Die wichtigsten Regeln auf einen Blick: So sind Sie bei der Heilmittel-Verordnung auf der sicheren Seite

Auswahl des Heilmittels 

Der Heilmittelkatalog nennt „vorrangige Heilmittel“ (A), „optionale Heilmittel“ (B) und „ergänzende Heilmittel“ (C). Bitte beachten Sie bei der Verordnung unbedingt, dass nur ein im Heilmittelkatalog genanntes „vorrangiges Heilmittel“ (A) verordnet werden darf. Sofern dies nicht möglich ist, kann alternativ nur ein im Heilmittelkatalog genanntes „optionales Heilmittel“ (B) verordnet werden. 

Ein vorrangiges und ein optionales Heilmittel bei derselben Schädigung darf also nicht zeitgleich verordnet werden. 

Das dürfen Sie maximal verordnen

Die Verordnungsmenge darf die Vorgaben des Heilmittelkataloges nicht überschreiten. Hiernach sind grundsätzlich folgende Behandlungseinheiten verordnungsfähig: 

Verordnung max. je Rezept
Physikalische Therapie 6x
Logopädie 10x
Ergotherapie 10x
Podologie-Erstversorgung 3x
Podologie-Folgeversorgung 6x

Diese Menge muss aber keinesfalls ausgeschöpft werden! In jedem Einzelfall ist nämlich zu prüfen, ob auch eine geringere Anzahl von Einheiten zum Erfolg führen könnte. 

Grundsätzlich sollen Heilmittel je Behandlungstag maximal einmal verordnet bzw. abgegeben werden. In seltenen medizinischen Fällen kann auch eine Doppelbehandlung verordnet werden. Durch die Verordnung von Doppelbehandlung erhöht sich jedoch die im Katalog genannte diagnosebezogene Verordnungsmenge nicht. 6 Einheiten Krankengymnastik sind gleich 3 Doppelbehandlungen Krankengymnastik! 
Achtung: Verordnungsfähig sind nur die Heilmittel, die im Heilmittelkatalog, der Bestandteil der Heilmittelrichtlinie ist, genannt sind. 

Nicht verordnungsfähig 

Nicht verordnungsfähig sind Maßnahmen, deren therapeutischer Nutzen nicht nachgewiesen ist (wie z.B. Hippotherapie oder Fußreflexzonenmassage). Ebenfalls nicht verordnungsfähig sind Maßnahmen, die der persönlichen Lebensführung zuzuordnen sind, wie z.B. Ganzkörpermassagen, Sauna, Schwimmen usw. 
Wichtig: Beachten Sie, dass jegliche Heilmittelverordnung ausgeschlossen ist bei 

  • entwicklungsbedingter Sprechunflüssigkeit im Kindesalter, 
  • Stimmtherapie bei nicht krankhaftem Verlauf des Stimmbruches, 
  • allen psychotherapeutischen Behandlungsformen, die Regelungsgegenstand der Psychotherapie-Richtlinien sind, 
  • Störungen wie Lese- und Rechtschreibschwäche, sonstigen isolierten Lernstörungen. 

Verordnungen von Heilmitteln außerhalb des Regelfalls 

Außerhalb des Regelfalls können Heilmittel nur verordnet werden, wenn 

mit der im Katalog vorgegebenen Menge das Therapieziel nicht erreicht werden kann und 

ein behandlungsfreies Intervall von 12 Wochen noch nicht abgelaufen ist und 

weiterer indikationsbezogener Therapiebedarf ärztlich festgestellt wird. 

Bei der Verordnung außerhalb des Regelfalls haben Sie sich persönlich über den Gesundheitszustand des Patienten zu informieren. In das Feld „Medizinische Begründung bei Verordnungen außerhalb des Regelfalls“ tragen Sie bitte im individuellen Einzelfall ein, warum die Höchstverordnungsmenge des Regelfalls nicht ausreicht. 

Die Begründung zur Feststellung des Bedarfs soll differenziert sein, sich auf den individuellen Einzelfall beziehen und auch eine prognostische Einschätzung enthalten. Dazu gehört auch die Angabe von Gründen, warum der Patient kein Eigenübungsprogramm erlernen konnte. 

Verordnungen außerhalb des Regelfalls sind grundsätzlich genehmigungspflichtig. 

Verordnung von Gruppentherapie 

Noch immer ist der Anteil der Gruppentherapie gegenüber dem der Einzeltherapie sehr gering. Aus Gründen der Wirtschaftlichkeit und wegen gruppendynamisch erwünschter Effekte ist die Verordnung von Gruppentherapie die der Einzeltherapie jedoch vorzuziehen. 

Folgende Gruppentherapien können verordnet werden: 

Physiotherapie:

  • Krankengymnastik 
  • Krankengymnastik im Bewegungsbad 
  • Übungsbehandlung 
  • Übungsbehandlung im Bewegungsbad 

Ergotherapie: 

  • motorisch-funktionelle bzw. sensomotorisch- perzeptive Behandlung 
  • psychisch-funktionelle Behandlung 
  • Hirnleistungstraining 
  • Logopäd./sprachtherapeut. Leistungen 

Bitte dokumentieren Sie (z.B. in der Patientenakte), warum Sie im Einzelfall von der Möglichkeit, Gruppentherapie zu verordnen, keinen Gebrauch machen. Beachten Sie unbedingt, dass die Verordnung von Einzeltherapie medizinisch zwingend geboten sein muss. 

Heilmittel unterliegen der Wirtschaftlichkeitsprüfung 

Bitte füllen Sie Heilmittelverordnungen immer vollständig aus und achten Sie darauf, dass das verordnete Heilmittel und die Menge entsprechend des Heilmittelkataloges zur Leitsymptomatik des Patienten passen. 

Für Diagnosegruppen, die nicht im Heilmittelkatalog genannt sind, können keine Heilmittelverordnungen ausgestellt werden. Beachten Sie bitte auch, dass ein neues Quartal keinen neuen Regelfall auslöst. Fehlerhaft ausgefüllte Verordnungen können eine Wirtschaftlichkeitsprüfung nach sich ziehen. 

Vergütungsübersicht für Heilmittelleistungen (Physikalische Therapie) (pdf, 344 KB)

Margaret Schneider

(Quelle: Berliner Budget-Bulletin)

Autor: Margaret Schneider | Erstellt am: 01.03.2008

button_drucken
Copyright ©2007 Kassenärztliche Vereinigung Berlin