Das klassenlose Wartezimmer

Wir niedergelassenen Ärzte sind es ja gewohnt, von Politikern wegen aller Mängel in die Mangel genommen zu werden. Jetzt waren wieder mal die Wartezeiten dran. Unterschiede zwischen GKVund PKV-Versicherten würden wir machen, hieß es in einer Studie aus Köln. Über Qualitätsmängel sehen wir mal hinweg. Die Autoren werden schon wissen, warum sie Umfragedaten aus 2006 erst jetzt powern, warum sie zwar 189 Arztpraxen aus dem Telefonbuch wählten, aber gleich all jene ausschlossen, die ganz ohne Terminvergabe arbeiten oder die geforderte Untersuchung gar nicht im Programm hatten. So blieben 128 tatsächlich ausgewertete Praxen übrig.

Nun gibt es für die gelisteten – nicht dringenden – Routineuntersuchungen wohl Differenzen in der Zeit bis zum Termin. Gut beobachtet. Schließlich sind unterschiedliche Wartezeiten Bestandteil vieler Verträge über integrierte Versorgung oder bei Hausarztverträgen. Dort werden sie allerdings von Gesundheitspolitikern als lobenswerte Serviceunterschiede empfunden. Auch wenn es fairer gewesen wäre, dem Publikum zu verdeutlichen, dass es nur die Wartezeiten sind, bei denen es Unterschiede gibt, nicht aber die Behandlung.

Wollen bestimmte Politiker mit der Wartezeitendebatte eine neuerliche politische Schlammschlacht gegen uns freiberufliche Ärzte lostreten und haben einfach keine besseren „Argumente“? Letzteres könnte den Autoren nicht angelastet werden, aber: Zufall war deren Veröffentlichung zum jetzigen Zeitpunkt sicher nicht! Diesmal ging die Rechnung, Patienten gegen ihre Ärzte ins Feld zu führen, nicht auf.

Und mit der Honorarreform 2009 soll das Thema Wartezeiten erster und zweiter Klasse sowieso erledigt sein, wie die Staatssekretärin im BMG, Caspers-Merk (SPD), verkündete, weil es uns allen dann besser ginge. Und wenn nicht? Dann wird es vielleicht wieder Protestaktionen und leere Arztpraxen geben. Zumindest unter den Bildern von den leeren Stühlen könnte dann „Klassenloses Wartezimmer“ stehen.

Ihr
Burkhard Bratzke

(Quelle: Burkhard Bratzke)

Autor: KV Berlin | Erstellt am: 30.04.2008

button_drucken
Copyright ©2007 Kassenärztliche Vereinigung Berlin