KV Berlin und Initiative Berlin-gegen-Darmkrebs rufen zur Früherkennung auf

Darmkrebs-Vorsorgeuntersuchung wird von den Berlinern noch zu wenig genutzt

Berlin, 17. Mai 2006. Die Untersuchung zur Früherkennung von Darmkrebs wird von den Berlinern noch zu wenig in Anspruch genommen. "Obwohl die Zahl der Darmspiegelungen (Koloskopie) seit Programmbeginn im Oktober 2002 insgesamt gestiegen ist, haben bis Ende 2005 in Berlin erst rund 114.000 der gesetzlich Krankenversicherten die Chance zur Darmkrebsvorsorge wahrgenommen. Das sind nur knapp 12 Prozent der Anspruchsberechtigten", sagte die Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Berlin, Dr. Angelika Prehn, am Mittwoch vor Journalisten. "Und auch wenn im vierten Quartal 2005 erfreulicherweise wieder ein Anstieg der präventiven Koloskopien von gut elf Prozent im Vergleich zum Vorquartal zu beobachten ist, wünschen wir uns natürlich, dass noch viel mehr Menschen zu dieser Untersuchung gehen."

Jährlich erkranken in Deutschland mehr als 60.000 Menschen neu an Darmkrebs, rund 30.000 sterben jedes Jahr an dieser Erkrankung. Darmkrebs ist damit die zweithäufigste Tumorerkrankung, die Zahl der Darmkrebstoten ist fünfmal so hoch wie die der Verkehrstoten. Das Heimtückische an Darmkrebs ist, dass er viel zu oft erst zu spät entdeckt wird. Seit Oktober 2002 hat in Deutschland jeder Versicherte ab dem vollendeten 55. Lebensjahr Anspruch auf eine Vorsorgekoloskopie. Allerdings lassen sich jährlich nur 2,5 bis 3 Prozent der Anspruchsberechtigten koloskopieren. Das führt dazu, dass bei zu vielen Menschen die Darmkrebserkrankung zu spät, das heißt in einem zum Teil nicht mehr heilbaren Stadium, entdeckt wird. Die Zahl der Neuerkrankungen in Deutschland ist die höchste in Europa.

Dabei wäre das kolorektale Karzinom, so die medizinische Bezeichnung für den Darmkrebs, bei frühzeitiger Vorsorge schon vor der Entstehung zu verhindern. "Etwa 90 Prozent der Darmkrebsopfer müssten nicht sterben, wenn die Erkrankung bzw. die Vorstufen des Krebses frühzeitig erkannt und behandelt würden", erklärt Dr. Rolf Drossel, niedergelassener Facharzt für Innere Medizin/Gastroenterologie und Mit-Initiator der Aktion "Berlin-gegen-Darmkrebs", die es sich zum Ziel gesetzt hat, Patienten verstärkt über Darmkrebsvorsorge zu informieren und vor allen Dingen auch zu motivieren.

Die größte Sicherheit bei der Darmkrebs-Vorsorge bietet die Koloskopie. Hierbei wird ein dünner und biegsamer Schlauch, das Koloskop, vom Arzt behutsam in den After eingeführt und langsam in den Darm geschoben. Durch die modernen Koloskope und die Erfahrung der Fachärzte, die Darmspiegelungen oft durchführen, ist dies eine sehr schonende Untersuchung für den Patienten. Werden bei der Darmspiegelung Vorstufen des Darmkrebs entdeckt, können diese meist während der Untersuchung entfernt und so das Entstehen von Darmkrebs direkt bei der Vorsorgeuntersuchung verhindert werden. Denn: 90 Prozent der Darmkrebserkrankungen entstehen aus speziellen Polypen, so genannten Adenomen. Bis 7 Prozent der zunächst gutartigen Adenome entarten im Laufe der Zeit zu bösartigen Tumoren. Ist der Tumor jedoch erst einmal in tiefere Darmschichten eingedrungen, sinken die Heilungschancen rapide.

Prehn appellierte vor diesem Hintergrund an die Patienten: "Lassen Sie dem Krebs keine Chance. Nehmen Sie das kostenlose Früherkennungsangebot in Anspruch. Sprechen Sie Ihren Arzt auf die Untersuchung an. Er wird Sie informieren, beraten und zu einem Facharzt überweisen, der Darmspiegelungen durchführt." Gleichzeitig rief sie die Berliner Hausärzte dazu auf, die Patienten umfassend über die Möglichkeiten der Darmkrebsprävention aufzuklären und zur Untersuchung zu einem Facharzt zu überweisen.

In Berlin haben 67 Fachärzte eine Abrechnungsgenehmigung der KV für präventive Darmspiegelungen. Abrechnungsgenehmigung heißt, diese Ärzte dürfen diese Leistung zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung erbringen, weil sie die entsprechende Fachkunde und Routine gegenüber der KV nachgewiesen haben. Sie müssen jährlich mindestens 200 Darmspiegelungen und 10 Polyp-Entfernungen vornehmen und dokumentieren. Zusätzlich findet zweimal im Jahr eine unangekündigte Hygienekontrolle statt, bei der die bei der Untersuchung eingesetzten Koloskope überprüft werden. Nur wer die Qualität nachweist, darf diese Leistung auch im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung erbringen. Welche Ärzte dies in Berlin sind, können Patienten beim Gesundheitslotsendienst der KV Berlin (Tel. 31003-222) oder über die Arztsuche im Internet der KV Berlin erfahren.

Ansprechpartner für die Presse:
KV Berlin: Annette Kurth, Tel. 030/31003 383
Initiative Berlin-gegen-Darmkrebs: Dr. Rolf Drossel, Tel. 030/563 33 22

Mehr Informationen unter: www.berlin-gegen-darmkrebs.de

(Quelle: KV Berlin)

Autor: KV Berlin, Öffentlichkeitsarbeit | Erstellt am: 17.05.2006

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