KV Berlin: Berlin braucht mehr Ärzte

Das Thema beherrscht die Berliner Medien und beschäftigt die niedergelassenen Ärzte in der Hauptstadt: drohende Unterversorgung in einigen Bezirken.

Hauptproblem: Die Arzt-Patienten-Relation, nach der sich die derzeitige Bedarfsplanung richtet, stammt aus dem Jahr 1992.
„Heute herrschen aber andere Verhältnisse“, sagt Dr. Uwe Kraffel, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Berlin. „Beispielsweise ist das Durchschnittsalter der Berliner Bevölkerung seit 1992 um rund fünf Jahre angestiegen.“ Folge des demografischen Wandels ist eine veränderte Erwartung an die ärztliche Versorgung. Denn dort, wo mehr ältere Menschen leben, sind zum Beispiel mehr Orthopäden und Augenärzte gefragt als etwa Kinderärzte oder Gynäkologen.

Noch ein weiterer Fakt belastet die niedergelassenen Ärzte in der Hauptstadt – und die Statistik. Rund 10 Prozent der behandelten Patienten stammen aus anderen Bundesländern, vor allem aus Brandenburg. Das heißt: Obwohl Berlin rein statistisch überversorgt zu sein scheint, gibt es schon jetzt Facharztgruppen, die einen Versorgungsgrad von deutlich unter 100 Prozent haben. Würde man die zusätzlich behandelten Patienten aus anderen Bundesländern in die Bedarfsplanung mit einrechnen, ergäbe sich sogar in einigen Bereichen eine deutliche Unterversorgung. Dr. Uwe Kraffel: „Schon allein deshalb brauchen wir eine scheinbare Überversorgung.“ Die Mittel, die bisher von den Krankenkassen dafür zur Verfügung gestellt werden, reichen aber schon jetzt nicht aus. „Veränderte Grundbedingungen bedeuten veränderte Anforderungen an die niedergelassenen Ärzte“, sagt Dr. Kraffel. Und Mehrarbeit muss durch bessere Vergütung honoriert werden.

Autor: KV Berlin | Erstellt am: 25.06.2010

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