Berlin, 12.08.2009. Das seit rund 25 Jahren bestehende ambulante Versorgungsnetz
für HIV-Patienten in Berlin ist akut gefährdet. „Seit Einführung
einer bundeseinheitlichen Regelung zur Finanzierung der ambulanten AIDS-Behandlung
in Deutschland am 1. Juli werden spezielle fachärztliche Behandlungsangebote
nicht mehr gefördert“, erklärte das Vorstandsmitglied der Kassenärztlichen
Vereinigung (KV) Berlin, Burkhard Bratzke. Für die Hauptstadt, in der die
meisten Behandlungen seit Jahren ambulant erfolgten, habe dies ernste Folgen.
„Durch den Ausschluss der Facharztpraxen wird ein bundesweit einzigartiges
Ärztenetz zerschlagen“, kritisierte Bratzke. Dies gehe zu Lasten
der Patientenversorgung.
Die neue Bundesvereinbarung zur Förderung der ambulanten Versorgung von
Menschen mit HIV und AIDS sieht nur für „behandlungsführende
Hausärzte und Internisten“ eine Honorierung des Mehraufwandes vor.
Fachärzte, die in der Vergangenheit ebenfalls eine zusätzliche Vergütung
für die Behandlung von HIV-Patienten erhalten haben, gehen leer aus. Eine
Förderung der fachärztlichen Versorgung hatten die Krankenkassen in
den Verhandlungen mit der Kassenärztlichen Bundesvereinigung abgelehnt.
„Leider sind auch die Berliner Krankenkassen nicht bereit, die fachärztliche
Behandlung in den auf HIV spezialisierten Praxen weiterhin ausreichend zu finanzieren“,
bedauerte Bratzke. Einen entsprechenden Vorschlag der KV Berlin haben sie abgelehnt.
Ohne finanzielle Förderung können die Berliner Fachärzte ihr
Untersuchungs- und Behandlungsangebot für HIV-Patienten nicht auf dem bisher
gewohnten Niveau aufrechterhalten. „Die Betreuung von AIDS-Patienten erfordert
mehr Zeit und mehr Personal“, erläutert Bratzke. Dieser Mehraufwand
sei durch die reguläre Vergütung ärztlicher Leistungen nicht
abgedeckt.
In dem auch als „Schöneberger Modell“ bekannten Berliner Ärztenetz
engagieren sich neben Hausärzten und Internisten auch viele Fachärzte,
deren Fachgebiete bei der HIV-Behandlung eine wichtige Rolle spielen. Die behandelnden
Ärzte stehen dabei im permanenten fachlichen und persönlichen Austausch,
koordinieren die Therapie und sprechen nächste Behandlungsschritte ab.
Durch regelmäßige Fortbildungen garantieren sie eine Behandlung nach
neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen.
„Durch diese vorbildliche Zusammenarbeit haben wir in Berlin erreicht,
dass die Patienten fast ausschließlich ambulant versorgt werden können.
Darum werden wir vielerorts beneidet“, hob Bratzke hervor. Das hervorragende
ambulante Behandlungsnetz ist auch ein Grund dafür, dass in Berlin mittlerweile
rund 20 Prozent der in Deutschland mit dem HI-Virus infizierten Menschen behandelt
werden. In anderen Regionen Deutschlands ist die HIV-Behandlung primär
an den Krankenhäusern konzentriert, die fachärztliche Versorgung erfolgt
dort nur in den entsprechenden Klinikambulanzen und Stationen der Universitätskliniken.
(Quelle: KV Berlin)