Die große Gesundheitspolitik wird zwar hier vor unserer Haustür beschlossen,
dennoch lohnt gelegentlich ein Blick über den Tellerrand hinaus. Nach Baden- Württemberg beispielsweise,
wo jetzt flächendeckend ausprobiert werden soll, was der Gesetzgeber sich so sehnlichst
wünscht: „Wettbewerb“. Seit dort die AOK kundtat, die hausarztzentrierte Versorgung ihrer
Versicherten dem dortigen Hausärzteverband und MEDI übertragen zu wollen, ist nichts mehr so, wie es einmal
war. Der landauf und landab von Ärzten befürchtete Direkteinkauf von Krankenkassen hat begonnen. Das
Musterländle lässt grüßen?
Zumindest schärfen uns die Vorgänge dort den Blick auf einen ähnlichen, wenn auch viel kleineren und bislang
nicht konfliktiven Vorgang in Berlin. Was in Baden-Württemberg erst noch verhandelt wird, ist hier schon Realität:
Ein Hausarztvertrag, in dem die hiesige AOK und eine Tochtergesellschaft des Deutschen
Hausärzteverbandes die Hauptakteure sind.
Unser Titelthema gibt einen Überblick – über Baden-Württemberg und Berlin.
Bei uns gibt es Fakten und Meinungen, kommen Befürworter und Kritiker zu Wort.
Übrigens – falls Ihnen hier irgendetwas bekannt vorkommen sollte: Im Millenniumsjahr haben wir schon
einmal sehr ausführlich über MEDI in Baden-Württemberg berichtet. Damals ging es um eine drohende Zerschlagung
der KVen, um die Angst vor dem direkten Diktat der Krankenkassen und die Entsolidarisierung der Ärzteschaft.
Stichworte, denen Sie auch in diesem Titelthema begegnen werden – wenn auch unter anderen Vorzeichen.
Ihr
Reinhold Schlitt
(Quelle: Reinhold Schlitt)