Berlin, 17. Mai 2006. Zwei Tage vor dem dritten Großprotest der
niedergelassenen Ärzte in diesem Jahr hat Berlins Kassenärztechefin Dr.
Angelika Prehn vor weiteren Einschnitten in der ambulanten medizinischen
Versorgung gewarnt. "Schon jetzt erhalten Praxisärzte für 30 Prozent
ihrer Leistungen keine Vergütung mehr. Und aus rein wirtschaftlichen Gründen
dürfen sie per Gesetz ihren Patienten ab 2007 nicht mehr automatisch das beste
Medikament verschreiben", sagte die Vorstandsvorsitzende der
Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Berlin am Mittwoch in Berlin. "Eine
Sparpolitik ohne medizinisches Augenmaß gefährdet die unmittelbare und
umfassende Versorgung der Patienten." Am kommenden Freitag werden wieder
Tausende Ärzte, Psychotherapeuten und Arzthelferinnen aus ganz Deutschland in
der Hauptstadt gegen die Unterfinanzierung in der ambulanten Medizin, die
Rationierung von Arzneimitteln und die überbordende Bürokratie in den
Arztpraxen demonstrieren.
Der KV-Vorstand unterstützt die Forderungen der Ärzte. "Der Zorn und
die Verzweiflung unter den Praxisärzten nehmen zu", betonte Prehn.
"Denn die bisherigen staatlichen Gängelungen für Ärzte stehen im krassen
Gegensatz zu ihrer Verantwortung für ihre Patienten und zu ihrer
Berufsethik." Die KV-Chefin fürchtet weitere Einschnitte in die ambulante
Medizin durch die bevorstehende Gesundheitsreform. Als jüngstes Anzeichen
wertete sie das Arzneimittelversorgungs-Wirtschaftlichkeitsgesetz, dessen
Bonus-Malus-Regelung von 2007 an gilt. Danach müssen Ärzte eine Strafe zahlen,
wenn sie bestimmte Arzneimittel oberhalb festgesetzter Tagesdosis verordnen.
"Hier wird bestraft, wer seine Patienten so gut wie möglich behandeln
will, und belohnt, wer Medikamente rationiert."
Auch zahlreiche Berliner Vertragsärzte werden am Freitag, dem 19. Mai, am 3.
Nationalen Protesttag teilnehmen, der um 12.00 Uhr vor dem Brandenburger Tor
beginnt. Deshalb werden viele Arztpraxen an diesem Tag schließen. Die ambulante
Versorgung bleibt jedoch gesichert. Die KV Berlin verstärkt den Ärztlichen
Bereitschaftsdienst (Tel. 31 00 31), so dass tagsüber bis zu 16 Ärzte
gleichzeitig in der Stadt unterwegs sein werden. Auch die Erste-Hilfe-Stellen in
der Gräfestraße in Kreuzberg und an den Krankenhäusern sind dienstbereit.
Adressen und Öffnungszeiten können ebenfalls unter der Telefonnummer 31 00 31
erfragt werden.
(Quelle: KV Berlin)