Fußfehlstellungen – Spreizfuß, Hohlfuß und mehr
Bei Weitem die häufigsten orthopädischen Erkrankungen betreffen nicht
etwa die Wirbelsäule: Angeborene oder erworbene Fußprobleme machen
rund die Hälfte aller Besuche beim Orthopäden aus. Dazu gehören
insbesondere die durch Einlagenversorgung gut zu therapie-
renden Platt- und Senkfüße, aber auch die streng genommen nicht zu
den Fußfehlstellungen zählenden Vorfußdeformitäten wie
Hallux valgus und Hallux rigidus, welche im fortgeschrittenen Stadium im Regelfall
operativ behandelt werden müssen.
Hallux valgus
Der schmerzhafte Großzehenballen ist die häufigste Erkrankung des
Vorfußes, hervorgerufen durch Veranlagung, oft durch falsches Schuhwerk.
Drei Viertel aller Betroffenen sind Frauen: Frauenschuhe sind oft nicht nur
spitz zugeschnitten, sondern haben zusätzlich häufig noch einen hohen
Absatz – so werden die Zehen auf Schritt und Tritt mit nahezu dem gesamten
Körpergewicht „in Form gepresst“.
Im Anfangsstadium treten zunächst nur bei der Belastung oder beim Tragen
von festen Schuhen die charakteristischen Schmerzen und eine Rötung an
der Außenseite des Ballens auf – später kommt es dann zu unerträglichen
Schmerzen an den Mittelfußköpfchen.
Untersuchungen zeigen, dass in den Industrieländern bereits bei rund einem
Drittel aller jungen Frauen eine beginnende Halluxneigung zu beobachten ist.
Im fortgeschrittenen Stadium führt dabei kaum noch ein Weg an der Operation
vorbei. Fast alle Operationsmethoden haben zum Ziel, nicht nur den seitlich
herausstehenden Ballen zu korrigieren, sondern die ursprüngliche Abrollfunktion
der Zehen so wiederherzustellen, dass die Großzehe ihrer natürlichen
Aufgabe wieder gewachsen ist. Voraussetzung dafür ist, dass der Patient
sich nicht dann erst zu einer Operation entschließt, wenn die unnatürliche
Fehlstellung das Gelenk bereits so weit degeneriert hat, dass eine schwere Arthrose
im Großzehengrundgelenk (s.a. Hallux rigidus) entstanden ist.
Hallux rigidus
Beim Hallux rigidus steift die Großzehe aufgrund einer Arthrose des Großzehengrundgelenks
ein. Die Ursachen für diese Arthrose sind ganz unterschiedlich; oft hat
ein über Jahre hinweg nicht behandelter Hallux valgus zum totalen Knorpelverlust
am Grundgelenk geführt. Steift der große Zeh in einem ungünstigen
Winkel ein, kann oft kein normales Schuhwerk mehr getragen werden. Häufig
suchen Patienten erst dann einen Arzt auf.
Leider ist in diesem Stadium der Erkrankung aber in aller Regel eine konservative
Therapie kaum noch Erfolg versprechend. Zwar können durch entsprechende
Einlagen die Schmerzen gelindert werden, eine ursächliche Behandlung bietet
jedoch auch hier nur die Operation.
Hallux varus
Sehr viel seltener als ein Hallux valgus ist der Hallux varus, bei dem sich
die Großzehe nicht nach innen, sondern nach außen hin ver-
schiebt. Häufige Ursache dafür war in der Vergangenheit eine fehl-
geschlagene Ballenoperation. Auch Verletzungen, fortgeschrittene rheumatische
Erkrankungen oder eine vorangegangene Resektion des Sesambeines können
zum Hallux varus führen.
Einzig zielführende Behandlung ist in den meisten Fällen eine opera-
tive Sehnenverlagerung, welche dazu führt, dass die Zehe wieder zum Fuß
herangezogen wird.
Spreizfuß
Die häufigste Fußfehlstellung ist der Spreizfuß, bei dem das
Querge-
wölbe des Vorfußes zusammensinkt. Dadurch werden die Zehen fächerförmig
aufgespreizt und die Belastung in die Mitte des Vorfußes auf den 2. und
3. Mittelfußknochen verlagert. Zusätzlich zu den Schmerzen wird der
Fuß breiter, sodass häufig nicht mehr jedes Schuhwerk getragen werden
kann. Der Spreizfuß tritt eher bei Frauen auf und ähnelt von den
Beschwerden her dem Hallux valgus (schmerzhafte Last auf dem 2. Mittelfußknochen).
Senkfuß
In den meisten Fällen ist ein Senkfuß die Folge eines Spreizfußes
– man spricht daher häufig auch von einem Senk-/Spreizfuß.
Dies rührt daher, dass ein Absinken des Quergewölbes fast zwangsläufig
ebenso das Absinken des Längsgewölbes nach sich zieht. Liegt das innere
Längsgewölbe schließlich auf dem Fußboden auf, so spricht
man von einem „Plattfuß“. Eine ursächliche Therapie ist
nicht möglich, aller-
dings können durch eine geschickte Einlagenversorgung und – ganz
wichtig – eine Kräftigung der Fußmuskulatur (barfuß gehen!)
viele Symptome aufgefangen werden. Senk- und Plattfüße korrelieren
darüber hinaus vielfach auch mit Übergewicht; eine Reduktion des Körpergewichtes
kann hier viel zur Beschwerdefreiheit beitragen.
Knickfuß
Auch der Knickfuß geht in den meisten Fällen mit einem Senkfuß
einher. Sinkt das Längsgewölbe ab, so geschieht dies nicht immer gleichmäßig.
Sinkt der Rückfuß stärker nach innen ab, so knickt der Fuß
ein – der Fußknöchel drückt sichtbar nach innen. Ein Knickfuß
ist daher aufgrund der stark unphysiologischen Fußstellung sehr belas-
tend für das Sprunggelenk bzw. die Sehnen und Bänder. Ohne eine wirksame
Pronationskontrolle (Schutz des Fußgelenkes gegen das Einknicken nach
innen durch Stützung und/oder spezielle Dämpfung in der Schuhkonstruktion)
sollten mit einer solchen Fußfehlstellung Sportarten wie z. B. Jogging
keinesfalls ausgeübt werden.
Hohlfuß
Beim Hohlfuß, der entweder angeboren oder aber erworben sein kann, liegen
große Teile des Fußgewölbes nicht auf dem Boden auf. Die Folge
ist eine Konzentration des abzustützenden Körpergewichts auf Zehen
und Ferse. Typisch beim Hohlfuß ist eine relative Unbe-
weglichkeit des Fußes, hervorgerufen durch eine Verkürzung der Muskulatur.
Ein Hohlfuß ist durch die mangelnde Stabilität aufgrund der fehlenden
Führung im Mittelfuß im Allgemeinen anfällig für Verletzungen.
Auch ohne besondere Hilfsmittel ist ein Hohlfuß meist leicht zu diagnostizieren:
Bei Betroffenen sind die Schuhsohlen vorn und hinten abgelaufen, während
sie in der Mitte wie neu wirken – eine direkte Folge der veränderten
Gewichtsverteilung durch das nicht aufliegende Fußgewölbe.
Hammerzehen
Eine anlagebedingte oder erworbene Störung des Muskelgleichge-
wichts versursacht eine Verkrümmung der Großzehe oder mehrerer kleiner
Zehen. Das Mittelgelenk steht hoch, das Endglied zeigt steil nach unten und
bohrt sich in die Schuhsohle. Schmerzhafte Schwielen und Druckstellen entstehen.
Bei der Suche nach einem Arzt in Ihrer Nähe hilft Ihnen auch die Kassenärztliche
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(Quelle: Berufsverband der Fachärzte für Orthopädie u. Unfallchirurgie e.V.)