Die Erkrankung hat sehr unterschiedliche Erscheinungsbilder, deren Zeichen nicht alle gleichzeitig bestehen müssen. Schwierig in diesem Zusammenhang ist die Abgrenzung der beschriebenen Krankheitsmerkmale von altersgemäßen, typischen Verhaltensweisen.
Meist empfinden Eltern den Umgang mit ihrem hyperaktiven Kind von klein auf als sehr anstrengend. Die Kinder sind äußerst aktiv und experimentierfreudig, schlafen wenig, führen selten etwas zu Ende, was sie angefangen haben, reden gerne und viel, wechseln ständig das Thema und setzen sich gegen alle Regeln zur Wehr.
Kinder mit einem Aufmerksamkeitsdefizit fallen in der Regel durch Unaufmerksamkeit, Konzentrationsmangel, Vergesslichkeit und Ungeschicklichkeit auf. Dies führt dazu, dass sie nichts zu Ende denken können, nicht über längere Zeit zuhören können, rein akustisch vermittelte Inhalte schnell vergessen, Handlungen und Bewegungen nicht planen können, viel verlieren und viele Flüchtigkeitsfehler machen.
Heftige Stimmungsschwankungen, eine allgemeine starke Reizbarkeit, Distanzlosigkeit, Dazwischenreden und Wutausbrüche über geringfügige Ursachen sind Zeichen ihrer erhöhten Reizbarkeit. Die Kinder ordnen sich schlecht in eine Gemeinschaft ein und stören meist die geregelten Abläufe in Familie, Kindergarten und Schule.
Besteht zusätzlich ein starker Bewegungsdrang in Verbindung mit motorischer Unruhe, spricht man von Hyperaktivität. Hyperaktivität kann ein Krankheitszeichen von ADHS sein, muss es jedoch nicht.
Unüberlegtes, spontanes Handeln in Kombination mit Störungen der motorischen Geschicklichkeit ist die Ursache für eine erhöhte Unfallgefahr bei manchen hyperaktiven Kindern.
Gelingt dem Kind etwas nicht sofort, gibt es schnell frustriert auf. Beschäftigungen wie malen, basteln oder schneiden mögen die betroffenen Kinder in der Regel nicht, dazu haben sie erstens keine Geduld, außerdem strengt es sie sehr stark an.
Beim Schreiben halten sie den Stift verkrampft fest und drücken sehr stark auf. Die Kinder können Kraft nicht dosiert einsetzen. Die Heftführung lässt zu wünschen übrig, überhaupt fällt Ordnung halten in jeder Hinsicht schwer. Unterlaufen ihm Fehler, reagiert es auf Verbesserungen beleidigt.
Das Kurzzeitgedächtnis für ausschließlich mit dem Gehör wahrgenommene Informationen (auditive Wahrnehmung) arbeitet sehr schwach. Oft nässen die Kinder noch im Grundschulalter nachts ein.
Während ein Teil der ADHS-Kinder durch eine überdurchschnittlich frühe Sprachentwicklung auffällt, war die Sprachentwicklung bei einem anderen Teil deutlich verzögert. Die Leistungen in der Schule liegen meist unter den Fähigkeiten der Kinder, die oftmals überdurchschnittlich intelligent sind. Aufgaben werden häufig nur sehr langsam bewältigt. Eine Lese-Rechtschreib- und/oder Rechenschwäche besteht oft neben herausragenden Leistungen in anderen Bereichen.
Die betroffenen Kinder sind meist hilfsbereit. Sie beeindrucken und bereichern ihre Umgebung durch Spontaneität, Fantasie, schnelle Auffassung, Begeisterungsfähigkeit und unkonventionelle Ansichten. Darüber hinaus verfügen sie über einen ausgesprochenen Gerechtigkeitssinn.
Mit dem Einsetzen der Pubertät neigt der betroffene Jugendliche entweder zu einem starken Rückzug oder zu einer ausgeprägten Vorliebe für alles, was ausgefallen ist. Er kann in der Regel nicht mit Geld umgehen und ist kaum in der Lage sich selbst zu organisieren. Dadurch nimmt das Chaos in seinem Zimmer unvorstellbare Formen an, auch die Zeiteinteilung gelingt nicht. Ständig ist er mit unwichtigen Dingen beschäftigt und stellt plötzlich entsetzt fest, dass die Zeit für wichtige Dinge fehlt. Die Betroffenen sind sehr empfindlich. Sie führen ein extrem abwechslungsreiches, genussorientiertes Leben. Im Umgang mit Gleichaltrigen ist er offen, spontan und manchmal besitzergreifend.
Quelle: Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e. V. (BVKJ)
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