Regelleistungsvolumen

Seit 1. Januar 2009 erhält grundsätzlich jeder Arzt pro Quartal ein Regelleistungsvolumen (RLV) nach den Vorgaben des Honorarverteilungsmaßstabes und des Honorarvertrages. Das RLV wird in einem Euro-Betrag ausgewiesen. Leistungen innerhalb des RLV werden mit einem bundesweit einheitlichen Punktwert und somit zu festen Preisen vergütet. Erbringt der Arzt mehr Leistungen als aus seinem Regelleistungsvolumen bezahlt werden können, erhält er diese darüber hinausgehenden Leistungen nur zu einem abgestaffelten Preis honoriert. Mit den Regelleistungsvolumen will der Gesetzgeber eine übermäßige Ausdehnung der vertragsärztlichen Tätigkeit verhindern.
Die Information über die Höhe des RLV erhält jeder Arzt grundsätzlich vor Beginn eines jeden Quartals.

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Berechnung des arztindividuellen Regelleistungsvolumens

Wie das Regelleistungsvolumen des Arztes berechnet wird, hat der Erweiterte Bewertungsausschuss festgelegt.

Mathematisch betrachtet ist alles einfach:
Regelleistungsvolumen des Arztes = Fallzahl des Arztes x Fallwert der Arztgruppe x Gewichtungsfaktor Alter

D. h.: Um das Regelleistungsvolumen eines Arztes zu berechnen, wird die Fallzahl des Arztes aus dem jeweiligen Vorjahresquartal mit dem arztgruppenspezifischen Fallwert multipliziert. Hinzu kommt noch ein so genannter Gewichtungsfaktor, der das unterschiedliche Alter der Patienten berücksichtigt.

Fallzahl
Für das Regelleistungsvolumen ist die Zahl der kurativ-ambulanten Behandlungsfälle je Arzt relevant; ausgenommen sind u.a. Fälle im organisierten Notdienst und Überweisungen, bei denen ausschließlich Probenuntersuchungen und Befundungen von dokumentierten Untersuchungsergebnissen stattfinden. Die Fallzahl wird je Arzt auf Basis des entsprechenden Vorjahresquartals ermittelt. Für das erste Quartal 2013 z. B. ist dies die erbrachte Fallzahl des ersten Quartals 2012.

Fallwert
Zur Berechnung des arztgruppenspezifischen Fallwertes wird das Vergütungsvolumen, das für die Regelleistungsvolumina der jeweiligen Arztgruppe innerhalb der morbiditätsbedingten Gesamtvergütung zur Verfügung steht, durch die Fallzahl der Arztgruppe geteilt. Das Ergebnis ist der arztgruppenspezifische Fallwert.

  • Wichtig: Dieser Fallwert zur Berechnung der Regelleistungsvolumen (auch RLV-Fallwert genannt) berücksichtigt nur Leistungen, die innerhalb der RLV erbracht werden. Er ist von daher nicht mit dem „alten“ Fallwert gleichzusetzen, der a l l e Leistungen beinhaltet, also auch Früherkennungsuntersuchungen, Impfungen, Laborleistungen, ambulante Operationen etc.

Abstaffelungsregelung
Die vom Bewertungsausschuss vorgegebene Abstaffelungsregelung bei der Berechnung des RLV sieht vor, dass Fälle, die mehr als 50 Prozent über dem Fachgruppendurchschnitt liegen, nur eingeschränkt berücksichtigt werden. Das Regelleistungsvolumen berechnet sich wie folgt:

  • Fallzahlen bis 150 Prozent der durchschnittlichen Fallzahl der Arztgruppe:
    100 Prozent des Fallwertes der Arztgruppe x Fallzahl des Arztes
  • Fallzahlen von 150 bis 170 Prozent der durchschnittlichen Fallzahl der Arztgruppe:
    75 Prozent des Fallwertes der Arztgruppe x Fallzahl des Arztes
  • Fallzahlen von 170 bis 200 Prozent der durchschnittlichen Fallzahl der Arztgruppe:
    50 Prozent des Fallwertes der Arztgruppe x Fallzahl des Arztes
  • Fallzahlen über 200 Prozent der durchschnittlichen Fallzahl der Arztgruppe:
    25 Prozent des Fallwertes der Arztgruppe x Fallzahl des Arztes

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Und so berechnet sich das Regelleistungsvolumen der Praxis Dr. Mustermann

Beispiel 1: Die Fallzahl von Dr. Mustermann lag im ersten Quartal 2012 bei 1.000 Fällen. Die durchschnittliche Fallzahl seiner Arztgruppe lag bei 800. Der RLV-Fallwert der Arztgruppe betrug 35 Euro. Das RLV würde sich nun wie folgt berechnen:

35 Euro x 1.000 = 35.000 Euro

Da die Praxis von Dr. Mustermann mehr Rentner als der Durchschnitt versorgt, wird noch ein sogenannter Gewichtungsfaktor angesetzt, beispielsweise hier in Höhe von 1,1. Das RLV beträgt also 35.000 Euro x 1,1 = 38.500 Euro.

 

Beispiel 2: Die Fallzahl von Dr. Mustermann lag im ersten Quartal 2012 bei 1.800 Fällen. Die durchschnittliche Fallzahl seiner Arztgruppe lag bei 800. Der RLV-Fallwert der Arztgruppe betrug 35 Euro. Das RLV würde sich nun wie folgt berechnen:

  • 150 Prozent der durchschnittlichen Fallzahl der Arztgruppen sind 1.200 Fälle. Für diese erhält Dr. Mustermann einen Fallwert von 35 Euro.
  • Zwischen 150 und 170 Prozent der durchschnittlichen Fallzahl der Fachgruppe sind 160 Fälle. Für diese erhält Dr. Mustermann 75 Prozent des Fallwertes, nämlich 26,25 Euro.
  • Zwischen 170 und 200 Prozent der durchschnittlichen Fallzahl der Fachgruppe sind 240 Fälle. Für diese erhält Dr. Mustermann 50 Prozent des Fallwertes, nämlich 17,50 Euro.
  • Über 200 Prozent der durchschnittlichen Fallzahl der Fachgruppe sind noch 200 Fälle. Für diese erhält Dr. Mustermann 25 Prozent des Fallwertes, nämlich 8,75 Euro.

Das RLV liegt somit bei:

     35,00 Euro x   1.200 Fälle
+   26,25 Euro x     160 Fälle
+   17,50 Euro x     240 Fälle
+     8,75 Euro x     200 Fälle
=                      52.150 Euro

Da die Praxis von Dr. Mustermann mehr Rentner als der Durchschnitt versorgt, wird noch ein sogenannter Gewichtungs-
faktor angesetzt, beispielsweise hier in Höhe von 1,1. Das RLV beträgt also 52.150 Euro x 1,1 =57.365 Euro.

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Vergütung der RLV-Leistungen mit festen Preisen

Leistungen, die der Arzt innerhalb des Regelleistungsvolumens erbringt, bekommt er zu den im EBM ausgewiesenen festen Preisen vergütet. Die über das RLV hinausgehenden Leistungen werden zu einem abgestaffelten Preis des haus- bzw. fachärztlichen Versorgungsbereichs honoriert. [mehr]


RLV-Besonderheiten für Gemeinschaftspraxen, MVZ & Co

Die Regelleistungsvolumina (RLV) werden arztbezogen zugewiesen. Arbeiten mehrere Ärzte in einer Praxis, addieren sich deren RLV. Das heißt für Gemeinschaftspraxen und Medizinische Versorgungszentren (MVZ): Die vorteilhafte Regelung, dass im Rahmen einer fachübergreifenden Behandlung jeder Arzt aus einer der beteiligten Fachgruppen die Versicherten-, Grund- und Konsiliarpauschale in voller Höhe abrechnen darf, bleibt im Rahmen der RLV bestehen. Ein weiterer Vorteil für Gemeinschaftspraxen und MVZ besteht darin, dass dort tätige Ärzte ihre RLV und QZV innerhalb ihres jeweiligen Versorgungsbereichs untereinander verrechnen können. Wenn also ein Arzt, der an der hausärztlichen Versorgung teilnimmt, weniger Leistungen erbracht hat, als sein RLV/QZV gestattet, kann ein anderer Kollege dieses Versorgungsbereichs, also z.B. ein Allgemeinmediziner oder ein Kinderarzt, mehr tun, ohne dass das Honorar abgestaffelt wird. Wenn die Leistungen der gesamten Praxis die RLV allerdings überschreiten, wird das Honorar abgestaffelt.

Zur Förderung der vertragsärztlichen Versorgung in Berufsausübungsgemeinschaften (BAG) wird das RLV ggf. um einen Zuschlag erhöht, der sich seit dem 01.07.2011 folgendermaßen berechnet [Erläuterungen].

 

Regelleistungsvolumen bei NeupraxenDefinition

Das Regelleistungsvolumen bemisst sich an der Fallzahl des Vorgängers. Ist kein Vorgänger vorhanden, so werden grundsätzlich 50 Prozent der Durchschnittsfallzahl der jeweiligen Arztgruppe für das Regelleistungsvolumen zugrunde gelegt. Wird diese Fallzahl jedoch bereits im aktuellen Abrechnungsquartal tatsächlich überschritten, dann wird die höhere Fallzahl bis maximal zum Fallzahldurchschnitt der gesamten Arztgruppe berücksichtigt.

Nach Ablauf von 12 Quartalen seit Niederlassung berechnet sich das Regelleistungsvolumen nach der Fallzahl des Vorjahresquartals.

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