KV-Gesundheitsratgeber Neurodermitis - Teil 2: Ursachen

Ursachen und Auslöser von Neurodermitis

Die Ursachen für Neurodermitis sind nicht vollständig geklärt. Jedoch weiß man, dass die Erkrankung in vielen Fällen auf eine erbliche Veranlagung zurückzuführen ist, die sich als Neurodermitis, aber auch als Bronchialasthma oder Heuschnupfen äußern kann.

Eine Vielzahl von Faktoren, die Einfluss auf den Ausbruch oder die Entwicklung der Krankheit und ihre Ausprägung haben (so genannte Provokationsfaktoren), sind inzwischen bekannt. Hierzu zählen unter anderem:

Allergische Reaktionen auf

  • Inhaltsstoffe bestimmter Nahrungsmittel
  • Blütenpollen
  • Tierhaare
  • Hausstaub

Reizung der Haut durch

  • Wolle
  • Dusch- und Waschmittel
  • Chemikalien, Putzmittel

Reaktionen auf Sonnenlicht und klimatische Bedingungen, aber auch das Immunsystem und die psychische Verfassung eines Menschen können für das Ausbrechen der Krankheit eine entscheidende Rolle spielen. In vielen Fällen lösen psychischer Stress, Angst oder Trauer eine Verschlimmerung der Symptome aus. Im individuellen Erkrankungsfall wirken meist mehrere Faktoren zusammen, sodass die Suche nach der Krankheitsursache mühsam und langwierig sein kann.

Symptome

Das Krankheitsbild ist von einem wechselnden, sehr unterschiedlich aussehenden Ekzem geprägt, einhergehend mit einem quälenden Juckreiz. Je nach Alter verändern sich die betroffenen Hautstellen, die Ausprägung und die Form. Charakteristisch für alle Neurodermitispatienten sind ihre trockene Haut, die durch eine Minderfunktion der Talgdrüsen bedingt ist, und ihr sprödes Haar.

  • Säuglingsalter: Die ersten Zeichen für eine Neurodermitis können Milchschorf im Bereich des behaarten Kopfes und im Gesicht sein, später treten meist aufgekratzte Veränderungen im Gesichts-, Hals- und Windelbereich hinzu.
  • Schulalter: Im Schulalter leiden die Betroffenen oft an den klassischen Beugeekzemen, d.h. an Ekzemen in den Kniekehlen und Ellenbeugen. In vielen Fällen sind auch Gesicht, Nacken und Hals mit einbezogen.
  • Erwachsenenalter: Im Erwachsenenalter treten häufig besondere Formen der Handekzeme hinzu.

Behandlung von Neurodermitis

Bislang ist Neurodermitis nicht heilbar. Allerdings kann eine Linderung der Symptome mit vielen Therapiemöglichkeiten erzielt werden, besonders wenn mehrere Therapieformen miteinander kombiniert werden. Die letzten Jahre haben gezeigt, dass eine ganzheitliche Ausrichtung bei der Behandlung des atopischen Ekzems zum Erfolg führt. Dazu ist es notwendig, dass Hausärzte, Hautärzte, Kinderärzte, Psychologen, Ernährungsberater und Pädagogen Hand in Hand zusammenarbeiten. Ziel einer ganzheitlichen Therapie ist es, Provokationsfaktoren, d.h. die Faktoren, die Neurodermitis auslösen oder verschlechtern, aufzudecken, Symptome lokal zu behandeln und durch psychotherapeutische Hilfe langfristig die Krankheit bis zur Symptomfreiheit unter Kontrolle zu bekommen.

  • Medikamentöse Therapie: Von unmittelbarer Bedeutung ist die stadiengerechte Behandlung der betroffenen Hautregionen. Hier steht eine Vielzahl an Wirkstoffen zur Verfügung, die – äußerlich aufgetragen oder in Tablettenform eingenommen – entzündungshemmend wirken und zur Linderung des Juckreizes eingesetzt werden.
  • Psychotherapie: Eine psychotherapeutische Begleitung des Patienten ist sinnvoll, da mit der Krankheit ein extremer Leidensdruck verbunden ist. Besonders die äußerlich sichtbaren Hautveränderungen, der Juckreiz und die Empfindlichkeit gegenüber Berührungen wirken äußerst belastend auf das Wohlbefinden des Patienten. Weiterhin ist es wichtig, dass psychische Faktoren wie Stress oder Angst die Erkrankung auslösen und Krankheitsschübe begünstigen können. Mit psychotherapeutischer Hilfe lernen die Patienten, besser mit der Erkrankung und den verbundenen seelischen Belastungen umzugehen.

Leben mit Neurodermitis

Neben einer speziellen medikamentösen Therapie kann der Betroffene durch verschiedene Maßnahmen dazu beitragen, die Erkrankung günstig zu beeinflussen. Wenn die speziellen Provokationsfaktoren, die eine Verschlechterung bewirken, bekannt sind, sollte der Patient diese – soweit möglich – meiden.

  • Bei der Wahl der Kleidung sollte auf das am besten verträgliche Material geachtet werden, um Hautreizungen zu vermeiden. Mittlerweile gibt es speziell beschichtete Fasern, die einen günstigen Krankheitsverlauf unterstützen.
  • Auch die richtige Hautpflege und Reinigung ist für Neurodermitiker von größter Bedeutung. In Absprache mit dem Hautarzt lassen sich Produkte finden, die die Haut optimal versorgen, ohne sie auszutrocknen.
  • Liegt eine Allergie gegen bestimmte Inhaltsstoffe in Nahrungsmitteln vor, ist das Führen eines Tagebuchs empfehlenswert, um die allergieauslösende Substanz zu bestimmen. Diese sollte dann gemieden werden, um einem Krankheitsschub zu entgehen.

Bei der Suche nach einem Dermatologen oder Psychologen in Ihrer Nähe hilft Ihnen auch die Kassenärztliche Vereinigung Berlin weiter: Unter der Nummer 31 00 3 - 222 erreichen Sie unseren Gesundheitslotsendienst.

Weiter zu Teil 3: Psychotherapeutische Hilfen

Autor: KV Berlin, Öffentlichkeitsarbeit | Erstellt am: 30.09.2008

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