Strukturreform Psychotherapie

Mit der Strukturreform der ambulanten Psychotherapie wurde das Leistungsangebot zum 1. April 2017 erweitert und neu strukturiert. Dies hat auch Auswirkungen auf die Vergütung. Zu den Neuerungen gehören zum Beispiel die Psychotherapeutische Sprechstunde und die Akutbehandlung. Der Erweiterte Bewertungsausschuss hat am 29. März festgelegt, wie diese Leistungen abgerechnet und vergütet werden. Die KBV stimmte gegen den Beschluss, da die neuen Leistungen schlechter vergütet werden als Einzel- und Gruppentherapien. Weitere Beschlüsse zur Vergütung von Gruppentherapien sowie zur Umstrukturierung des psychotherapeutischen EBM-Kapitels sind zum 1. Juli geplant.

Mit seinen Beschlüssen vom 16.06.2016 und 24.11.2016 hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) die Psychotherapie-Richtlinie geändert. Die geänderte Richtlinie tritt zum 01.04.2017 in Kraft.

Wichtige Änderungen sind neue psychotherapeutische Leistungen (Psychotherapeutische Sprechstunde, Akutbehandlung und Rezidivprophylaxe) sowie die Verpflichtung, eine telefonische Erreichbarkeit zu gewährleisten. Entsprechend des Anwendungsbereiches der Psychotherapie-Richtlinie gelten diese Neuerungen für alle Psychologischen Psychotherapeuten (m/w), Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten (m/w) und Ärzte (m/w), die gemäß der Psychotherapie-Vereinbarung über die Genehmigung zur Ausführung und Abrechnung psychotherapeutischer Leistungen gemäß § 15 der Psychotherapie-Richtlinie verfügen.

Psychotherapeutische Sprechstunde

Die psychotherapeutische Sprechstunde ist eine neue Leistung in der ambulanten vertragsärztlichen/vertragspsychotherapeutischen Versorgung. Im Rahmen eines zeitnahen und niedrigschwelligen Zugangs zur ambulanten psychotherapeutischen Versorgung dient sie der Abklärung, ob ein Verdacht auf eine Störung mit Krankheitswert vorliegt und weitere Hilfen im System der Gesetzlichen Krankenversicherung notwendig sind.

Ab dem 01.04.2018 können Versicherte der Gesetzlichen Krankenversicherung Akutbehandlungen und probatorische Sitzungen - und damit auch Richtlinienpsychotherapie - nur in Anspruch nehmen, wenn die Behandlungsbedürftigkeit zuvor im Rahmen einer psychotherapeutischen Sprechstunde festgestellt worden ist. Damit hat die Implementierung der psychotherapeutischen Sprechstunde in das Leistungsangebot für alle psychotherapeutischen Praxen eine herausragende Bedeutung.

Gemäß § 11 Abs. 13 der Psychotherapie-Richtlinie ist in der Regel ein Mindestumfang von 100 Minuten pro Woche bei einem vollen Versorgungsauftrag und 50 Minuten pro Woche für einen halben Versorgungsauftrag festgelegt.

Aus § 11 Abs. 2 der Psychotherapie-Richtlinie ergibt sich, dass das Sprechstundenangebot der Kassenärztlichen Vereinigung Berlin zu melden ist (Meldebogen). Die Sprechstunden können als offene Sprechstunde oder als Sprechstunde mit Terminvergabe durchgeführt werden.

Während der Sprechstunde händigt der Therapeut dem Patienten das Informationsblatt zu ambulanten psychotherapeutischen Behandlungsmöglichkeiten im Rahmen der GKV aus (Neues Formular PTV 10: Allgemeine Patienteninformation). Am Ende der psychotherapeutischen Sprechstunde erhält der Patient eine individuelle Information mit dem Ergebnis (Neues Formular PTV 11: Individuelle Patienteninformation).

Telefonische Erreichbarkeit

Eine weitere wichtige Neuerung der Psychotherapie-Richtlinie besteht in der Verpflichtung, eine telefonische Erreichbarkeit zu gewährleisten. § 1 Abs. 8 der Psychotherapie-Richtlinie legt den Umfang mit 200 Minuten pro Woche bei einem vollen Versorgungsauftrag und 100 Minuten pro Woche bei einem halben Versorgungsauftrag fest. Auch die Verpflichtung, die telefonische Erreichbarkeit der Kassenärztlichen Vereinigung Berlin mitzuteilen, ergibt sich aus der genannten Vorschrift. Zu beachten ist weiter, dass die telefonische Erreichbarkeit zur Terminkoordination in Einheiten von mindestens 25 Minuten anzubieten ist. Damit entspricht die bislang von vielen Therapeuten geübte Praxis, jeweils fünf Minuten vor der vollen Stunde erreichbar zu sein, nicht mehr der Vorgabe der geänderten Psychotherapie-Richtlinie. Die telefonische Erreichbarkeit kann an Praxispersonal delegiert werden oder z.B. in Kooperation mit anderen Therapeuten erfolgen.

Ausführliche Informationen: Praxisinformation


Praxisverwaltungssysteme: Anpassung der Feldkennungen im PVS

Mit der Änderung der Psychotherapierichtlinie zum 01.04.2017 ändern sich für die psychotherapeutisch abrechnenden Leistungserbringer die in ihrem Praxisverwaltungssystem auszufüllenden Feldkennungen. Zu diesen Vorgaben der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) hat die KV Berlin eine vergleichende Übersicht erstellt. Die Vorgaben für die Einträge müssen eingehalten werden, damit erkennbar wird, dass es sich um eine psychotherapeutische Behandlung ab dem 01.04.2017 handelt und die neuen Leistungen korrekt abgerechnet werden können.


Terminvermittlung durch die Terminservicestelle

Die Terminservicestelle der Kassenärztlichen Vereinigung Berlin hat ihre Arbeit Anfang 2016 aufgenommen. Vermittlungen zu psychotherapeutischen Behandlungen gehörten bislang nicht zu den Aufgaben der Terminservicestelle. Voraussetzung hierfür war, dass der G-BA einem gesetzlichen Auftrag folgend die Psychotherapie-Richtlinie geändert und Regelungen zu psychotherapeutischen Sprechstunden und Akutbehandlungen getroffen hat. Aus diesem Grund wird die Terminservicestelle gleichzeitig mit dem Inkrafttreten der geänderten Psychotherapie-Richtlinie ihr Angebot um die Vermittlung von Terminen für die Psychotherapie erweitern.

Der Anspruch auf Vermittlung von Terminen für die psychotherapeutische Leistungserbringung ist gesetzlich beschrieben und umfasst die psychotherapeutische Sprechstunde und die ggf. danach notwendige Akutbehandlung. Bisher arbeitet die Terminservicestelle auf der Basis von freiwilligen Termin-Meldungen, diese Freiwilligkeit soll nach Möglichkeit erhalten bleiben. (Meldebogen Terminservicestelle)


Formulare der Psychotherapie

Aufgrund der Reform der Psychotherapie-Richtlinie zum 01.04.2017 werden bis auf Muster 22 und Muster 7 derzeit alle Psychotherapie-Formulare überarbeitet. Alle derzeit tätigen Psychotherapeuten erhalten in der 13. KW automatisch ein „Starter Paket“ mit den neuen Formularen.

Werden für den Monat März noch alte Formulare benötigt, können diese weiterhin wie gewohnt über die KV Berlin bezogen werden. Die neuen Formulare werden jedoch auch erst im Laufe der 13. KW über die KV Berlin erhältlich sein.

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(Quelle: KV Berlin)

Aktuell

Informationsveranstaltungen der KV Berlin:
Auswirkungen der Reform der Psychotherapie-Richtlinie

Termine:

Freitag, 21. April 2017 - Ausgebucht -
(13.00–15.00 Uhr)

Achtung – Zusatztermin:
Montag, 22. Mai 2017
(17.00–19.00 Uhr)

Mehr Informationen

Unterlagen der Informationsveranstaltung vom 03.04.2017
Auswirkungen der Reform der Psychotherapie-Richtlinie ab 01. April 2017
(PDF, 730 KB [26 Seiten])

Rundschreiben 03/2017
Geänderte Psychotherapie-Richtlinie tritt zum 01.04.2017 in Kraft
(PDF, 318 KB [3 Seiten])

Rundschreiben 03/2017
Terminservicestelle (TSS) der KV Berlin – Vermittlung zur psychotherapeutischen Versorgung ab 01.04.2017
(PDF, 755 KB [8 Seiten])
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