Die rund drei Millionen Kassenpatienten in Berlin erhalten eine ambulante Versorgung auf hohem Niveau. Dies geht aus dem Qualitätsbericht 2007 hervor, den die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Berlin im Dezember in einer Pressekonferenz vorgestellt hat. Danach ist die Zahl der Leistungen, für die besondere Qualitätsanforderungen gelten, weiter gestiegen. Der KV-Vorstand sieht das hohe Niveau der Qualitätskontrolle wegen der Öffnung von Krankenhäusern für ambulante Leistungen allerdings gefährdet.
Mehr als zwei Drittel aller Kassenleistungen unterliegen laut Qualitätsbericht einer zusätzlichen Kontrolle durch die KV Berlin. Im Berichtsjahr 2006 waren dies immerhin 1.097 Untersuchungs- und Behandlungsverfahren, die die Ärzte und Psychotherapeuten nur bei Nachweis entsprechender Qualifikationen für Kassenpatienten erbringen durften. Bratzke: „Kaum eine andere Berufsgruppe muss ihre Qualifikation so häufig unter Beweis stellen wie die niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten.“ Davon profitierten auch die Privatpatienten, die sich von einem Kassenarzt behandeln ließen.
Die Überprüfungen der KV haben ergeben, dass die meisten Praxen die geforderte Qualität erbringen. So haben die Berliner Vertragsärzte und Vertragspsychotherapeuten im vorigen Jahr 4.051 Anträge zur Abrechnung einer qualitätsgesicherten Leistung gestellt. „96 Prozent der Antragsteller haben die geforderten Voraussetzungen erfüllt. Wir mussten lediglich 165 Anträge ablehnen“, betonte Bratzke. Das waren vier Prozent.
Auch nach Erteilung einer Genehmigung prüft die KV Berlin die Qualität. Im Berichtsjahr fanden insgesamt 4.557 Kontrollen statt. So wurden beispielsweise bei fast 500 Ärzten stichprobenartig die
Untersuchungs- und Behandlungsqualität anhand der Behandlungsdokumentation überprüft. Bratzke: „Stimmt die Qualität nicht, darf der Arzt die Leistung im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung nicht mehr erbringen.“ Im Berichtsjahr musste die KV Berlin sechs Ärzten die Genehmigung für eine Leistung entziehen.
Der aktuelle Qualitätsbericht der KV Berlin informiert über die verschiedenen Maßnahmen zur Sicherung und Steigerung der Qualität in der ambulanten Patientenversorgung. Auf fast 120 Seiten sind alle Versorgungsbereiche, die einer Qualitätsprüfung unterliegen, mit sämtlichen Qualitätsanforderungen und Prüfungsergebnissen aufgeführt. Um Patienten eine größtmögliche Transparenz zu bieten, hat die KV Berlin auch in diesem Jahr wieder zusätzlich zur Langfassung eine Broschüre mit den wichtigsten Ergebnissen herausgebracht. Sie wird auch in den Wartezimmern der Arztpraxen ausliegen.
Einzelverträge und Krankenhauszulassungen gefährden die Qualitätskontrolle
Bratzke sieht die umfassende Qualitätssicherung durch die KV Berlin jedoch gefährdet. „Durch die wachsende Zahl von Einzelverträgen, die Krankenkassen mit Arztgruppen abschließen, können sich Patienten nicht mehr darauf verlassen, dass ihr Arzt die Qualitätsstandards einhält“, betonte er. Da die Kassen die Verträge geheimhielten, könne die KV nicht einmal die Qualifikation der beteiligten Ärzte überprüfen. Dadurch sei eine einheitliche Qualitätssicherung nicht mehr möglich. Auch war bis Redaktionsschluss völlig offen, ob sich Berliner Krankenhäuser, die jetzt von der Senatsgesundheitsverwaltung für die Erbringung hochspezialisierter ambulanter Leistungen zugelassen werden, einer unabhängigen Qualitätsprüfung unterzogen werden – oder ob diese sich selbst kontrollieren dürfen.
Langfassung im Internet
Die Lang- und die Kurzfassung des Qualitätsberichts 2007 sind im Internet unter www.kvberlin.de eingestellt.
red/-litt
Ambulante medizinische Versorgung Qualität – kurz und knapp
Die Qualität der ambulanten medizinischen Versorgung in Berlin ist nicht nur preiswert, sie kann sich sehen lassen. Der neueste Qualitätsbericht beweist es einmal mehr. Dieser 24seitige Bericht fasst zusammen, was ausführlich in der über 150 Seiten starken Hauptausgabe nachzulesen ist: Die Grundlagen der Qualitätssicherung in der ambulanten ärztlichen Versorgung, die Qualitätsmerkmale und Maßnahmen zur Qualitätssicherung. Die Leser erfahren, mit welchen Management-Methoden Behandlungsqualität weiter verbessert wird. An den Beispielen Ambulante Krebstherapie, Psychotherapie und Schmerztherapie wird deutlich, wie so etwas funktioniert.
„Qualität in der ambulanten medizinischen Versorgung – Qualitätsbericht 2007 der Kassenärztlichen Vereinigung Berlin“ Kurzfassung, Broschüre, 24 Seiten
(Quelle: KV-Blatt 01/2008)