Um die Gesundheit der Hauptstädter ist es im Großen und Ganzen gut bestellt. Das ergab die Auswertung des
Mitte Januar von der Senatsverwaltung für Gesundheit vorgestellten Basisberichts
der Gesundheitsberichterstattung 2006/07. So zeigt sich bei den Berlinerinnen und Berlinern eine im Vergleich
mit dem Bundesdurchschnitt höhere Lebenserwartung sowie eine Rückläufigkeit bei vorzeitigen und so genannten
„vermeidbaren Todesfällen“. Dennoch träten immer noch viele Krankheiten auf, deren Entstehen durch präventives
und gesundheitsbewussteres Verhalten verhindert werden könne.
Die Lebenserwartung in Berlin liegt erstmalig leicht über dem Bundesdurchschnitt.
So haben Berlinerinnen gegenwärtig eine durchschnittliche Lebenserwartung von 82 Jahren, während
der Schnitt bei den Frauen bundesweit 81,8 Jahre beträgt. Auch die Lebenserwartung
der Berliner Männer ist mit im Schnitt 76,7 Jahren höher als beim Durchschnitt der männlichen Bevölkerung
der BRD. Die soziale Lage spielt hierbei eine wichtige Rolle, wie sich aus dem Bericht ergibt. Sie wirkt sich unmittelbar
auf den Gesundheitszustand und damit auch auf die Lebenserwartung der Bürger aus. So werden Frauen im
sozial besser gestellten Charlottenburg/Wilmersdorf im Schnitt knapp zwei Jahre älter als im Problembezirk Friedrichshain-Kreuzberg. Bei Männern
beträgt die Spannweite zwischen diesen beiden Bezirken sogar ca. 4 Jahre.
Vorzeitige Sterberate rückläufig
Die Mortalitätsrate der unter 65-jährigen Berlinerinnen und Berliner ging seit
Anfang der 90er Jahre kontinuierlich zurück. Dennoch starben 21 % der im Jahr 2006 Verschiedenen vorzeitig, das heißt
vor Vollendung des 65. Lebensjahres.
Die so genannten „vermeidbaren Todesfälle“, die durch Krankheiten wie Lungenkrebs,
Brustkrebs, Leberzirrhose und ischämische Herzkrankheiten verursacht wurden, sind ebenfalls insgesamt rückläufig
– vor allem bei Männern. Aber auch hier lässt sich im Bericht ein eindeutiger
Zusammenhang zwischen gesundheitlicher und sozialer Lage erkennen. Die vermeidbare Mortalität
ist in Bezirken mit negativer Sozialstruktur durchweg erhöht, vor allem hinsichtlich
Lungenkrebs, Herzinfarkten und alkoholbedingten Todesfällen. So könnte die statistische Lebenserwartung der
Männer in Charlottenburg im Schnitt noch einmal um 1,8 Jahre steigen, wenn die „vermeidbaren Tode“ wegfallen
würden. In Friedrichshain-Kreuzberg könnten die Männer sogar 2,4 Jahre an Lebenserwartung hinzugewinnen.
Dabei kann nach Angaben der Senatsverwaltung für Gesundheit ein Drittel der verfrühten Tode auf das individuelle
Gesundheitsverhalten zurückgeführt werden (z. B. auf Rauchen, Alkoholmissbrauch
und Adipositas mit ihren Folgekrankheiten). Fast zwei Drittel der „vermeidbaren Todesfälle“ würden mittlerweile
durch Krankheiten verursacht, deren Entstehen im Wesentlichen durch richtiges präventives Verhalten vermeidbar
wäre.
Zahl der Ärzte in Berlin gestiegen
Auch zur medizinischen Versorgungslage gibt der Bericht Auskunft. So waren im Jahr 2005 von den Erwerbstätigen
in der Berliner Bevölkerung 12 % im Gesundheitswesen tätig – mehr als ein Drittel davon im ambulanten Bereich,
darunter ca. 14 % Ärzte und ungefähr 3 % Psychologische Psychotherapeuten. Dabei ist die Zahl der Ärzte seit
1992 gestiegen, die Zahl der Psychologischen Psychotherapeuten seit ihrem Eintritt ins System (2003) leicht gesunken.
Proportional dazu nahm die Einwohnerzahl je Psychotherapeut in Berlin zu, die Zahl der Einwohner pro Arzt
hingegen ab.
Kamen 1992 auf einen Arzt noch
638 Einwohner, so waren es 2006 nur
noch 463. Damit liegt Berlin, ebenso
wie die beiden anderen Stadtstaaten
Hamburg und Bremen, deutlich
unter dem Bundesdurchschnitt von
605 Einwohner pro Arzt. Anders sieht es
im Nachbarland Brandenburg aus. Hier
kommen auf einen Arzt 751 Einwohner.
Ina Harloff
Einzelheiten unter:
www.berlin.de/sen/statistik/gessoz
(Quelle: KV-Blatt 04/2008)