Es gibt aus medizinischer Sicht mehr als 100 verschiedene Formen von Schlafstörungen.
Einige haben ein ähnliches Beschwerdebild und trotzdem verschiedene Entstehungsursachen.
Deshalb ist eine genaue Diagnostik für eine adäquate Therapie ein
wesentlicher Schritt, um das häufig chronische Leiden behandeln zu können.
Ein über mehrere Wochen geführtes Schlaftagebuch mit Aufzeichnungen
der Patienten zu Dauer, Qualität des Schlafs, psychischen Belastungen,
Alkohol, Medikamenten etc. erleichtert die diagnostische Zuordnung.
Allen Schlafstörungen gemeinsam ist als erster therapeutischer Schritt
die Einhaltung der Grundregeln der Schlafhygiene.
Schlaflosigkeit
Chronische Schlaflosigkeit oder Insomnie hat Krankheitswert, wenn für
die Dauer von ca. 1 Monat die Schlafqualität mindestens dreimal in der
Woche derart vermindert ist, dass die Leistungsfähigkeit am Tage deutlich
eingeschränkt ist.
Das therapeutische Vorgehen richtet sich entscheidend nach der vom Arzt gestellten
Diagnose. So erfordern Einschlafstörungen bedingt durch einen verschobenen
Schlaf-Wach-Rhythmus bei Schichtarbeit einen völlig anderen Behandlungsansatz
als Einschlafstörungen durch Erwartungsangst und Grübeleien vor dem
möglichen chronischen Nichtschlafenkönnen. Durchschlafstörungen
infolge Lärm seitens Nachbarn oder des schnarchenden Partners können
anders behoben werden als solche durch Ängste, Überlastungen, Konflikte
in Familie oder Beruf.
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Schnarchen
"Meine Frau behauptet, ich schnarche!" Oft sind es die Partner der
Betroffenen, die durch den Lärm der Schnarcherin oder des Schnarchers Schlafstörungen
haben!
Das Schnarchgeräusch mit einer Lautstärke von 60 - 80 Dezibel entsteht
durch Vibrationen in den Weichteilen des Rachens bei unvollständiger Verlegung
der oberen Atemwege im Schlaf. Bevorzugt tritt es bei Rückenlage des Schläfers,
bei verstopfter Nase, bei anatomischen Besonderheiten wie z.B. großen
Mandeln und Zunge, bei starker Erschlaffung der Muskulatur im Schlaf z.B. durch
Alkohol, Medikamente oder starke körperliche Erschöpfung auf. Auch
ein Nichtschnarcher kann durch Alkohol oder Übergewicht zum Schnarcher
werden! Wenn bei Schnarchern keine Risikoerkrankungen (z.B. Bluthochdruck, Übergewicht)
bestehen, so ist er ein gesunder Schnarcher und eine medizinische Behandlung
nicht zwingend erforderlich. Es lohnt sich aber auch für den gesunden Schnarcher,
einige für das Schnarchen ursächliche Gewohnheiten zu ändern:
weniger Alkohol oder Schlafmittel vor dem Zubettgehen und Gewichtsreduktion.
Bei Schnarchern mit anatomischen Besonderheiten können kieferorthopädische
oder HNO-ärztliche Maßnahmen eine Linderung bringen.
Wenn das Schnarchen laut und unregelmäßig ist, der Schnarcher zwischendurch
für 30 – 50 Sekunden keine Luft holt, um danach umso lauter schnarchend
einzuatmen, dann liegt der Verdacht auf eine schlafbezogene Atemstörung
- die Schlafapnoe - nah. Eine medizinische Diagnostik und Therapie ist dringend
erforderlich.
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Obstruktive Schlafapnoe
"Atemstillstand im Schlaf" ist die deutsche Bezeichnung der Schlafapnoe
und bezeichnet eindrücklich ein Krankheitsbild, das durch mehr als 5 bis
10-mal pro Stunde auftretende Atemstillstände von 10 bis 60 Sekunden Dauer
im Schlaf eines Schnarchers gekennzeichnet ist.
Beim Schnarcher mit Schlafapnoe verlegt die erschlaffte Muskulatur der Zunge
und des Rachengrundes den Rachenraum teilweise oder vollständig und behindert
so den Luftstrom in den oberen Atemwegen (Obstruktion). Ein Atemstillstand (Apnoe)
im Schlaf und ein Absinken des Sauerstoffgehalts und Ansteigen des Kohlendioxidgehalts
im Blut sind die Folge. Dies löst im Gehirn einen Weckreflex mit Anspannung
der Muskulatur und tiefen Atemzügen aus. Der verminderte Blutsauerstoffgehalt
wird wieder normalisiert. Parallel dazu treten starke Blutdruck- und Herzrhythmusschwankungen
auf, die das Herz-Kreislauf-System während der ganzen Nacht wie bei schwerer
körperlicher Arbeit belasten. Der Vorgang wiederholt sich andauernd in
einer Nacht, wovon der Schnarcher selbst nichts bemerkt. Er glaubt, gut geschlafen
zu haben.
Erst am Tage spüren die Betroffenen die Auswirkungen ihres zerhackten
und nicht erholsamen Schlafs. Sie fühlen sich zerschlagen und wenig leistungsfähig,
können sich schlecht konzentrieren, sind oft gereizt oder schlafen bei
monotonen Tätigkeiten wie Autofahren, Lesen und Fernsehen schnell ein.
Auch Libidoverlust und Impotenz sind typische Beschwerden von Schnarchern mit
Schlafapnoe.
Unbehandelt stellen sich nach einigen Jahren bleibende schwere Folge- und Begleiterkrankungen
wie arterieller Bluthochdruck, Herzmuskelschwäche, gehäuftes nächtliches
Herzrasen oder Herzverlangsamung und Lungenhochdruck mit einer Verkürzung
der Lebenserwartung ein. Aber auch schwere Verkehrsunfälle durch die Einschlafneigung
am Tage (Sekundenschlaf) sind Folge einer unbehandelten Schlafapnoe.
Patienten mit obstruktiver Schlafapnoe können heute sehr effektiv durch
eine nächtliche Beatmung mit einer Nasenmaske (Nasal Continuous Positive
Airway Pressure nCPAP) behandelt werden. Eine ungestörte Atmung, eine normale
Kreislauffunktion und ein erholsamer Schlaf werden bei nahezu allen Patienten
in kürzester Zeit erreicht. Auch wenn das Schlafen mit der Maske dem eitlen
Schnarcher anfangs unvorstellbar und wenig "sexy" erscheint, so überwiegen
die positiven Auswirkungen auf das körperliche und psychische Wohlbefinden
am Tage die Unannehmlichkeiten in der Nacht. Es ist wie beim Tragen einer Brille:
ein Leben ohne Hilfsmittel hat weniger Qualität.
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Unruhige Beine im Schlaf – Restless Legs Syndrom
Wenn der Schlaf gestört und die Leistungsfähigkeit am Tage gemindert
ist, so kann eine Ursache dafür in einem unwillkürlichen Bewegungsdrang
der Beine bestehen. Dieses "Zappeln" verbunden mit Missempfindungen
wie Kribbeln, Prickeln, Ziehen, Stechen, Reißen lässt die Patienten
nicht zur Ruhe kommen und verhindert einen erholsamen Schlaf. Es meldet sich
ausschließlich in Ruhe, im Fernsehsessel oder auf dem Sofa und ganz ausgeprägt
beim abendlichen Bettgang und in der Nacht. Typischerweise führt erneutes
Bewegen der Beine zu einer vorübergehenden Besserung der Beschwerden.
Die Diagnose kann durch die typischen Beschwerden des Patienten und eine ambulante
Schlafuntersuchung gestellt werden. Falls einige der leiblichen Verwandten (Eltern,
Großeltern, Onkel, Tanten) unter ähnlichen Beschwerden leiden, so
macht dies die Diagnose einer vererbbaren Form des Restless Legs Syndroms wahrscheinlich.
Auch andere Erkrankungen wie eine schwere Nierenerkrankung oder eine Blutarmut
durch Eisenmangel können unruhige Beine im Schlaf hervorrufen.
Inzwischen ist die sogenannte "Methode zum Abstellen des Zappelns"
nicht mehr erforderlich, sondern es stehen einige effektive Behandlungsmethoden
zur Verfügung.
Diese richten sich in erster Linie nach der Ursache der Erkrankung sowie nach
der Einschränkung der Lebensqualität und Leistungsfähigkeit der
Betroffenen. In Fällen einer internistischen Grunderkrankung ist zuerst
deren ausreichende Behandlung erforderlich. Auch einfache Maßnahmen wie
Massagen, Fußduschen etc. können bei leichten Symptomen eine Linderung
bringen. Bei anhaltenden Beschwerden ist eine Medikamenteneinnahme zur Normalisierung
der Bewegungs-unruhe und damit des Schlafes erforderlich. Als sehr wirksam hat
sich dabei eine künstlich hergestellte Vorstufe eines Botenstoffs im Gehirn,
das L-Dopa, erwiesen.
Bei der Suche nach einem Arzt in Ihrer Nähe hilft Ihnen auch die
Kassenärztliche Vereinigung Berlin weiter:
Unter der Nummer 31 00 3 - 222 erreichen Sie unseren Gesundheitslotsendienst.
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