Hartnäckigkeit zahlt sich eben doch aus

Liebe Kolleginnen und Kollegen, keine Frage - Arzneimittelverordnungen unter strengen Budgetbedingungen gehören wohl zu den konfliktträchtigsten Themen der letzten Jahre. Wie oft schon haben wir, die Kassenärztliche Vereinigung Berlin und die Krankenkassen, uns vor dem Schiedsamt getroffen, weil wir keine Einigung über die Höhe der jährlich zulässigen Arzneimittelausgaben erzielen konnten.

Diesmal – Sie haben es bereits an anderer Stelle lesen können – ist das anders. Wir haben uns mit den Krankenkassen auf ein Ausgabenvolumen geeinigt, dessen rund 12prozentiger Anstieg gegenüber 2007 beachtlich ist, weil die Lücke zum tatsächlichen Bedarf nun ein ganzes Stück kleiner geworden ist. Hartnäckigkeit zahlt sich eben doch aus. Mit diesem Prolog will ich überleiten zum „Aber?“, das Ihnen sicher schon auf der Zunge liegt. 

Die beteiligten Krankenkassen wollen sichergehen, dass vorhandene Wirtschaftlichkeitsreserven bei den Arzneimitteltherapien auch tatsächlich ausgeschöpft werden und das Bewusstsein dafür geschärft wird. Dem haben wir nichts entgegenzusetzen, denn die Berliner Ärzteschaft zählt bundesweit ohnehin zu den sparsamsten Verordnern, wenn ich nur an die hohe Generika-Quote in der Hauptstadt denke. Andererseits schließen sich Wirtschaftlichkeit in der Arzneimitteltherapie und Qualität in der Versorgung nicht aus. Auch das haben wir in Berlin bereits lange schon unter Beweis gestellt. 

Nun gilt es, diesen Weg konsequent weiterzugehen, also weitere Einsparungen dort zu fördern, wo sie ohne Qualitätseinbußen für die Patienten möglich sind. Alles, was wir Ihnen dazu an Informationen und Hilfestellungen in dieser Budget-Bulletin-Ausgabe anbieten, haben wir gemeinsam mit unseren Vertragspartnern vereinbart. Damit ist gewährleistet, dass die Definition dessen, was beispielsweise ohne Qualitätseinbußen und ohne unzumutbaren Umstellungsaufwand substituierbar ist, nach wie vor bei uns liegt. Die in der Ausgabe abgedruckten Wirkstoff- bzw. Präparatevergleichslisten haben wir beispielsweise von den KVen Nordrhein bzw. Sachsen-Anhalt übernommen, weil sie dort bereits im Einsatz sind und von den Kollegen entweder selbst initiiert oder als praktikabel eingestuft wurden. Unseren Kolleginnen und Kollegen in Düsseldorf und Magdeburg sage ich an dieser Stelle Dank. 

Uns allen, liebe Kolleginnen und Kollegen, lege ich ans Herz, die Ausführungen in dieser Ausgabe, aber auch die in der nächsten Zeit folgenden fachgruppenspezifischen Informationen als das zu sehen, was sie sind: Als Gegengewicht zur Marketingmacht der Pharmaindustrie, als Appell, das eigene Verordnungsverhalten noch einmal kritisch auf Wirtschaftlichkeits- oder gar Qualitätsreserven zu überprüfen und als Angebot, sich in dem Dschungel von Vorschriften, Therapiealternativen und drohenden Restriktionen kompakt zu informieren. 

Ihr 
Burkhard Bratzke 
Vorstandsmitglied der KV Berlin

(Quelle: Berliner Budget-Bulletin)

Autor: Burkhard Bratzke | Erstellt am: 01.03.2008

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