt, eine Abrechnung und Vergütung über den EBM ist nicht möglich. Allerdings hat der Patient dem Behandelnden die entstandenen Sach- und Personalkosten zu erstatten. Da die Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) dafür derzeit keine Gebührenziffer enthält, können sich Ärzte bei den Kosten für Kopien und Ausdrucke am Gerichtskostengesetz orientieren. Danach könnten 50 Cent je Dokument als angemessen betrachtet werden.
  • Der Arzt sollte wie bisher überprüfen, dass die an den Patienten herausgegebenen Unterlagen keine Rechte anderer Personen verletzen.
  • Der Arzt verstößt nicht gegen die Schweigepflicht, wenn er dem Patienten die gewünschten Daten per Web-Upload gibt und eine Einverständniserklärung/Schweigepflichtentbindung vorliegt, unabhängig davon, ob die vom Patienten gewünschte Übermittlungsart aus Sicht des Arztes sicher oder unsicher ist. Der Patient entscheidet.

(Quelle: KV Berlin)

Autor: KV Berlin | Erstellt am: 12.10.2018

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