Im Ausland krankenversicherte Patienten

Für die ärztliche Behandlung von Patienten, die im Ausland krankenversichert sind und während ihres Aufenthalts in der Bundesrepublik erkranken, bestehen je nach Herkunft des jeweiligen Patienten unterschiedliche Vorgehensweisen und Abrechnungsmodalitäten.

 

Patienten aus den Staaten des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) und der Schweiz:
Europäische Krankenversicherungskarte

Mit der Einführung der Europäischen Krankenversicherungs-
karte
(EHIC, für „European Health Insurance Card“) zum 1. Juli 2004 hat sich für viele im Ausland krankenversicherte Patienten der Zugang zur medizinischen Behandlung deutlich erleichtert. Kommt ein Patient, der im EWR-Ausland oder der Schweiz versichert ist, in die Praxis, legt er seine Europäische Krankenversicherungskarte bzw. eine „Bescheinigung als provisorischer Ersatz für die Europäische Krankenversicherungskarte“ (Provisorische Ersatzbescheinigung PEB) als Anspruchsnachweis vor. Sie gilt für Versicherte, die sich vorübergehend in Deutschland aufhalten und bei denen der Aufenthalt nicht aus medizinischen Gründen erfolgt (z.B. Touristen, Studenten, entsandte Arbeitnehmer).

Folgende Staaten der Europäischen Union und aus dem so genannten Europäischen Wirtschaftsraum nehmen an dem Verfahren teil:

Belgien, Bulgarien, Dänemark, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Irland, Island, Italien, Kroatien, Lettland, Liechtenstein, Litauen, Luxemburg, Malta, Niederlande, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Schweden, Schweiz, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechien, Ungarn, Zypern (griechischer Teil).

Die Patienten haben Anspruch auf alle Leistungen, die sich während ihres Aufenthalts in Deutschland unter Berücksichtigung der Art der Leistung und der voraussichtlichen Aufenthaltsdauer als medizinisch notwendig erweisen. Das heißt: Eine unmittelbar erforderliche medizinische Versorgung (z.B. Virusinfektion, Armbruch), aber auch beispielsweise eine fortlaufende Versorgung chronisch Kranker oder eine ggf. anstehende Früherkennungsuntersuchung, die nicht bis zur Rückkehr in das Heimatland aufgeschoben werden kann, wird über die Karte abgedeckt. Auch die Weiterbehandlung einer Erkrankung ist möglich, wenn diese nicht Zweck der Einreise nach Deutschland war. Zum Leistungsumfang ören auch Leistungen, die die KV Berlin über Sonderverträge mit den Kassen vereinbart hat.

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Patienten aus Ländern mit bilateralem Abkommen:
Abrechnungsschein

Ein Patient, der auf Basis eines bilateralen Abkommens über Soziale Sicherheit Anspruch auf Leistungen bei Krankheit oder Mutterschaft hat, kann ebenfalls bei seinem Aufenthalt in Deutschland ärztliche Hilfe beanspruchen.

Mit folgenden Staaten besteht ein entsprechendes Abkommen:
Bosnien und Herzegowina, Israel (nur für Leistungen bei Mutterschaft), Mazedonien, Montenegro, Serbien, Türkei, Tunesien.

Informationen zum Leistungsumfang: Hier ist der Umfang der Leistungen deutlich eingeschränkter als bei Patienten aus EWR-Staaten oder der Schweiz. Zu beachten sind deshalb die Behandlungseinschränkungen, die auf dem Abrechnungsschein notiert sind:

  • Bei Personen, die sich vorübergehend in Deutschland aufhalten, dürfen die Leistungen nur erbracht werden, wenn der Zustand des Patienten eine ärztliche Behandlung sofort erforderlich macht, d.h. die Leistungen nicht bis zur Rückkehr in den anderen Staat zurückgestellt werden können. Deshalb ist auf dem Abrechnungsschein von der gewählten Krankenkasse „Für sofort notwendige Leistungen“ vermerkt.

Als nicht sofort notwendige Leistungen gelten z.B. folgende:

    • Untersuchungen zur Früherkennung von Krankheiten – außer bei Kindern, die während des vorübergehenden Aufenthalts in Deutschland geboren worden sind
    • ärztliche Beratung über Fragen der Empfängnisregelung einschließlich der erforderlichen Untersuchung und der Verordnung von empfängnisregelnden Mitteln
    • ärztliche Leistungen bei einer nicht rechtswidrigen Sterilisation
    • ärztliche Leistungen bei einem nicht rechtswidrigen Schwangerschaftsabbruch (außer in besonderen, von der deutschen Krankenkasse zu entscheidenden Fällen).

Patienten, die mit einer bereits bestehenden Erkrankung eingereist sind, können nur dann vertragsärztliche Hilfe beanspruchen, wenn der ausländische Träger dies genehmigt hat. Die deutsche Krankenkasse streicht dann den Passus „Für sofort notwendige Leistungen“ auf dem Abrechnungsschein.

Wohnt der Patient in Deutschland, bekommt er eine Krankenversichertenkarte der gewählten deutschen Krankenkasse und hat Anspruch auf alle medizinisch notwendigen ärztlichen Sachleistungen.

Hinweis: Die ärztlichen Leistungen werden nach dem EBM zusätzlich zum Individualbudget zum jeweiligen Punktwert der gewählten Krankenkasse des Patienten vergütet.

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Patienten, die keinen bzw. nicht den richtigen Anspruchsnachweis vorlegen

Legt der Patient keine gültige Europäische Krankenversicherungs-
karte bzw. Ersatzbescheinigung und den Identitätsnachweis oder einen Abrechnungsschein vor, sind Sie berechtigt und verpflichtet, vom Patienten eine Vergütung nach GOÄ zu fordern.

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(Quelle: KV Berlin)

Im Blickpunkt

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Weitere Informationen

Web-Video der KV Berlin:
Ärztliche Versorgung für Touristen
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