Berlin, 03.08.2009. Das in Berlin vor drei Jahren gestartete Mammographie-Screening zur Früherkennung von Brustkrebs zeigt Erfolg. „Rund 80 Prozent aller Brustkrebserkrankungen konnten in einem so frühen Stadium entdeckt werden, dass der Tumor noch nicht tastbar war und keine Symptome gezeigt hat“, hob der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Mammographie-Screening Berlin, Axel Wald, in einer ersten Zwischenbilanz hervor. Die betroffenen Frauen hätten dadurch wesentlich höhere Heilungschancen. In Berlin erkranken jährlich rund 2.300 Frauen an Brustkrebs. Wird der Tumor früh erkannt, besteht eine Heilungschance von mehr als 90 Prozent, und die Anzahl radikaler Operationen und belastender Therapien kann erheblich verringert werden.
In Berlin wurden inzwischen alle 437.000 Frauen im Alter zwischen 50 und 69 Jahren zu der Untersuchung im Rahmen des Mammographie-Screening-Programms eingeladen. Die letzten Einladungen wurden im Juni versandt. Viele Frauen wurden bereits zum zweiten Mal angeschrieben. „Die Teilnahmequote liegt bislang bei etwa 50 Prozent. Dies ist für den Anfang ein gutes Ergebnis“, betonte Wald. Er appellierte nochmals an alle Frauen, die Chance zur Früherkennung zu nutzen und alle zwei Jahre am Mammographie-Screening-Programm teilzunehmen. In Berlin startete das Mammographie-Screening vor drei Jahren, es wird seit April 2007 in der Hauptstadt flächendeckend angeboten.
Die bislang vorliegenden Daten belegen die hohe Qualität des Programms. „Die ausgewerteten Ergebnisse der Berliner Screening-Einheiten aus den Jahren 2006 bis 2008 zeigen, dass Berlin sämtliche Vorgaben, die auf Grundlage der EU-Richtlinien für das deutsche Screening-Programm festgelegt worden sind, erfüllt“, hob Dr. Lisa Regitz-Jedermann, Leiterin des Referenzzentrums Mammographie Berlin und Programmverantwortliche Ärztin der Berliner Screening-Einheit 1, hervor. Um Qualität und Erfolg des Programms zu messen, werden regelmäßig bestimmte Qualitätsparameter aus den Screening-Einheiten berechnet. Zu den wichtigsten Parametern zählen die Brustkrebsentdeckungsrate und die Anzahl früh entdeckter Karzinome. In Berlin liegt die Brustkrebsentdeckungsrate nach Angaben der Expertin bei 9,5 von 1000 untersuchten Frauen und damit sehr hoch. Zum Vergleich: Die Anforderung der EU-Richtlinie zur qualitätsgesicherten Mammographie liegt bei 7,5 von 1000 untersuchten Frauen. „Wir hoffen natürlich, dass diese positiven Ergebnisse auch dazu beitragen, dass zukünftig noch mehr Frauen das Angebot zur Früherkennung nutzen“, betonte Dr.
Regitz-Jedermann.
Studie: Hohe Akzeptanz unter den Teilnehmerinnen
Dass die hohe Qualität ein wichtiger Indikator für die Teilnahme am Screening ist, zeigen auch die aktuellen Ergebnisse einer Studie des Bundesgesundheitsministeriums*: Mammographie-Screening wird von allen Früherkennungsuntersuchungen als sicherste Methode eingeschätzt. 90 Prozent der Teilnehmerinnen gaben an, dass sie bei der nächsten Einladung wieder am Screening teilnehmen würden. 89 Prozent würden das Screening anderen
Frauen weiterempfehlen. Besonders positiv bewertet wurden die Einladung mit Terminvorschlag, die hohe Qualität des Programms (Professionalität des Screening-Teams, Doppelbefundung, modernste Geräteausstattung) und die freundliche Atmosphäre in den
Screening-Zentren.
Die aktuellen Befragungen zeigen aber auch, dass Frauen zum Thema Brustkrebs noch große Informationsdefizite haben. Was viele Frauen nicht wissen: 80 Prozent der Erkrankungen treten bei Frauen über 50 Jahren auf, 50 Prozent bei Frauen in der Altersgruppe zwischen 50 und 69 Jahren, der für das Screening anspruchsberechtigten Altersgruppe. Das mittlere Erkrankungsrisiko liegt bei 63 Jahren. Bundesweit erkranken jährlich etwa 57.000 Frauen an Brustkrebs, etwa 17.500 Frauen – das sind fast 50 Frauen täglich – sterben an ihrer Erkrankung.
Das Mammographie-Screening ist ein zusätzliches Angebot zur jährlichen Krebsfrüherkennungsuntersuchung durch den Frauenarzt. Mit dem auf Beschluss des Bundestages eingeführten Programm sollen die Heilungschancen erhöht und die Lebensqualität der betroffenen Frauen wesentlich verbessert werden. Ziel ist eine Senkung der Brustkrebssterblichkeit um 25 bis 35 Prozent. Frauen im Alter von 50 bis 69 Jahren werden automatisch alle zwei Jahre von der Zentralen Stelle hierzu eingeladen. Die Untersuchungen finden ausschließlich in zertifizierten Screening-Einrichtungen statt. Überweisungsschein und Praxisgebühr sind nicht erforderlich. Für gesetzlich Versicherte ist die Untersuchung kostenfrei. Für privat Versicherte richtet sich die Kostenübernahme nach dem individuellen Vertrag.
Informationen für Frauen:
Hotline Zentrale Stelle: 0800-500 23 45 (kostenfrei)
Internet: www.mammo-programm.de (Informationen auch in anderen Sprachen)
*Informationen zur BMG-Studie auch in: I. Naß-Griegoleit, B. Schultz-Zehden, M. Klusendick, J. Diener, H. Schulte (2009). Studie belegt hohe Akzeptanz des Mammographie-Screenings bei Frauen - Ergebnisse der ersten repräsentativen Studie in Deutschland. In: Der Frauenarzt, 50, 6, S. 494-501
Ansprechpartner für die Presse:
Gabriele Rähse, für die Arbeitsgemeinschaft Mammographie-Screening Berlin, Tel. 030-2531-2202, E-Mail:
presse@bln.aok.de
Annette Kurth, Kassenärztliche Vereinigung Berlin, Tel. 030-31003-383, E-Mail: annette.kurth@kvberlin.de
Friederike Beck, für die Programmverantwortlichen Screening-Ärzte Berlin, Tel. 0163-2582551, E -Mail:
f.beck@berlin.de
Elvira Michel-Schrammen, Zentrale Stelle Berlin, Tel. 21017382, E-Mail:
e.michel-schrammen@agms-zs.de
Dr. Beate Schultz-Zehden, Projektboard der BMG-Studie, Tel. 3988399-23, E-Mail:
b.schultz-zehden@referenzzentrum-berlin.de
Gerne vermitteln wir Ihnen Programmverantwortliche Ärzte und Screening-Teilnehmerinnen als Interviewpartner.
(Quelle: KV Berlin)