Müller statt Weigeldt - die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hat im Eiltempo ihre Führungskrise von Anfang Juli beigelegt. Nach dem Rücktritt des KBV-Vizechefs Ulrich Weigeldt am 6. Juli hat es gerade mal fünf Tage gedauert, bis dessen Nachfolger präsentiert wurde. KBV-Chef Köhler will sich nun wieder den Sachfragen widmen.
In der Tat – nach außen hin bot das KBV-Ärzteparlament mit seinem Krisenmanagement keine wirklichen Angriffsflächen, konnte aber heftige „außerparlamentarische“ Mutmaßungen dennoch nicht verhindern. Und
die kamen besonders vom Deutschen Hausärzteverband, dem Weigeldt angehört.
BDA: Alles von langer Hand vorbereitet
Der Verband sieht den Ex-KBV-Vize als Opfer einer von langer Hand
vorbereiteten Intrige. Wahrheit oder Dolchstoßlegende? Was sich wirklich um die Person des Bremer
Allgemeinmediziners abgespielt hat, wird man offiziell wohl nie erfahren. Einzig die Gerüchteküche brodelt, mal gegen Weigeldt, mal zu seiner Entlastung. Als sicher kann gelten: Beide, Köhler und
Weigeldt, konnten nicht mehr miteinander. Konnten sie überhaupt jemals
miteinander? Gerne und oft wird dieser Tage das knappe Wahlergebnis vom 14. Dezember 2004 hervorgekramt, mit dem Ulrich Weigeldt damals ins Amt kam. Gerade mal 25 Vertreter
hatten für ihn gestimmt, 21 waren gegen seine Wahl und 14 enthielten sich. Der Hausärzteverband sah Weigeldts Inauguration „im Sinne einer
Friedenslinie zwischen der Körperschaft und dem Hausärzteverband“. Nach außen herrschte dann auch lange Zeit Ruhe, aber eben kein „Frieden“, wie sich
zeigen sollte.
Jene denkwürdige KBV-Vertreterversammlung am Vortag des diesjährigen Deutschen Ärztetages im Mai in Münster offenbarte, wie tief die Kluft zwischen den beiden Vorständlern gewesen sein muss. Offen wie nie
geißelte Köhler coram publico die Alleingänge seines Kollegen, während der so gescholtene Weigeldt eine Rede hielt, die vorher niemandem bekannt gewesen sein soll, wenigstens nicht
der gemeinsamen KBV-Führung. Vordergründig ging es um milliardenschwere Auswirkungen einer
Hausarztpauschalierung im künftigen EBM – zu Lasten der Fachärzte (KV-Blatt 06/07). Doch die Chronisten waren sich
allenthalben einig: Es war der wohl vorletzte Akt des Schauspiels von der
Entzweiung des Führungsduos.
Nach Münster ging alles sehr schnell
So folgte dann auch wenige Tage später die Meldung der Neu-Isenburger „Ärzte-Zeitung“, es gäbe einen
Misstrauensantrag gegen Ulrich Weigeldt. Der Rest ist bekannt. Alles kam, wie die Zeitung prophezeite: Am 5. Juli wurde in Berlin der von 20 Vertretern (Hausärzten wie Fachärzten)
unterzeichnete Antrag gestellt, dem Vorstandsduo Köhler-Weigeldt das Vertrauen zu entziehen; einzeln und schriftlich.
Weigeldt wusste am Ende dieser Abstimmung noch ganze elf Getreue hinter sich, bei Köhler waren es 51. Danach gab es eine „Auszeit“ und am anderen Vormittag tickerten dann Agenturen schließlich: Ulrich Weigeldt ist zurückgetreten.
Der „Neue“, den sie fünf Tage später wählten, heißt Carl-Heinz Müller, ist
– wie Weigeldt – Hausarzt und obendrein Mitglied des Deutschen Hausärzteverbandes. 56 der 57
anwesenden Mitglieder gaben ihm ihre Stimme. Müller ist damit Kandidat fast aller in der 60-köpfigen
KBV-Vertreterversammlung; über alle Fächer hinweg. Er wurde am 12. Juli der Presse
vorgestellt und hat auf die Frage nach seiner ersten Amtshandlung geantwortet: „Wir werden die (bislang
getrennten) Vorstandsbüros zusammenlegen.“
Den Segen seiner eigenen Verbandsführung hat Müller, noch amtierender KV-Landeschef von Rheinland-Pfalz, vorerst nicht:
„ (…) ungeachtet, wer von den KV-Funktionären seine (Weigeldts; d. R.) Nachfolge antritt: Er ist nicht unser Kandidat“, ließ die
Verbandspressestelle kurz vor der Wahl des Weigeldt-Nachfolgers verlauten.
Reinhold Schlitt
Zur Person
Dr. med. Carl-Heinz Müller (51) ist Allgemeinmediziner aus Trier. Er ist seit 2005 Vorstandschef der
Kassenärztlichen Vereinigung Rheinland-Pfalz. Vor der Zusammenlegung der Landes-KV
(hervorgegangen aus drei selbständigen Kassenärztlichen Vereinigungen in Rheinland-Pfalz) war Müller Vorsitzender
der KV Trier. Zu seinem Aufgabenbereich im KBV-Vorstand gehört u. a. das Ressort Arzneimittelversorgung.
(Quelle: KV Blatt 08/2007)