Die ePatientenakte und die eGesundheitsakte - Wissen für Ihre Arztpraxis

Apps und digitale Dienste verändern das Gesundheitswesen. Der Patient soll in Zukunft Arztbriefe, Befunde, Rezepte, Impferinnerung und Co. direkt auf seinem Smartphone bekommen können. Er soll auch die Möglichkeit haben, die gesammelten Gesundheitsdaten etwa mit Ärzten seiner Wahl teilen zu können. Die Kommunikation zwischen Arzt und Patient, aber auch zwischen Ärzten wird in Zukunft unmittelbarer und effizienter ablaufen. Fast alle Krankenkassen bieten ihren Versicherten inzwischen elektronische Gesundheitsakten an – die im E-Health-Gesetz festgeschriebene elektronische Patientenakte gibt es noch nicht.

14. Oktober 2018: In einer Absichtserklärung haben sich KBV, KZBV, GKV-Spitzenverband, gematik und BMG auf ein gemeinsames Konzept für die elektronische Patientenakte geeinigt, die Krankenkassen nach dem Terminservice- und Versorgungsgesetz ihren Versicherten bis spätestens 2021 anbieten müssen. Vorgesehen ist eine Aufgabenteilung: Die gematik soll grundlegende technische Standards und einheitliche Schnittstellen definieren, die Krankenkassen mit ihren Gesundheitsakten darauf aufsetzen. Die KBV wird die Details zur Speicherung der medizinischen Daten "im Benehmen" mit anderen Leistungserbringern festlegen. Die Datenhoheit verbleibt beim Patienten.
Die derzeit von einigen Krankenkassen betriebenen Eigenprojekte elektronischer Gesundheitsakten (zum Beispiel AOK-Projekt, Vivy, TK-Safe), die erste Erfahrungen im Umgang mit dem elektronischen Datenaustausch liefern, sollen fortgesetzt und künftig in die elektronische Patientenakte integriert werden. Eine ausführliche Berichterstattung und die Überarbeitung der Themenseite sind in Arbeit.


Die Techniker Krankenkasse setzt auf die eigene App „TK Safe“, die AOK nutzt ihr „Digitales Gesundheitsnetz“, der private Krankenversicherer AXA bietet seinen Versicherten das Portal „Meine Gesundheit“ an und es gibt viele weitere Angebote für die elektronische Gesundheitsakte. Seit einigen Wochen ist auch die App „Vivy“ am Start, mit der etwa 90 gesetzliche Krankenkassen kooperieren. Es ist das derzeit populärste und bisher breitflächigste Angebot mit den meisten Schnittstellen. Kritiker bemängeln allerdings, dass die Daten unter anderem auch auf Servern in den USA gespeichert werden (neben Servern in Frankfurt a.M.). Was müssen Praxen beachten? Und wo liegt der Unterschied zwischen den verschiedenen Akten? Was ist der Unterschied zwischen der ePatientenakte und der eGesundheitsakte?

Elektronische Patientenakte (ePA) = Nach dem E-Health-Gesetz (§291a Abs. 3 Nr. 4 SGB V) müssen Krankenkassen ihren Patienten in Zukunft die ePA zur Verfügung stellen. Für den Versicherten ist die Nutzung der elektronischen Patientenakte freiwillig. Er entscheidet, welche Daten (zum Beispiel Impfungen, Diagnosen, Therapiemaßnahmen) gespeichert und wem diese zur Verfügung gestellt werden. Voraussetzung für die Einführung der ePA ist die Telematikinfrastruktur. In anderen europäischen Ländern, etwa Dänemark und Schweden, ist die ePA längst ein zentraler Bestandteil des Gesundheitswesens.

Elektronische Gesundheitsakte (eGA) = Nach Paragraf 68 SGB V soll die eGA dem Patienten die Möglichkeit geben, noch vor Einführung der ePA, auf seine Gesundheitsdaten, Laborbefunde etc. digital zugreifen zu können. Das kann zum Beispiel über eine entsprechende mobile App, wie „Vivy“ geschehen“. Die Nutzung ist sowohl für den Patienten als auch den Arzt freiwillig. Der Patient entscheidet, welche Daten gespeichert werden und wem er sie zur Verfügung stellt. Arztpraxen sind noch nicht verpflichtet, die Daten per App zur Verfügung stellen. Das heißt auch, dass derzeit keine Abrechnung und Vergütung über den EBM möglich. Wenn Praxen die elektronische Gesundheitsakte zum Upload von Daten nutzen möchten, sollten sie sich unbedingt vorher die schriftliche Einverständniserklärung des Patienten einholen.

Hat der Patient ein Recht auf seine Daten?
Patienten haben ein Recht darauf, alle in der Praxis über sie vorliegenden Gesundheitsdaten einzusehen. Sie können eine analoge oder eine digitale Kopie, etwa auf einer CD, einem Stick oder auch per App verlangen (§630g BGB). Nur in sehr wenigen Ausnahmefällen, etwa wenn die Bereitstellung der Daten den Behandlungserfolg erheblich gefährden würde, darf der Arzt den Zugriff verweigern.

Wer hat die Verantwortung für die elektronischen Daten?
Die Primärdokumentation der Patientendaten bleibt in der Hand der Ärzte und Krankenhäuser beziehungsweise der jeweiligen medizinischen Einrichtung. Die Hoheit über die elektronischen Daten hat allerdings der Patient. Das heißt: Der Patient entscheidet, ob er eine elektronische Akte anlegt, und wer die Daten einsehen darf. Weder Krankenkasse, noch Arzt, noch IT-Dienstleister sollen die Daten ohne Einverständnis des Patienten einsehen können. Sie liegen verschlüsselt in Rechenzentren und nur der Patient soll sie entschlüsseln können. Er entscheidet auch darüber, ob eine Akte gelöscht wird.

Aktuell

Praxis-News vom 12. Oktober 2018:
Vivy und Co.: Das sollten Sie über elektronische Gesundheitsakten wissen

KBV-Information vom 20. September 2018:
Informationen zur Nutzung elektronischer Gesundheitsakten als App
(PDF, 120 KB [3 Seiten])

KV-WebVideo

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ePatientenakte:

KBV-Vorstandsmitglied Dr. Thomas Kriedel über die Aufgaben der KBV bei der Entwicklung und wie es mit der ePA weitergeht
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