Berlin, 22. Oktober 2009. Die Kassenärztliche Vereinigung Berlin hat bezüglich der Diskussion um die Honorierung der Impfungen gegen die Neue Influenza (A/H1N1) noch einmal auf den hohen Aufwand der impfenden Ärzte hingewiesen. „Gerade bei der Impfung gegen die Neue Influenza wird es – auch vor dem Hintergrund der öffentlichen Debatten um eventuelle Nebenwirkungen des Impfstoffes – insbesondere bei Risikopatienten einen erheblichen Beratungsaufwand geben, noch dazu, wenn die Patienten und ihre Krankengeschichte dem impfenden Arzt nicht bekannt sind“, erklärte Dr. Angelika Prehn, Vorstandsvorsitzende der KV Berlin und selbst Hausärztin. „Eine Impfung dauert inklusive Aufklärung rund zehn Minuten. Darüber hinaus muss der Impfstoff täglich neu angemischt werden. Und es müssen immer mindestens zehn Patienten an einem Tag geimpft werden, damit kein Impfstoff verfällt, das heißt, Praxen müssen gegebenenfalls extra Impftage einrichten und dafür zusätzliches Personal ordern. Ein Impfhonorar von 5,50 Euro für eine solche Impfung liegt aber unterhalb der Vergütung beispielsweise für die saisonale Grippe-Impfung und kann diesen hohen Beratungsaufwand gar nicht decken. Unter anderem aus diesem Grund hatte das Ärzteparlament – die Vertreterversammlung der KV Berlin – den Abschluss einer entsprechenden Vereinbarung der KV mit dem Senat vor zwei Wochen abgelehnt.“
Die Durchführung und Organisation der Impfung gegen die Neue Influenza ist Aufgabe der Länder. Die Einzelheiten dazu werden jeweils zwischen den Ländern und den Krankenkassen in entsprechenden Vereinbarungen geregelt. Eine vom Bundeskabinett im August beschlossene Rechtsverordnung gibt einen Orientierungswert in Höhe von 28,- Euro für die gesamten Kosten einer Schweinegrippen-Impfung vor. „Die finanziellen Mittel für eine bessere Vergütung der ärztlichen Leistung wären somit vorhanden“, so Prehn „So wird beispielsweise in Hessen die Impfung mit 6,50 vergütet.“ Die Frage sei hier vielmehr, ob das Land Berlin nicht den Impfstoff beim Hersteller zu teuer eingekauft habe und dies nun durch niedrigere Entlohnung der Ärzte ausgeglichen werden solle. Während der Senat Berlin die Impfdosen für je rund 7,00 Euro beim Hersteller GlaxoSmithKline eingekauft habe, hätten andere Länder wie die Schweiz nur rund 5,00 Euro bezahlt. Hier solle offenbar das Geld bei den Ärzten eingespart werden, das der Pharma-Industrie geschenkt worden sei.
Die Vertreterversammlung der KV Berlin hatte Anfang Oktober einem Eckpunkte-Papier der Berliner Senatsgesundheitsverwaltung zur Umsetzung der für Ende Oktober avisierten Impfaktion nach intensiver Diskussion nicht zugestimmt. Kritisiert wurde von den Ärzten neben der komplizierten und praxisfernen Umsetzung einer Massen-Impfung durch ausgewählte Praxen auch die unzureichende Vergütung der Impfung, die unterhalb der Honorierung für eine Einfach-Impfung von 7,10 Euro nach der bestehenden Impfvereinbarung zwischen KV Berlin und den Berliner Krankenkassenverbänden liegt.