Berlin, 1. März 2009. Berlins Kassenärztechefin Dr. Angelika Prehn hat anlässlich des Darmkrebsmonats März an die Berliner appelliert, das Angebot zur Früherkennung von Darmkrebs noch stärker in Anspruch zu nehmen.
"Mit einer Darmspiegelung kann ein Krebs nicht nur früh erkannt, sondern sogar verhindert
werden", erklärte die Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) am Sonntag. Seit Programmbeginn im Oktober 2002 hat bislang jeder fünfte anspruchsberechtigte gesetzlich krankenversicherte Berliner die präventive Darmspiegelung (Koloskopie) zur Früherkennung von Darmkrebs genutzt. Damit nimmt Berlin bei dieser Untersuchung in punkto Teilnahmequoten bundesweit einen der vorderen Plätze ein.
"Auch wenn die Koloskopie von den Berlinern schon gut angenommen wird – wir wünschen uns natürlich, dass alle Anspruchsberechtigten zu dieser Untersuchung
gehen", betonte Prehn.
Hohe Patientenzufriedenheit mit Untersuchung
Viele Menschen befürchten, die Darmspiegelung sei sehr unangenehm, und gehen deshalb nicht zum Arzt. Doch dies ist unbegründet, wie eine Patientenbefragung in den Praxen von 21 Berliner niedergelassenen Gastroenterologen bestätigt hat. Im Rahmen der mit der Charité durchgeführten wissenschaftlichen Untersuchung wurden fast 13.000 Patienten im Anschluss an eine Vorsorge-Darmspiegelung unter anderem danach befragt, wie sie die Untersuchung empfunden haben. Über drei Viertel (76 Prozent) der Befragten beschrieben die Untersuchung als
"gut akzeptabel". 16 Prozent empfanden die Darmspiegelung als nur
"etwas unangenehm", sieben Prozent als "unangenehm, aber
ertragbar". Lediglich ein Prozent empfanden die Koloskopie als "sehr
unangenehm". 17 Prozent verzichteten bewusst auf ein Beruhigungsmittel ("Schlafspritze"), das vor der Untersuchung gegeben werden kann.
Darmkrebs – früh erkannt immer heilbar
Der niedergelassene Facharzt für Innere Medizin/Gastroenterologie und Mit-Initiator der Initiative Berlin-gegen-Darmkrebs, Dr. Rolf Drossel, hofft, dass dieses Ergebnis den Berlinern Mut zur Früherkennungsuntersuchung macht:
"Werden bei der Darmspiegelung Vorstufen des Darmkrebses entdeckt, können diese meist während der Untersuchung entfernt und so das Entstehen von Darmkrebs direkt bei der Vorsorgeuntersuchung verhindert werden. 9 von 10 Darmkrebsopfern könnten so gerettet
werden." Bei 21 Prozent der im Rahmen der Studie untersuchten Berliner wurden solche Vorstufen des Darmkrebses (Adenome) nachgewiesen und entfernt. Bis zu sieben Prozent der zunächst gutartigen und langsam wachsenden Polypen entarten im Laufe der Zeit zu bösartigen Tumoren. Ist der Tumor jedoch erst einmal in tiefere Darmschichten eingedrungen, sinken die Heilungschancen rapide.
Die Initiative Berlin-gegen-Darmkrebs hat es sich zum Ziel gesetzt, Patienten verstärkt über Darmkrebsvorsorge zu informieren und vor allen Dingen auch zu motivieren. Daneben engagiert sich die Initiative auf dem Gebiet der ärztlichen Fortbildung, der Qualitätssicherung und der Zusammenarbeit der Ärzte untereinander.
Zum Hintergrund:
Darmkrebs ist die häufigste Krebserkrankung in Deutschland. Jährlich erkranken mehr als 63.000 Menschen neu an Darmkrebs, rund 27.000 sterben jedes Jahr an dieser Erkrankung. Dabei ist Darmkrebs ein Tumor, der vor Entstehung wirkungsvoll verhindert werden kann: Am effektivsten durch eine Darmspiegelung (Koloskopie), die gesetzlich Krankenversicherte ab dem Alter von 55 Jahren kostenlos als Vorsorgeuntersuchung in Anspruch nehmen und nach 10 Jahren wiederholen lassen können. Bei der Koloskopie wird ein dünner und biegsamer Schlauch, das Koloskop, vom Arzt behutsam in den After eingeführt und langsam in den Darm geschoben. Am Ende des Koloskopes befindet sich eine winzige Spezialkamera, über die der Arzt Veränderungen an der Darmwand erkennen kann. Durch die modernen Koloskope und die Erfahrung der Fachärzte, die Darmspiegelungen häufig durchführen, ist dies eine sehr schonende und effektive Untersuchung für den Patienten. Auf Wunsch kann der Patient auch ein Beruhigungsmittel bekommen, das ihn in einen Kurzschlaf versetzt, sodass er von der Untersuchung kaum etwas oder nichts spürt.
In Berlin haben aktuell 72 Fachärzte eine Abrechnungsgenehmigung der Kassenärztlichen Vereinigung für präventive Darmspiegelungen. Abrechnungsgenehmigung heißt, diese Ärzte dürfen diese Leistung zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung erbringen, weil sie die entsprechende Qualifikation und Routine gegenüber der KV nachgewiesen haben. Jährlich werden bei allen Ärzten stichprobenartig die Vollständigkeit der Untersuchung des Dickdarmes und die Qualität der Polypenentfernung überprüft. Zusätzlich finden zweimal im Jahr unangekündigte Hygienekontrollen statt, bei denen die bei der Untersuchung eingesetzten Koloskope überprüft werden. Nur wer die Qualität nachweist, darf diese Leistung im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung weiter erbringen. Welche Ärzte dies in Berlin sind, können Patienten beim Gesundheitslotsendienst der KV Berlin (Tel. 31003-222) oder über die Arztsuche im Internet
(www.kvberlin.de) erfahren.
Ansprechpartner für die Presse:
KV Berlin: Annette Kurth, Tel. 030/31003 383 oder 0172/9095888
Initiative Berlin-gegen-Darmkrebs: Dr. Rolf Drossel, Tel. 030/563 33 22
Weiterführende Informationen unter: www.berlin-gegen-darmkrebs.de
(Quelle: KV Berlin)