KV-Gesundheitsratgeber: Wenn die Hormone verrückt spielen - Schilddrüsenerkrankungen

Allgemeine Informationen zu Schilddrüsenerkrankungen

Die Schilddrüse ist ein lebenswichtiges Organ: Ihre Aufgabe ist es, aus Jod und anderen Bausteinen bestimmte Hormone herzustellen, zu speichern und über das Blut an den Körper abzugeben. Die Schilddrüse beeinflusst über ihre Hormone die meisten Stoffwechsel und Organprozesse des Körpers sowie das Körperwachstum. Auch auf die psychische Verfassung nimmt sie Einfluss.

Deutschland ist allerdings ein Land mit Jodmangel. Jod kommt vor allem im Gestein und in den Böden vor, während der Eiszeiten sind die Böden aber so ausgewaschen worden, dass das Jod ins Meer gespült wurde. Dadurch enthalten die meisten Nahrungsmittel kaum noch Jod, nur Seefisch ist jodreich. Die Folgen sind gravierend:

Schilddrüsenerkrankungen wie die Vergrößerung der Schilddrüse gehören mit zu den häufigsten Krankheiten in Deutschland. Der Jodmangel hat bei knapp jedem zweiten Deutschen zu einer vergrößerten Schilddrüse geführt und ist für gut 90 Prozent aller Schilddrüsenerkrankungen verantwortlich. Aber auch die so genannten autoimmunen Schilddrüsenerkrankungen wie Unter- oder Überfunktion plagen viele Menschen.

Die Funktionsweise der Schilddrüse

Die Schilddrüse ist eine kleine, schmetterlingsförmige Drüse, die unterhalb des Schildknorpels des Kehlkopfes auf der Luftröhre gelegen ist. Die gesunde Schilddrüse wiegt beim erwachsenen Menschen bis zu 18 Gramm bei Frauen, bis zu 25 Gramm bei Männern. Normalerweise kann sie von außen weder gesehen noch getastet werden. Damit die Schilddrüse die Schilddrüsenhormone T3 (Trijodthyronin) und T4 (Thyroxin) produzieren kann, benötigt sie Jod, das über die Nahrung aufgenommen wird. Der tägliche Bedarf liegt zwischen 150 und 300 Mikrogramm Jod am Tag.

Die Schilddrüse wird mittels zwei Reglern – dem Hypothalamus des Zwischenhirns und der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) – gesteuert und entweder zu verstärkter oder verminderter Arbeit, sprich Hormonproduktion, angehalten. Werden zu wenig Schilddrüsenhormone gebildet, fordert die Hirnanhangdrüse mittels des stimulierenden Hormons (TSH) die Schilddrüse auf, mehr Hormone zu produzieren. Im umgekehrten Fall, bei einer Überfunktion der Schilddrüse mit erhöhter Hormonproduktion, weist sie das Organ an, weniger aktiv zu sein. Ist die Hormonlage dann wieder ausgeglichen, schalten die Regelzentren zurück.

Verschiedene Formen der Schilddrüsenerkrankungen

Schilddrüsenerkrankungen lassen sich im Allgemeinen in zwei Untergruppen teilen: In die Jodmangel-Folgekrankheiten und in die so genannten autoimmunen (d. h. gegen den eigenen Körper gerichtet) Schilddrüsenerkrankungen. Allgemeine Informationen zu Schilddrüsenerkrankungen.

Zu den Jodmangel-Folgeerkrankungen zählen beispielsweise die

  • Vergrößerung der Schilddrüse (Kropf) und die
  • Schilddrüsenknoten,
  • Autonomie.

Zu den autoimmunen Schilddrüsenerkrankungen gehören

  • die Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose),
  • die Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose),
  • die chronische Schilddrüsenentzündung (Autoimmunthyreoiditis).

Spezialisten für die Schilddrüse

Treten Beschwerden auf, die auf eine Schilddrüsenerkrankung hinweisen, ist eine ärztliche Untersuchung erforderlich. Ihr Hausarzt kann mittels einfacher Blutuntersuchungen feststellen, ob eine Störung der Schilddrüsenfunktion vorliegt. Mit einer Ultraschalluntersuchung der Schilddrüse können Veränderungen von Größe und Struktur der Schilddrüse erkannt werden. Unter Umständen ist eine Überweisung zu einem Facharzt notwendig. Schilddrüsenspezialisten sind Fachärzte für Innere Medizin, Nuklearmedizin oder Endokrinologie. Unter dem Begriff „Endokrinologie“ versteht man ein Teilgebiet der Medizin, das sich mit der Funktion und Regulation von Hormonen und Hormonsystemen auseinandersetzt.

Bei der Suche nach einem Facharzt für Innere Medizin und Endokrinologie in Ihrer Nähe hilft Ihnen auch die Kassenärztliche Vereinigung Berlin weiter: Unter der Nummer 31 00 3 - 222 erreichen Sie unseren Gesundheitslotsendienst.

 

Weiter zu Teil 2: Autoimmune Schilddrüsenerkrankungen

(Quelle: KV Berlin)

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