Jahrelanges Defizit soll ein Ende haben - Die Kreuzberger Erste-Hilfe-Stelle der KV Berlin wird Ende September geschlossen

Die Erste-Hilfe-Stelle der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Berlin in der Kreuzberger Graefestraße wird zum 30. September 2008 geschlossen. Das hat die KV-Vertreterversammlung (VV) am 10. April mit großer Mehrheit beschlossen und sich damit einer einstimmigen Empfehlung der KV-eigenen Bereitschaftsdienstkommission angeschlossen. Der Grund: Die Einrichtung arbeitet seit mehreren Jahren mit hohem finanziellen Verlust. Anders als bei der Gründung der Stelle in den 80er Jahren ist die allgemein- und kinderärztliche Versorgung im Umkreis heute zufriedenstellend.

Im Jahr 2006 musste die KV Berlin 110.000 Euro zum Betrieb der Einrichtung zuschießen. Der Verlust für 2007 (das Rechnungsergebnis liegt noch nicht vor) wird ähnlich hoch veranschlagt. Bei einer Fortführung hätte die Erste-Hilfe-Stelle in diesem Jahr ein Minus von rund 138.000 Euro eingefahren. Deswegen haben die VV-Mitglieder einer Schließung zum 30. September zugestimmt. Die personelle und technische Abwicklung bzw. der Rückbau der Mieträume wird noch einmal 399.000 Euro kosten. Der Betrag soll jedoch nach Angaben des KV-Vorstandes innerhalb von drei Jahren ausgeglichen werden.

Angebot soll kompensiert werden

Die Kreuzberger Erste-Hilfe-Stelle befindet sich in unmittelbarer Nähe des städtischen Urban-Krankenhauses und ist parallel zu den üblichen Praxis-Sprechstundenzeiten dienstbereit. Trotz des ausreichenden Versorgungsangebotes im Umkreis der Einrichtung hat diese regen Zulauf. Die KV bemüht sich deshalb, das Angebot nach der Schließung wenigstens teilweise zu kompensieren und will darüber auch Gespräche mit dem benachbarten Krankenhaus aufnehmen. Unter den Kinderarztpraxen wird zudem für eine zusätzliche Abendsprechstunde bis 22 Uhr geworben, wie KV-Chefin Angelika Prehn berichtete.

In der Debatte um die Schließung der Erste-Hilfe-Stelle wurde unter anderem die Frage aufgeworfen, ob die finanziellen Verluste durch Verringerung der Personalkosten hätten reduziert werden können. Der Zehlendorfer Allgemeinmediziner Wolfgang Kreischer (er war selbst jahrelang Mitglied bzw. Chef der für die Erste-Hilfe-Stellen zuständigen Bereitschaftsdienstkommission) kritisierte die aus seiner Sicht zu großzügig bemessenen Zeiten für die Übergabe der einzelnen Schichten und auch den Personaleinsatz: „Warum muss die Stelle mit voll examinierten Krankenschwestern geführt werden? Das kann ich mir in einer Arztpraxis auch nicht leisten.“ Die Mitarbeiter/innen in den Erste-Hilfe-Stellen sind festangestellt und unterliegen den in der KV gültigen Bestimmungen des Personalvertretungsgesetzes bzw. Kündigungsschutzes.

Das Defizit der Kreuzberger Erste-Hilfe- Stelle wurde von Kreischer und anderen VV-Mitgliedern als Beleg dafür gesehen, dass die ambulante ärztliche Versorgung mit GKV-Mitteln allein nicht finanzierbar sei. Erstaunen löste das Abstimmungsverhalten einiger VV-Mitglieder aus, die der Bereitschaftsdienstkommission angehören. Trotz der einstimmigen Schließungsempfehlung der Kommission enthielten sie sich ohne weitere Erklärung bei der Abstimmung in der Vertreterversammlung. -litt

(Quelle: KV-Blatt 05/2008)

Autor: KV-Blatt-Redaktion | Erstellt am: 29.04.2008

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