Gleich lange Spieße - ungleiche Allianzen

Gleich lange Spieße – diese Metapher steht im Gesundheitswesen für die Forderung nach gleichen Wettbewerbsbedingungen zwischen niedergelassenen Ärzten und Krankenhäusern. Einmal mehr, wenn es um die Öffnung der Krankenhäuser für hochspezialisierte Leistungen nach § 116 b SGB V geht. Und genau hier stehen uns ab März erste Entscheidungen ins Haus. 

Zug um Zug – so ist vorauszusehen – werden Krankenhäuser nun Genehmigungen für die Erbringung ambulanter hochspezialisierter Leistungen erhalten. Darunter für Krankheitsbilder, die in Berlin seit vielen Jahren in geradezu exzellenter Weise von niedergelassenen Ärzten versorgt werden, wenn ich nur an Multiple Sklerose oder an Krebserkrankungen denke. Zudem soll schon der Krankheitsverdacht zur Behandlung nach § 116 b berechtigen. Damit wird dem Fass der Boden geöffnet. 

Kommt es zu den befürchteten flächendeckenden Genehmigungen für Krankenhäuser, dann droht den ambulant tätigen Fachärzten in der Hauptstadt eine teils existenzvernichtende Konkurrenz durch „mitbewerbende“ Krankenhäuser, die im wesentlichen aus öffentlichen Mitteln finanziert wurden. Kollegen argwöhnen zu Recht: Das ist der Vorbote des Generalangriffs auf die ambulante Facharztmedizin durch die Hintertür. Die Facharztmedizin soll wieder ans Krankenhaus. Damit wird erst einmal die doppelte Facharztschiene errichtet, die dann hinterher kritisiert werden wird. 

Beim Widerstand gegen diese Entwicklung haben wir sogar die regionalen Krankenkassenverbände auf unserer Seite. Sie befürchten das streckenweise Aus für die vorbildliche ambulante Facharztversorgung – und wissen so gut wie wir, dass kein Mensch die Öffnung der Kliniken für diese ambulante Versorgung benötigt. Pech nur für die hiesigen Krankenkassen, dass ihre Bundesverbände in dem für die Ausgestaltung des Gesetzeswillens zuständigen Gemeinsamen Bundesausschuss mit den Krankenhäusern einer Meinung waren. Sie haben dort für die Ausweitung des umstrittenen Leistungskataloges gestimmt, weiß 

Ihr 

Uwe Kraffel

(Quelle: Uwe Kraffel)

Autor: KV Berlin | Erstellt am: 28.02.2008

button_drucken
Copyright ©2007 Kassenärztliche Vereinigung Berlin